Enduro van de Niwo sucht Flugfaule

Such Käfer! Such ihn mir!» So befiehlt Joël Sorg (26) seinem holländischen Schäferhund. Sofort legt Enduro (4) los und springt mit den Vorderpfoten auf eine Kastanie. Er schnüffelt und hüpft unruhig herum. Er ist spezialisiert auf asiatische Käfer.

Tanja von Arx
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Sirnach: Joël Sorgs Spürhund Enduro springt an einer Kastanie hoch und sucht nach dem Citrusbockkäfer. (Bild: Reto Martin)

Sirnach: Joël Sorgs Spürhund Enduro springt an einer Kastanie hoch und sucht nach dem Citrusbockkäfer. (Bild: Reto Martin)

Such Käfer! Such ihn mir!» So befiehlt Joël Sorg (26) seinem holländischen Schäferhund. Sofort legt Enduro (4) los und springt mit den Vorderpfoten auf eine Kastanie. Er schnüffelt und hüpft unruhig herum. Er ist spezialisiert auf asiatische Käfer. Findet er nun den Citrusbockkäfer? Oder eine Larve? Das ist die Frage, die sich nun im hinterthurgauischen Sirnach alle stellen.

Und die kantonalen Behörden natürlich auch, denn der Käfer ist gefährlich. Er befällt als Larve Laubbäume – Birken, Bonsai und auch Rosen. Frisst tiefe Höhlen hinein. Der Baum stirbt danach binnen weniger Jahre. Der Schaden, den der Käfer anrichten kann, wenn man seiner nicht habhaft wird, kann in die Millionen gehen.

*

Eine Frau lehnt aus einem Fenster. Sie ist erschrocken ob der Szenerie in ihrem Garten. Drogenhunde!, denkt sie sich. Daniel Hagemeier (50), unterwegs mit seinem Kollegen Joël Sorg, ruft ihr beruhigend zu: «Keine Angst!» Die Männer sind auf Routinebesuch, vier bis fünf Tage lang, auf einem Quadratkilometer im Umkreis der Fundstelle des Käfers. Beständig setzen sie entweder Enduro oder Maisha (5) ein, einen schwarzen Labrador. Sorg sagt: «Alle zehn bis 15 Minuten wechseln wir; der Einsatz kommt für die Tiere einem Sechs-Stunden-Lauf gleich.» Noch ist Enduro munter, hüpft um die Kastanie, bis zwei Meter hoch. «So hoch fliegt der Käfer», sagt Hagemeier, «er hat grosse Flügel, aber er gilt als flugfaul.»

Lang sind nicht nur die Flügel, auch der Körper und die Fühler – alles zusammen so gross wie eine Kinderhand.

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Josy (58) und Thomas (61) Bersinger-Schmuki bewundern den Käfer – er ist in einen Kunststoff-Block gegossen, ein zweites Exemplar in Alkohol eingelegt. Die Modelle zeigen Sorg und Hagemeier den Anwohnern. Ihnen flogen nämlich vor zwei Wochen Infoblätter ob der Gefahr in die Briefkästen. Josy Bersinger sagt: «Wir wussten nicht, wie das Tier aussieht.» Auch nicht, wie sie sich bei einem Fund verhalten müssten. Das Tier einfangen, es in einem geschlossenen Behälter aufbewahren, den kantonalen Pflanzenschutz (071 663 31 40) informieren. Selbst wenn Enduro und Maisha heute in Bersingers Garten nichts finden – «bei uns steht nur ein Kastanienbaum», sagt die Hobby-Biologin –, das Vorbeischauen, das Schnüffeln und Hüpfen lohnt sich, denn es dient der Sicherheit.

Die Einsätze folgen einem Muster: Zweierteams von Hundeführern mit Hund. Klingeln bei den Anwohnern. «Wenn niemand da ist, haben wir vom Kanton die Erlaubnis, trotzdem in den Garten zu gehen.» Dann Bäume checken, Hunde schnuppern lassen.

Die Hund-sucht-Käfer-Disziplin ist mit zwei Jahren noch jung, sie steckt «in den Kinderschuhen», die Uni Bonn arbeite parallel mit. «Wir lernen ständig dazu.» Wenn ein Hund ausschlägt und etwas findet, teile man das der Gemeinde Sirnach mit. Diese veranlasst einen DNA-Test des aufgefundenen organischen Materials. und leitet weitere Massnahmen in die Wege. «Wir hoffen allerdings, dass wir nichts finden», sagt Hagemeier. So suchen die Spürhundeführer weiter. Ein zweites Mal werden sie im Dezember kommen, wenn das Laub weg ist.