Endlager hätte Auswirkung auf Thurgauer Bevölkerung

Regierungsrätin Carmen Haag setzt sich für die Anliegen des Thurgaus ein, sollte im Osten des Kantons Zürich ein Tiefenlager entstehen.

Christof Lampart
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Die Vorsteherin des Departements für Bau und Umwelt, Regierungsrätin Carmen Haag, äusserte sich am Samstag an der Vollversammlung der Regionalkonferenz Zürich Nordost in Andelfingen zum Thema Tiefenlager. Haag betonte, was unter den Kantonen Konsens und die unverrückbare Haltung der Thurgauer Regierung ist: «Die Sicherheit hat absoluten Vorrang.» Deshalb habe man beim Abschluss der zweiten Etappe auch den Vorschlag der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) in Frage gestellt, das weitere Auswahlverfahren auf die zwei Standorte Zürich Nordost und Jura Ost zu beschränken. «Es gibt aus Sicht der Kantone heute keinen belastbaren Grund, warum das Gebiet Nördlich Lägern im Nordwesten von Bülach bereits aus dem Verfahren ausgeschlossen werden sollte», sagte Haag.

Der Thurgau ist geographisch am Rand seines Kantonsgebiet vom möglichen Tiefenlager betroffen. Konkret sind dies als Standortgemeinden Schlatt – wenn auch nur ganz knapp und nur unterirdisch –, Diessenhofen und Basadingen-Schlattingen. Aufgrund der «unmittelbaren Nähe» schlug Haag vor, für die dritte Etappe auch Neunforn in den Prozess mit einzubeziehen. Der Entscheid dazu sei zwar offiziell noch nicht gefallen, «aber wir gehen davon aus, dass der Vorschlag akzeptiert wird». Der Gemeindepräsident von Neunforn, Benjamin Gentsch, wohnte denn auch bereits am Samstag als Gemeindevertreter der Vollversammlung Zürich Nordost bei.

Noch zahlreiche ungeklärte Fragen

Weiter lobte Haag die Arbeit der Regionalkonferenz, sei sie doch von «grosser Bedeutung», zum Beispiel bei der Wahl und Ausgestaltung von Oberflächenanlagen. Gleichzeitig sei sie aber auch «ein kritisches Forum für Fragen an die Planenden» bei der Nagra, dem Bundesamt für Energie und dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat. Gerade im Bereich Umwelt gebe es noch zahlreiche ungeklärte Fragen.

Zugleich sei nicht verhandelbar, dass man sich auch mit den gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen beschäftige, die ein Tiefenlager in der Region hätte. «Wir wollen, dass auch die Auswirkungen auf unsere Gemeinden und unsere Bevölkerung Beachtung finden. Wenn das Tiefenlager eines Tages kommen sollte, wird die ganze Region betroffen sein. Auch wenn wir uns heute noch nicht genau vorstellen können, was es konkret bedeuten würde.» Der Thurgau nehme auch an der dritten Etappe intensiv mit allerlei Experten teil, doch sei es wichtig, dass die Konferenz ein offenes Forum bleibe und nicht auf Behördenmitglieder beschränkt werde.

Auch schon bald geführt werden müsse die Diskussion um die zukünftigen Abgeltungen. «Es ist für mich unbestritten, dass ein Tiefenlager in der Region zu Nachteilen führen würde», so Haag. Deshalb richtete die Regierungsrätin eine deutliche Forderung an die Energiekonzerne: «Ich wünsche mir ein klares Bekenntnis, dass künftig wirklich Abgeltungen in die betroffene Region geleistet werden.»

Es würde nicht verstanden, wenn der Eindruck entstehe, dass sich die Verantwortlichen um die Abgeltungen drücken würden. Zumal in der Kostenstudie aus dem Jahr 2011, welche eine Grundlage für den Entsorgungsfonds bildet, 800 Millionen Franken dafür enthalten seien. «Die radioaktiven Abfälle sind ein grosses und aufgrund der langen Laufzeit und den damit verbundenen Unsicherheiten ein ungewisses Erbe für zukünftige Generationen – diejenige Region, die in Zukunft möglicherweise Nachteile zu beseitigen hat, braucht unsere Unterstützung», sagte Haag.