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Empfang am Modelhof

Der Thurgauer Industrielle Daniel Model hat sich mitten im Thurgau eine eigene kleine Welt geschaffen. Am Samstag wurde der Modelhof mit hundert geladenen Gästen eröffnet. Das monumentale Bauwerk erinnert an eine Kirche oder ein Schloss.
Ida Sandl
Models Arbeitszimmer mit dem Götterboten Hermes. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Models Arbeitszimmer mit dem Götterboten Hermes. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

MÜLLHEIM. Der Schlüssel zum Modelhof ruht auf einem Samtkissen: Er wirkt klein angesichts des monumentalen Gebäudes, das er auf- und zuschliessen soll. Vor der schweren Messingtür ist ein blaues Band gespannt. Hausherr Daniel Model schneidet es durch. Er strahlt, die Gäste applaudieren. Der Modelhof ist eröffnet.

Familie, Freunde und Weggefährten hat der Thurgauer Unternehmer Daniel Model nach Müllheim zur Einweihung seines Prunkbaus eingeladen. Unter den rund hundert Gästen sind wenig Politiker. Die Frauen tragen helle Sommerkleider, die Männer dunkle Anzüge. Die Gesellschaft zieht in den Modelhof ein. Es ist mehr ein Schreiten als ein Gehen. So, wie man eine Kirche betritt oder ein Schloss. Das Gebäude mit seinen Sandsteinmauern und den ausladenden Dimensionen gebietet Respekt.

Drinnen heben sich graue Säulen von roten Wänden ab, eine verspielte Balustrade, riesige Kristallleuchter. Die Oberseiten der Kuppelfenster sind mit Blattgold ausgekleidet. «Wenig Gold», beschwichtigt Urs Strähl, Bildhauer und Schöpfer des Gebäudes. 30 Gramm Gold auf 45 Quadratmetern seien verbraucht worden. Damit auch an nebelgrauen Tagen – von denen es in der Thurebene viele gibt – das Licht warm in die Aula fällt. An einem sonnigen Tag wie dem Samstag sieht es aus, als stünde der Himmel offen.

Ein Gedicht für den Modelhof

«Mein Gott, wie würde ich mich freuen, wenn die Freiheit ab und zu hier drinnen wäre», sagt Daniel Model in seiner Eröffnungsrede. Er wirkt entspannt, spricht ohne Notizen und ohne Mikrophon. Die Akustik ist gut, man versteht ihn auch in der hintersten Reihe. Urs Strähl, der Baumeister, atmet auf. Von Idealen redet Model und von der Liebe. Später meint er, er habe nach Worten gerungen, «um eine heilige Stimmung zu erzeugen, wie sie zu dieser Einweihung passen würde». Zum Schluss trägt Model ein Gedicht vor, das er eigens für den Anlass verfasste.

Provokation ist nicht schlecht

Der Festakt trage die Handschrift von Daniel Model, sagt Peter Schütz, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes. Model sei eine Persönlichkeit mit Mut und Ideen. «Er provoziert in gewissen Fragen, und das ist gar nicht schlecht», sagt Schütz. Und er sagt auch noch: «Es wäre langweilig, wenn wir alle gleich wären.»

«Menschen, die nur nicken, gibt es genug!», ruft Johann Dähler aus, der «Ananas-König» aus dem Thurgau. Von der Elfenbeinküste ist er angereist, extra für die Eröffnung. Das Bauwerk begeistert ihn. «Grandios», schwärmt er. Auch Jakob Stark gefällt es, er ist als Vertreter der Regierung hier und als Privatmann und möchte das Reden lieber anderen überlassen. Manuel Eckardt zum Beispiel, Architekt, Historiker und Projektleiter beim Bau. «Ein solches Mauerwerk ist seit hundert Jahren nicht mehr gebaut worden», sagt Eckardt. Die Handwerker hätten Arbeiten ausführen müssen, die sie nur von ihrer Ausbildung her kannten. «Dieser Bau übersteht gut und gerne dreihundert Jahre», sagt Eckardt und lacht.

Das ist eine lange Zeit und ein Grund, warum der Müllheimer Gemeinderat den Bau intensiv begleitete. Mit gespannter Erwartung würden die Müllheimer den Modelhof beobachten, sagt Gemeindeammann Jakob Thurnheer. Und was hält er vom Kleinstaat auf seinem Gemeindegebiet? Er lächelt. Im Baugesuch habe er unter «Zweckbestimmung» keinen Begriff gefunden, der ihn «stutzig gemacht» hätte.

Wie ein spanischer Innenhof

Mitten im Trubel steht Models Ehefrau Elisabeth, schön und zurückhaltend. Zuerst sei sie skeptisch gewesen. Aber jetzt gefalle ihr der Modelhof. Sie hat spanische Wurzeln, die Aula erinnere sie an die Innenhöfe spanischer Herrschaftshäuser. Models haben zusammen an der HSG in St.Gallen studiert. Sie wisse, wie ihr Mann am Staat leide, und hatte ihm vorgeschlagen, ins Ausland zu ziehen. Das habe er nicht gewollt. «Er möchte hier etwas machen. Hier sei seine Heimat, sagt er.»

Aber was ist der Modelhof nun genau? Von einem Opernhaus hat Model schon gesprochen, von der Akademie des Denkens und vom Regierungsgebäude seines eigenen Staates Avalon. Urs Strähl, der Bildhauer mit grauem Bart und schwarzem Béret, wehrt ab. Von Regierung und Staat möchte er nichts mehr hören. Ein «Musentempel» wäre ihm am liebsten. «Ein Ort der schönen Künste.»

Zumindest bei der Eröffnung erwähnt auch Daniel Model weder seinen Staat noch den Regierungssitz. Auch sein Gedicht hilft in dieser Frage nicht weiter. Darin heisst es: «Das Rätsel will nicht so gelüftet sein. Machen muss sich jeder seinen eigenen Reim.»

Die Gäste bei der Besichtigung: Blick auf das Treppenhaus. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Die Gäste bei der Besichtigung: Blick auf das Treppenhaus. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Die Kuppel mit Kristallleuchtern und den schmalen Fenstern. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Die Kuppel mit Kristallleuchtern und den schmalen Fenstern. (Bild: Nana do Carmo / TZ)

Elisabeth und Daniel Model mit Sarah, David und Valerie. (Bild: AUTOR)

Elisabeth und Daniel Model mit Sarah, David und Valerie. (Bild: AUTOR)

Der Innenhof ist von einer 14 Meter hohen Kuppel überspannt. Daniel Model bei der Eröffnungsrede vor den geladenen Gästen. (Bilder: Nana do Carmo)

Der Innenhof ist von einer 14 Meter hohen Kuppel überspannt. Daniel Model bei der Eröffnungsrede vor den geladenen Gästen. (Bilder: Nana do Carmo)

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