ENTLASTUNG: Kinder sind im Notfall in guten Händen

Das Rote Kreuz bietet Kinderbetreuungen an, wenn der Nachwuchs krank ist, die Eltern aber nicht von der Arbeit weg können. Im Thurgau ist dieser Dienst in den vergangenen fünf Jahren stark gewachsen.

Larissa Flammer
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Ausgebildete Betreuerinnen und Betreuer können im Thurgau in Notfällen gerufen werden, um sich um die Kinder zu kümmern. (Bild: Archiv)

Ausgebildete Betreuerinnen und Betreuer können im Thurgau in Notfällen gerufen werden, um sich um die Kinder zu kümmern. (Bild: Archiv)

Berufstätige Eltern kommen schnell in eine schwierige Situation, wenn ihr Kind krank wird und zu Hause bleiben muss, sie aber nicht von der Arbeit weg können. Oder wenn die vorgesehene Betreuungsperson des Kindes wegen Krankheit oder Unfall ausfällt. Oder wenn die Eltern krank im Bett liegen und sich nicht um die Kinder kümmern können. Gerade in Zeiten von Grippewellen kommen solche Fälle gehäuft vor. Das Schweizerische Rote Kreuz bietet Hilfe an. Ausgebildete Betreuerinnen und Betreuer können in Notfällen gerufen werden, um sich um die Kinder zu kümmern. «Das ist ein gefragter Dienst, der in den vergangenen fünf Jahren rasant ­gewachsen ist», sagt Rita Kuhn, Mitarbeiterin des Entlastungsdienstes des Roten Kreuzes Thurgau.

Im Jahr 2015 waren die ­Betreuer im Kanton rund 6850 Stunden im Einsatz. 2012 waren es erst 1950 Stunden. 40 Personen sind im Moment für diesen Dienst beim Roten Kreuz Thurgau angestellt. Sie arbeiten auf Pikett und gehen von zu Hause aus in den Einsatz. «Es sind vor allem Frauen. Im Moment haben wir nur einen Mann im Thurgau», sagt Kuhn. Das hänge vor allem damit zusammen, dass das Einkommen der Betreuer je nach Auftragslage variiert. Alle Angestellten haben den Pflegehelfer-Lehrgang des Schweizerischen Roten Kreuzes durchlaufen.

Individuelle Kosten nach Einkommen

Das Angebot richtet sich gemäss einer Medienmitteilung des ­Roten Kreuzes hauptsächlich an mehrfach belastete Familien mit beschränkten finanziellen Mitteln. Die Kosten sind aus diesem Grund entsprechend der finanziellen Situation der betroffenen Familien abgestuft. Für Familien mit einem steuerbaren Einkommen unter 40'000 Franken pro Jahr kostet eine Betreuungsstunde 10 Franken, bei einem steuerbaren Einkommen über 100'000 Franken pro Jahr kostet eine Stunde 28 Franken. Dazu gibt es eine Nachtpauschale und einen Wochenende- und Feiertagszuschlag. Das Rote Kreuz Thurgau erteilt kostenlos Auskunft und Beratung rund um die Kinder­betreuung.

In Krippen werden kranke Kinder nicht betreut

Einige Rotkreuz-Kantonalverbände haben Vereinbarungen mit Unternehmen getroffen, wonach diese die Kosten für die Kinderbetreuung ihrer Mitarbeiter übernehmen. Für das Rote Kreuz vereinfacht sich somit die administrative Abwicklung, weshalb es auch im Thurgau die Bestrebung gibt, solche Vereinbarungen zu treffen. Gemäss Kuhn ist das im Kanton bisher aber nicht der Fall. «Die meisten Anfragen kommen von Familien selbst oder von anderen Organisationen, die sich im Thurgau um das Wohl von Familien kümmern.» Wie die Mitarbeiterin des Entlastungsdienstes betont, ist das Angebot des Roten Kreuzes vor allem deshalb speziell, weil auch kranke Kinder betreut werden. «Und weil wir Betreuung bei den Familien zu Hause anbieten.» Im Gegensatz zu Krippen, wo kranke Kinder nicht betreut werden.