ENERGIE: Schloss Herdern wird fast autark

Der Verein Schloss Herdern rüstet sich für die Zukunft, ist doch aktuell eine Biogasanlage in Bau, welche Schloss und Landwirtschaftsbetrieb ab 2018 energetisch weitgehend autark werden lassen soll.

Christof Lampart
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Projektleiter Toni Nauer von der EKT AG vor der neuen Biogasanlage des Schlosses Herdern. (Bild: Christof Lampart)

Projektleiter Toni Nauer von der EKT AG vor der neuen Biogasanlage des Schlosses Herdern. (Bild: Christof Lampart)

Christof Lampart

thurgau@thurgauerzeitung.ch

Eines zur Klärung gleich vorweg: die Biogasanlage, welche gegenwärtig auf dem Landwirtschaftsbetrieb von Schloss Herdern erstellt wird, wird keineswegs mit Mitteln aus dem Sozialbereich oder gar mit Steuergeldern gebaut. Vielmehr wird der Löwenanteil der 3,5 Millionen Franken teuren Anlage auf dem Kapitalmarkt beschafft. Denn das Aktienkapital der neu gegründeten Bioenergie Herdern AG beläuft sich gerade einmal auf 980 000 Franken. Davon schiesst der Verein Schloss Herdern 500 000 Franken ein und ist mit 51 Prozent Mehrheitsaktionär; die EKT Holding AG steuert 480 000 Franken zum Aktienkapital bei und ist mit 49 Prozent Minderheitsaktionärin. Im Betrag des Verein Schloss Herdern sind 150 000 Franken inbegriffen, welche der Kanton Thurgau als Besitzerin des Massnahmenzentrum Kalchrain gesprochen hat, da dieses auch wesentlich ins Projekt eingebunden ist.

Wärmeverbund wird erweitert

Für den Geschäftsleiter des Schloss Herdern, Armin Strom, ist die Biogasanlage ein weiterer Schritt in eine energetisch sicherere und sauberere Zukunft: «Zusammen mit der Biogasanlage haben wir auch die bestehende Holzschnitzelheizung saniert und werden den bestehenden Wärmeverbund im nächsten Jahr erweitern.» Für die Schnitzelheizung wird ausschliesslich lokales Energieholz verwendet.

Auch soll die Abwärme aus der Biogasanlage dem Wärmeverbund ganzjährig als Bandenergie zugeführt werden, wodurch jährlich rund 66 000 Liter an Heizöl eingespart werden können. Und in der kalten Jahreszeit ergänzt die Holzschnitzelheizung selbstredend die Wärmeversorgung.

Über Jahre hinweg geplant und gebaut

Dass das sinnvoll aufeinander abgestimmte Gesamtenergiekonzept kein Schnellschuss ist, wird auch an der Planungs- und Baudauer ersichtlich. «Die ersten Ideen entstanden vor 2012, nun, sechs Jahre später, stehen wir kurz vor der Inbetriebnahme», so Projektleiter Tony Nauer von der EKT AG.

Genau genommen wurde jedes Jahr kontinuierlich an der Errichtung der Biogasanlage gearbeitet. 2013 erfolgte die Grundlagenplanung, 2014 wurde dann der Umweltverträglichkeitsbericht angefertigt und die Baueingabe getätigt, 2015 die rechtskräftige Baubewilligung ohne Einsprache erteilt, 2016 schliesslich die Bioenergie Herdern AG gegründet und die Detailplanung angegangen und 2017 der Bau erstellt.

Zwei Kilometer an Leitungen verlegt

Ist die Biogasanlage erst einmal voll im Betrieb – der Startschuss dazu soll im Januar oder Februar 2018 erfolgen –, so wird diese jährlich rund 780000 Kilowattstunden Strom erzeugen. Diese Menge reicht für die Versorgung von 165 Haushalten. Das zur Biogasproduktion benötigte Substrat – rund 12 000 Tonnen, zu 90 Prozent Hofdünger (Gülle, Mist) – kommt vom Schloss Herdern und vom Berghof des Massnahmenzentrums Kalchrain. Die Zulieferung erfolgt in Rohrleitungen, wovon für dieses Projekt zwei ­Kilometer neu verlegt werden mussten.

Zu guter Letzt hat die EKT AG auf drei Dächern – der Maschinenhalle, dem Laufstall und dem Betriebsgebäude der Biogasanlage – noch Fotovoltaikanlagen installiert, welche für 260 000 Kilowattstunden Strom im Jahr sorgen sollen.