ENERGIESTRATEGIE 2050: Stadler Rail befürchtet Stromausfall

Der Unternehmerverband IHK Thurgau sieht die sichere Versorgung gefährdet. Sauer stösst ihm auch die Verteuerung von Strom und Produkten auf.

Christof Lampart
Merken
Drucken
Teilen
Nein zur ES050: Thomas De Martin, Christian Neuweiler und Thomas Ahlburg. (Bild: Christof Lampart)

Nein zur ES050: Thomas De Martin, Christian Neuweiler und Thomas Ahlburg. (Bild: Christof Lampart)

Für den Präsidenten der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK), Christian Neuweiler, ist das Energiegesetz nicht nur überflüssig, sondern wirtschaftsfeindlich. Das Kernstück der Vorlage sei nicht der Atomausstieg, sondern «eine gut geölte Subventionsmaschine» für Solaranlagen und Windkraftwerke, erklärte Neuweiler am Mittwochnachmittag in den IHK-Räumlichkeiten in Weinfelden.

Es gehe den Befürwortern des Energiegesetzes vor allem darum, möglichst viel Geld vom Staat für erneuerbare Energien zu erhalten. Die Folgen solchen Handelns liegen für Neuweiler auf der Hand: «Wir laufen Gefahr, die deutsche Energiewende zu kopieren.» Und dies sei in Zeiten, in denen der Strom spottbillig sei, kein Ruhmesblatt. Er sehe zwar die «Dringlichkeit, den Energiehaushalt unserer Welt mit erneuerbarer Energie zu lösen». Doch Subventionen führten zu «Fehlanreizen, Ineffizienzen, unsozialer Umverteilung und hohen Kosten».

Anstatt das Geld in die Subvention von bereits ausgereiften Technologien zu stecken, täte man gut daran, «die Mittel in die Forschung und Entwicklung für wirklich neue Technologien zu investieren». Ähnlich sehen dies auch Thomas De Martin (De Martin, Wängi) und Thomas Ahlburg (Stadler Rail, Bussnang). Der vorhersehbare, schrittweise Wegfall der Atomenergie und der zu langsame Aufbau der Stromkapazitäten durch erneuerbare Energien «gefährdet die lückenlose Versorgungssicherheit», sagte De Martin.

Sekundenlanger Unterbruch kostet 50000 Franken

Doch diese sei für seine Firma, so De Martin, sehr wichtig, denn es reiche schon eine nur sekundenlange Beeinträchtigung, durch «Flatterstrom», um im Prinzip vermeidbare hohe Kosten zu verursachen. «Wir hatten in den letzten sechs Monaten zwei solcher Ausfälle. Und diese ganz kurzen Unterbrechungen haben bei uns, weil die Vakuumpumpen dadurch aufhörten zu arbeiten, einen Schaden von zweimal 50000 Franken verursacht.»

Durch den Einsatz von wetterabhängigen Ökostromquellen würde das Risiko steigen, was nicht nur die Produktionskosten in die Höhe treiben, sondern auch den Produktionsstandort Schweiz gefährden könnte, sagte De Martin: «Denn die Versorgungssicherheit mit Strom ist bis anhin ein Wettbewerbsvorteil der Schweiz.»

Ein wenig länger könnten die Stadler Rail einen Energieausfall verkraften, aber «nach 20 Minuten werden alle Maschinen systematisch zurückgefahren. Und es würde dann einen ganzen Tag dauern, weil man die Anlagen nur stufenweise wieder hochfahren kann, bis alles wieder läuft; ein solches Risiko wollen und können wir uns nicht leisten», sagte Thomas Ahlburg.

Auch die Stromkosten würden durch die Erhöhung des Netzzuschlages von 1,5 auf 2,3 Rappen/Kilowattstunde für beide Unternehmen massiv sein, benötigen diese doch jeweils über 10 Gigawattstunden, was für beide Firmen Mehrkosten von 100000 bis 120000 Franken jährlich ausmacht.

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch