Elterntaxis für Fussballer

Extrafahrt Papa und Mama fahren ihre Kinder nicht nur gern zur Schule, sondern auch zum Sport. Auf der Frauenfelder Kleinen Allmend herrscht bei Trainingsende ein regelrechtes Verkehrschaos. Nun reagiert der Fussballverein.

Donat Beerli
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Mehr als 400 Junioren spielen beim FC Frauenfeld Fussball. 400 Junioren, die jede Woche zwischen ein- und dreimal auf der Kleinen Allmend trainieren. Viele lassen sich von den Eltern zum Sportplatz kutschieren und nach dem Training wieder abholen. Wie das vor sich geht, ist dem Vorstand des Fussballclubs seit längerem ein Dorn im Auge. «Wir kämpfen mit dem gleichen Problem wie die Schulen», sagt Urs Schmied, sportlicher Leiter des FC Frauenfeld.

Tatsächlich: Um 19 Uhr, nach Trainingsschluss, herrscht auf der Neuhofstrasse, die zum Sportplatz führt, ein reger Elterntaxi-Betrieb. Weil die Parkplätze auf der linken Strassenseite nicht ausreichen, stellen die Eltern ihr Auto entweder rechts aufs Trottoir oder warten vor den korrekt parkierten Autos auf der anderen Seite. Obwohl mehrere Schilder das Parkieren ausserhalb der markierten Felder eindeutig verbieten. Es werde leider immer schlimmer, sagt Schmied. Zum Glück habe es bis jetzt keinen Unfall gegeben. «Doch die Sicherheit der Kinder, die zu Fuss oder mit dem Velo kommen, ist zunehmend gefährdet.»

Parkplätze bei der Eisbahn bieten genügend Platz

Deshalb hat der Verein nun entschieden zu handeln. Und vergangene Woche alle Eltern angeschrieben. Mit der Bitte, beim Abholen der Kinder in Zukunft die Parkplätze bei der Eisbahn zu benützen. Diese befinden sich noch vor der Einfahrt zum Sportplatz am oberen Ende der Kleinen Allmend und bieten laut Schmied genügend Platz für alle wartenden Eltern. «Leider scheinen viele entweder zu bequem zu sein oder einfach zu wenig Zeit zu haben.» Eine betroffene Mutter, die ihren Sohn zu Fuss vom Training abholt, ist froh, dass der Verein etwas unternimmt. «Vielleicht wollen die Eltern nur das Beste für ihre Kinder. Doch sie gefährden damit die Sicherheit anderer.»

Wie es im E-Mail an die Eltern, Funktionäre und Trainer heisst, herrscht «insbesondere zwischen 18.30 und 19.30 Uhr ein Verkehrschaos sondergleichen.» Das weiss niemand besser als Werner Meier. Seit 28 Jahren ist er für die Sportanlagen auf der Kleinen Allmend verantwortlich und hat den Elterntaxi-Trend aus der ersten Reihe miterlebt. «Es ist verheerend geworden», sagt er. Gerade letzte Woche habe es wieder «gchlöpft». Dass nur noch die wenigsten Kinder mit dem Velo ins Training kommen, verstehe er sowieso nicht. «So ist es halt.»

Die Polizei verteile nun auch vermehrt Bussen an die Elterntaxi-Fahrer auf der kleinen Allmend. Und dafür werde dem Verein von einigen Eltern sogar noch die Schuld gegeben, sagt Meier. «Schon absurd, so etwas.»

Leichtathleten sind weniger betroffen

Michael Krucker Präsident des Leichtathletikclubs Frauenfeld LC, versteht den Unmut der gebüssten Eltern ebenfalls nicht. «Ich kenne keinen Sportplatz in der Ostschweiz, wo so viele Gratis-Parkplätze zu Verfügung stehen würden.» Krucker ist erfreut, dass der FC das Problem angehen will. «Eine super Idee.» Der LC selber sei weniger betroffen. «Das hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass die Junioren bei uns erst später anfangen – und zwar frühstens mit acht Jahren.»

Beim Amt für Freizeitanlagen und Sport der Stadt Frauenfeld ist die Situation auf der Kleinen Allmend bestens bekannt. Leiter Fabrizio Hugentobler hofft, dass die Eltern dank der Nachricht durch den Vorstand für das Problem sensibilisiert werden und zum Schutz ihrer Kinder offizielle Parkplätze nutzen. Alternativen, wie beispielsweise eine Barriere, die den letzten Abschnitt der Neuhofstrasse abtrennen würde, schliesst er aus. «Das ist eine öffentliche Strasse. So etwas wäre gar nicht zulässig.»