ENERGIE: In der Holzbranche ist Feuer im Dach

Wegen verschärfter Umweltvorschriften des Bundes gilt Asche aus Holzfeuerungsanlagen neu als belasteter Abfall. Das beschert der Holzbranche ein Entsorgungsproblem. Noch vor dem Winter braucht es eine Lösung.

Silvan Meile
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Für die Entsorgung der Asche aus Holzfeuerungen haben sich die Vorschriften verschärft. (Bild: Xavier Gehrig/Keystone)

Für die Entsorgung der Asche aus Holzfeuerungen haben sich die Vorschriften verschärft. (Bild: Xavier Gehrig/Keystone)

Silvan Meile

silvan.meile@thurgauerzeitung.ch

Der Bund bringt Besitzer von Holzheizanlagen mit neuen Vorschriften ins Schwitzen. Denn die neue Abfallverordnung macht aus Holzasche belasteten Abfall. Im Thurgau ist deshalb keine Deponie mehr bereit, unbehandelte Asche entgegenzunehmen. Zu gross ist für sie das Risiko, den Boden zu belasten. Das stellt vor allem Betreiber von Holzheizkraftwerken, wo grosse Mengen an Asche anfallen, vor Probleme. Selbst das Bundesamt für Umwelt spreche inzwischen von einem Entsorgungsnotstand für Holzasche, schreibt Ständerätin Brigitte Häberli in einer Interpellation. Das liess die Preise, um die Asche los zu werden, in die Höhe schnellen. Die Mehrkosten hätten in der Holzbranche gar zu derartiger Verunsicherung geführt, dass der Markt für neue Holzfeuerungsanlagen nahezu zum Erliegen gebracht wurde, schreibt Häberli. Die Position der umweltverträglichen Holzenergie sei dadurch gegenüber Heizöl, Erdgas und Elektrizität in hohem Masse geschwächt. Häberli verlangt vom Bundesrat eine Lösung dagegen. In der Herbstsession dürfte das Thema behandelt werden.

Das Problem spitzt sich auf Beginn der Heizsaison zu

Im Thurgau fallen jährlich rund 1500 Tonnen Asche aus Holzfeuerungen an, wie Irene Fässler von der Geschäftsstelle des Verbands Holzenergie Thurgau erklärt. Nebst unzähligen Zimmeröfen oder Hausheizungen werden auf dem Kantonsgebiet über hundert Grossanlagen als Holzheizungen betrieben. Doch die derzeit vom Bund verlangte Entsorgung der Asche sei in der Praxis nicht umsetzbar, sagt Fässler. Demnach müsste seit Januar 2016 sämtliche anfallende Asche aus Holzheizungen vor der gesetzeskonformen Entsorgung aufbereitet und analysiert werden. Doch es fehlen sogar Anlagen dafür. «Die Praxis hinkt der Verordnung hinterher», sagt Fässler. Deshalb will die Branche rückwirkend eine fünfjährige Frist zur Einführung der neuen Verordnung erzwingen.

Die Auswirkungen der verschärften Umweltbestimmungen bekommt etwa die Balterswiler Hebbag AG zu spüren. Ihr Holzheizkraftwerk beliefert 175 Firmen und Haushalte mit Wärme und Strom. Nachdem die Hebbag in finanzielle Schieflage geriet und kürzlich komplett von der Energie Kanton Thurgau (EKT) übernommen wurde, macht ihr die neue Vorschrift einen weiteren Strich durch die Erfolgsrechnung. «Die Kosten für die Entsorgung der Asche verdoppeln sich beim selben Entsorgungsunternehmen», sagt Jolanda Eichenberger, CEO der EKT. In Zahlen bedeutet das eine Erhöhung von rund 30000 Franken auf 60000. Es ist ungewiss, wie sich diese Preise weiter entwickeln. Die Kosten für die Ascheentsorgung sei «unternehmerisches Risiko». Die Mehrkosten liessen sich nicht einfach auf die Energiebezüger übertragen, sagt Eichenberger. Denn dieses Problem sei in den Verträgen mit den Kunden des Wärmerings bisher schlicht nicht berücksichtigt worden. Im Thurgau wird der Ruf nach einer kantonalen Lösung des Deponie-Notstands laut. «Der Thurgau täte gut daran», sagt Urs Dietiker. Er gehört einem Zusammenschluss von drei Thurgauer Energieholzunternehmern an, die sich zwecks Ascheentsorgung der von ihnen belieferten Heizungen zusammengetan haben. Gerade diese Branche, die sich mit Energie aus einheimischem und nachhaltigem Rohstoff und kurzen Transportwegen durch Ökologie auszeichne, müsse eine regionale Lösung für die Deponie der Asche anstreben, findet Dietiker. Das Problem werde sich mit Beginn der Heizperiode zuspitzen.

KVA ist nur für kleine Mengen eine Lösung

Beim Thurgauer Amt für Umwelt wird bis zu Beginn der kalten Monate tatsächlich eine kantonale Übergangslösung angestrebt. «Wir werden uns beim Bundesamt für Umwelt für eine Ausnahmebewilligung einsetzen, um während einer Übergangsfrist in Zusammenarbeit mit einer Thurgauer oder einer ausserkantonalen Deponie die anfallende Holzasche entsorgen zu können», sagt Martin Eugster, stellvertretender Leiter des Amts für Umwelt des Kantons Thurgau. Kaum eine Alternative ist es, grosse Mengen über die Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Weinfelden zu entsorgen. Bei entsprechenden Versuchen der KVA sei es etwa zu Problemen wegen der Staubentwicklung beim Ablad der Asche gekommen. In der Verbrennung lagere sich ausserdem viel Asche im Elektrofilter der Anlage ab, was schliesslich die Entsorgung deutlich verteuere. Und um die Holzasche direkt der Schlacke zuzuführen, seien die organischen Rückstände zu gross.

Das sieht auch Peter Steiner, Geschäftsführer der KVA, als Problem. Ausserdem sei es rein verfahrenstechnisch nicht ideal, wegen eines Schnellschusses der Gesetzgebung die Asche ein zweites Mal einer Verbrennung zuzuführen. Vielmehr müssten für eine sinnvolle Lösung beim Bundesamt für Umwelt die Deponie-Richtlinien oder zumindest die Übergangsfristen überdacht werden. Die Asche von Privatpersonen, die ihre Wohnung oder ihr Haus mit Holz heizen und somit kleinere Mengen an Asche zu entsorgen haben, können dies aber noch immer über einen Kehrichtsack der KVA machen.

Bei der Firma Schmid in Eschlikon, dem schweizweit grössten Hersteller von Holzfeuerungsanlagen, erachtet es CEO Philipp Lüscher als problematisch, dass der Bund die Grenzwerte ohne Übergangsfristen und ohne Berücksichtigung des Standes der Technik in Kraft setzte. «Die aktuellen Vorschriften lassen sich so gar nicht einhalten. Als Folge verweigern immer mehr Deponien die Annahme von Holzasche», sagt Lüscher. Dieser Trend stelle er vor allem in der Ostschweiz fest. «Je länger dieser Zustand anhält, desto grösser wird die Unsicherheit bei Investoren werden.» Auch Lüscher fordert vom Bundesamt für Umwelt eine Übergangslösung von fünf Jahren. In dieser Zeit sollen technische Lösungen erarbeitet werden. Die Firma Schmid hat entsprechende Schritte eingeleitet. Sie habe bereits erfolgreiche Tests an eigenen Anlagen durchgeführt, an denen die Asche mit Eisensulfat behandelt wird. Dadurch finde eine chemische Reaktion statt, durch welche eine entscheidende Reduktion des schädlichen Chromats erzielt werden könne.