Endlich Gas geben für Velokonzept

Die Grünen, die BDP und die GLP als Nichtregierungsparteien kritisieren zusammen mit Pro Velo, Pro Natura und dem VCS die träge Langsamverkehrspolitik des Regierungsrates. Schon das Gesamtverkehrskonzept 2011 hat in diesem Bereich grossen Handlungsbedarf festgestellt.

Mathias Frei
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Eine velomobile Truppe: Eddie Kessler, Toni Kappeler, Peter Wildberger, Andreas Guhl, Stefan Leuthold, Vera Zahner und Urs Oberholzer. (Bild: Nana do Carmo)

Eine velomobile Truppe: Eddie Kessler, Toni Kappeler, Peter Wildberger, Andreas Guhl, Stefan Leuthold, Vera Zahner und Urs Oberholzer. (Bild: Nana do Carmo)

WEINFELDEN. «Wir alle fahren Velo, das ist nicht nur ein grünes oder grünliberales Thema», erklärt BDP-Kantonsrat Andreas Guhl das Mitwirken seiner Partei am «Thurgauer Velofrühling». Gleichwohl bleibt der BDP das Überraschungsmoment in dieser Konstellation. Auch der Grünen-Kantonalpräsident Urs Oberholzer spricht von einem Novum in dieser Zusammensetzung. Seine Partei macht im Namen des Langsamverkehrs gemeinsame Sache mit BDP, GLP und den NGOs Pro Natura, VCS und Pro Velo.

Da die drei Nichtregierungsparteien die Regierung kritisieren, macht dieser Aufmarsch – eben zum Beispiel ohne die Regierungspartei SP – an der gestrigen Pressekonferenz auch Sinn.

Sicher und hindernisfrei als Ziel

Im 2011 erstmals erschienenen Gesamtverkehrskonzept des Kantons ist zu lesen, dass die Grundlagen fehlen, um «strategische Stossrichtungen für den Velo- und Fussgängerverkehr» zu formulieren. Der Regierungsrat will zwar gemäss aktueller Legislatur-Richtlinien «Massnahmen zur Verbesserung der Langsamverkehrsplanung» treffen. Gleichwohl ortet Toni Kappeler, GP-Kantonsrat und Präsident von Pro Natura, Handlungsbedarf. Mit Blick auf die «Velorouten Alltagsverkehr» im kantonalen Richtplan müssten sichere, möglichst hindernisfreie Velowege das Ziel sein.

Eddie Kessler, Pro-Velo-Vorstandsmitglied, sagt dazu: «Auf der anderen Seite des Bodensees, aber auch in den Kantonen Zürich und St. Gallen gibt es Velo-Konzepte. Im Thurgau fehlt so etwas.» Das kantonale Tiefbauamt setze dafür nicht zu wenig Geld ein, sondern an den falschen Orten. Die Konsequenz für Kappeler: Er wird an der kommenden Grossratssitzung zusammen mit seiner SP-Kollegin Barbara Kern einen Antrag einreichen, der eine Ist-Analyse des Langsamverkehrsnetzes fordert. Dieser Bericht soll dann Grundlage für ein entsprechendes Konzept sein. «Vielleicht geht's schneller, wenn Druck vom Parlament besteht», werweisst er.

Auf Anfrage der TZ meint Kantonsingenieur Andy Heller: «Wir sind an einem Langsamverkehrskonzept dran.» Es sei schon einiges vorgepfadet, schliesslich aber auch eine Frage der ihm zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen. Mit Kesslers Kritik am Einsatz der Mittel ist Heller nicht einverstanden. Sobald eine Strasse saniert werde, stelle sich jeweils auch die Frage nach dem Langsamverkehr. Bei Veloweg-Bauprojekten laufe viel, sagt Heller.

Analyse und Konzept kosten was

Das kann Grünen-Präsident Oberholzer nur recht sein. Gleichwohl sei es wesentlich, dass der Kanton für eine «saubere» Analyse und ein späteres Konzept auch ausreichend Mittel einsetze. Oberholzer verlangt aber nicht nur Papiertiger, sondern auch, dass kurz- und mittelfristig mögliche Massnahmen zugunsten des Langsamverkehrs umgesetzt werden sollen.

Massnahmen, die Anreize schaffen könnten, den Arbeitsweg mit dem Velo zu machen. Die Hälfte der Arbeitswege betrügen weniger als fünf Kilometer, sagt BDP-Kantonsrat Guhl. Eine Distanz, die problemlos mit dem Velo bewältigbar sei. Deshalb müsse der Kanton als grosser Arbeitgeber Vorbild sein und die Velonutzung fördern. Gute Infrastruktur ist für Guhl wichtig. Daneben wünscht er sich aber auch zweckmässige Veloabstellanlagen mit Steckdosen für E-Bikes, Velochecks oder auch Fahrkurse, welche der Arbeitgeber während der Arbeitszeit anbietet, sowie das Angebot von Dienstvelos für kurze geschäftliche Fahrten. Damit ein Velofrühling entstehe.