ENERGIE: Batteriespeicher im Plus

Geräte für die Speicherung der Sonnenenergie gewinnen im Thurgau zunehmend an Bedeutung. Das lässt sich an der Anzahl bewilligter Fördergesuche ablesen. Gründe dafür sind vor allem finanzieller Natur.

Drucken
Teilen

Der Zuwachs ist stattlich: Um 200 Prozent nahm die Anzahl bewilligter Gesuche für Batteriespeicher im Thurgau zwischen 2015 und 2016 zu. Wurden 2015 erst 37 Gesuche bewilligt, waren es 2016 bereits 111. Mit über einer halben Million Franken förderte der Kanton im vergangenen Jahr die Anschaffung solcher Speichergeräte (siehe Grafik). Im laufenden Jahr dürften es noch mehr werden. «Ende Juni haben wir bereits etwas über 100 Gesuche bewilligt», sagt Andrea Paoli, Leiter der kantonalen Abteilung Energie, auf Anfrage. Damit wurde bereits zur Jahresmitte fast der Wert des gesamten Vorjahres erreicht.

In der Nacht das Elektroauto aufladen

Mit Batteriespeichern kann von Fotovoltaikanlagen produzierter Strom für rund einen Tag gespeichert werden. Damit ist die durch die Sonne hergestellte Energie nicht nur unmittelbar, sondern auch später einsetzbar. Beispielsweise in der Nacht, um das Elektroauto aufzuladen oder um die Wärmepumpe für Heizung oder Warmwasser zu betreiben.

Für die Zunahme der Gesuche sieht Andrea Paoli mehrere Gründe. Einerseits seien die Preise für die Speichermedien in jüngster Zeit stark gesunken, und die Kapazitäten erhöht worden. Auch der zweite Grund hat eine finanzielle Komponente: Die Preise für die Einspeisung ins Stromnetz sind gesunken. «Das erhöht den Anreiz, den selber produzierten Strom auch selber zu nutzen», sagt Paoli. Stichwort: Selbstversorgung. Als weiteren möglichen Grund sieht Paoli die öffentliche Diskussion über die Netzstabilität. Denn: Die Einspeisung aus den vielen Kleinkraftwerken wie Fotovoltaikanlagen auf Haus- und Scheunendächern führt zu Schwankungen in der Stromnetzauslastung. Gerade auch wegen der aus Sonne gewonnenen Energie, die kaum planbar ist.

Bei der Netzstabilität knüpft auch der Fördergedanke des Kantons Thurgau an. «Mit der Förderung wollen wir zu einer ausgeglicheneren Netzauslastung beitragen», sagt der Leiter der kantonalen Abteilung Energie. Mit der Förderung der Batteriespeicher soll zudem die Nutzung der Sonnenenergie gestärkt werden. Da sie hauptsächlich dazu dient, den Solarstrom in Haushalten und Unternehmen zu speichern.

Längere Speicherzeit würde Attraktivität weiter erhöhen

Derzeit seien Tagesspeicher erhältlich, sagt Paoli. Die Energie lässt sich damit für rund 24 Stunden aufsparen. Danach ist die Batterie wieder leer. «Vielleicht sind bald Wochenspeicher erhältlich», sagt Paoli. Damit stiege die Attraktivität der Speichermedien noch weiter. Eine längere Speicherzeit sei aber nicht in Sicht.

Wenn die Gesuche für Batteriespeicher weiter zunehmen, dreht der Kanton allenfalls den Geldhahn zu. «Im Grundsatz fördern wir so lange, bis sich etwas durchgesetzt hat», erklärt Paoli. Die Förderung sei dazu da, die Einführung sinnvoller Technologien zu beschleunigen. «Voraussichtlich gibt es die Förderung auch im nächsten Jahr noch», sagt Paoli. Die Entscheidung fälle der Regierungsrat.

Der maximale Förderbeitrag des Kantons Thurgau beträgt 35 Prozent der Investitionskosten. Pro Projekt werden maximal 30000 Franken ausbezahlt. Einige Gemeinden legen zum Beitrag des Kantons noch etwas drauf. Bei Batteriespeichern erhöht Frauenfeld beispielsweise den kantonalen Förderbeitrag um maximal 50 Prozent.

Nicht alle Kantone fördern Energiespeicher finanziell. Die Kantone Schaffhausen und St. Gallen kennen beispielsweise keine speziellen Förderprogramme. Teilweise sprechen Gemeinden aber Fördergelder. So beispielsweise das st. gallische Uzwil.

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch