Entlastungsdienst: Lösung in Sicht

WEINFELDEN. Seit drei Jahren kämpft der Rotkreuz-Entlastungsdienst Thurgau mit Finanzproblemen. Die neue Pflegefinanzierung weist den Gemeinden die Verantwortung zu. Da die Verhandlungen in Richtung Einheitslösung scheiterten, ist jetzt eine Kooperation mit der Spitex Thurgau geplant.

Jeanette Herzog
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Hand in Hand: Der Rotkreuz-Entlastungsdienst sucht die Kooperation mit der Spitex Thurgau. (Bild: zVg)

Hand in Hand: Der Rotkreuz-Entlastungsdienst sucht die Kooperation mit der Spitex Thurgau. (Bild: zVg)

Angehörige einer betreuungs- und pflegebedürftigen Person verrichten nicht selten einen 24-Stunden-Job, der es kaum mehr erlaubt persönliche Termine wahrzunehmen oder Freunde zu treffen. Der Rotkreuz-Entlastungsdienst schafft Abhilfe: «Unsere Kunden sind nicht die Patienten, sondern die Angehörigen», sagt Claudia Habermann, Leiterin des Entlastungsdienstes.

Pflegehelferinnen übernehmen die Betreuung der kranken Person für ein paar Stunden in der Woche und ermöglichen den Angehörigen eine Pause.

Eine böse Überraschung

Den Entlastungsdienst gibt es nun seit sechs Jahren. Da die Kosten für die Angehörigen in einem verträglichen Rahmen bleiben sollen, ist der Dienst auf eine Finanzierung angewiesen. Von 2004 bis 2007 übernahm dies der Bund.

Der neue Finanzausgleich bescherte dem Entlastungsdienst jedoch eine böse Überraschung: Die Bundesgelder wurden Ende 2007 gestrichen. Damit entfiel dem Entlastungsdienst ein Drittel der Einnahmen.

Das Resultat daraus war ein Defizit von 167 000 Franken im Jahr 2008. Dank einer einkommensabhängigen Tarifanpassung und einem Zustupf von 30 000 Franken aus dem Lotteriefonds des Kantons konnte das Defizit 2009 auf 85 500 Franken reduziert werden. Dieses Jahr springt der Kanton mit 120 000 Franken ein.

«Wir hoffen darauf, Ende Jahr mit dem Entlastungsdienst nur noch 10 000 Franken Defizit zu verzeichnen», sagt Cornelia Eisenberg, Geschäftsführerin des Schweizerischen Roten Kreuzes. 2010 soll das letzte Jahr der Übergangsfinanzierung sein. Der Kanton hat in der Neuordnung der Pflegefinanzierung, die Anfang 2011 in Kraft tritt, die Finanzierung der Entlastungsdienste geregelt: Den Gemeinden obliege die Verantwortung für die Versorgung ihrer Wohnbevölkerung mit ambulanten und stationären Pflegeleistungen.

Darin eingeschlossen sind auch die Entlastungsdienste. «Unser Ziel war es, eine einheitliche Lösung mit allen Gemeinden zu finden. Das ist jedoch gescheitert», sagt Cornelia Eisenberg.

Die Schwierigkeit hätte darin bestanden, dass von den Gemeinden viele unterschiedliche Finanzierungsmodelle vorgeschlagen worden seien. «Administrativ wäre das nicht zu bewältigen gewesen.

» Der neue Lösungsvorschlag sieht nun vor, den Thurgauer Gemeinden die Leistungen des Entlastungsdienstes via Spitex Thurgau anzubieten.

«Eine gute Sache»

Die Auftragserteilung für subventionierte Leistungen würde über die Spitex erfolgen. «Wir hoffen sehr, dass die Vereinbarung zustande kommt», sagt Cornelia Eisenberg. Christa Lanzicher, Leiterin der Geschäftsstelle der Spitex Thurgau befürwortet die Kooperation mit dem Entlastungsdienst.

Denn die meisten Gemeinden würden aufgrund der neuen Pflegefinanzierung nun die Spitex beauftragen, einen Entlastungsdienst anzubieten. Die Spitex kann also entweder einen eigenen Entlastungsdienst betreiben oder eine Kooperation mit einem bestehenden anstreben. Die Spitex Thurgau würde von der Kooperation mit dem Entlastungsdienst demnach ebenfalls profitieren.

«Die Vereinbarung mit dem Entlastungsdienst des SRK ist eine gute Sache», sagt Christa Lanzicher. Eine entsprechende Vereinbarung zwischen den Organisationen ist ausgearbeitet worden und liegt den Gremien des SRK und der Spitex zur Genehmigung vor.

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