Elenor trägt am liebsten Bordello

Sie war im Blick ein Seite-1-Girl, arbeitet in einer Frauenfelder Bar und stöckelt gern mit halsbrecherischen High Heels durch die Gegend. Aber im Alltag genügt ihr das Schminken mit Kajal: Elenor Fink. Von Melissa Müller & Reto Martin (Fotos)

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Frau Elenor Fink liegt auf dem Tresen ihres Lokals «People's Bar» in Frauenfeld – sehr casual, sehr selbstbewusst.

Frau Elenor Fink liegt auf dem Tresen ihres Lokals «People's Bar» in Frauenfeld – sehr casual, sehr selbstbewusst.

Frauenfeld. Die Barfrau Elenor Fink balanciert Getränke, ihr hüftlanger Zopf wippt im Takt zu Hitparadenmusik. Drei Pöstler lassen sich auf die gestylten Sofas in der «People's Bar» nieder und bestellen ihren Znüni-Kafi.

Die Stammgäste der «People's Bar» staunten freilich, als sie vor ein paar Wochen zum «Blick» griffen. Auf Seite eins lächelte ihnen die Barfrau ihres Vertrauens entgegen: Das schwarze Haar glamourös aufgetürmt, die Lippen kokett geschürzt, die Figur in Seide und Spitze gehüllt.

Die Frauenfelder Gastronomin hatte sich für die «Blick»-Fotoserie «Star des Tages» auf Seite 1 in Pose geworfen.

«Das hat Spass gemacht», sagt Fink und nimmt einen Schluck Cola. Sie mag es, sich für den Ausgang zu schminken, sich in Lederhosen zu werfen und in hochhackigen Stiefeletten zu schlüpfen. Im Alltag hingegen schminkt sie kaum, ein wenig Kajal genügt ihr, «bei der Arbeit in der Bar will ich seriös und auf keinen Fall billig wirken.»

Bislang haben sich 18 Thurgauerinnen für den «Blick» in Unterwäsche fotografieren lassen. Meistens bewerben sich Servicefachangestellte und Coiffeusen, sagt «Blick»-Redaktorin Sabine Höltschi. Büroangestellte seien in der Minderheit – und würden sich verkrampfter anstellen.

Der «Blick» sucht ständig neue Frauen, die «Star des Tages» werden wollen. Wurde das Boulevard-Blatt anfangs von Bewerbungen überschwemmt, lässt das Interesse nun nach. Inzwischen hat «Blick» das Honorar für ihre Stars von 100 auf 300 Franken erhöht.

Höltschi: «Oft scheitert das Unterfangen an den Männern. An Chefs und Partnern, die dagegen sind.»

Selbst ist die Frau

Elenor Fink hat weder einen Chef noch einen Mann, die ihr etwas verbieten könnten. Sie ist ihre eigene Chefin in der «People's Bar». Wie kommt aber eine junge, unabhängige Thurgauerin dazu, sich ins «Blick»-Schaufenster zu stellen? «Ich habe mich ja nicht ganz nackt, sondern in Unterwäsche fotografieren lassen.» Aktfotos würden ihr nicht gefallen – sie meint es sei ästhetischer, wenn etwas verhüllt bleibe.

«Auf den <Blick>-Fotos sieht man nicht mehr als in der Badi.» Bloss: In die Badi geht man, um zu schwimmen und ins «Blick»-Fotostudio, um den Körper zu inszenieren. Ist das nicht doch ein anderes Sich-präsentieren, als Verführerin, als Vamp, als Femme fatale?

Verlorene Wette

Für das Shooting hatte sich Elenor nach einer verlorenen Wette mit einem Freund angemeldet. «Worum es ging? Daran kann ich mich nicht mehr so genau erinnern», sagt sie.

Kurz darauf erhielt sie einen Anruf von der «Blick»-Redaktion – und eine Einladung nach Zürich. Im Fotostudio wuselten dann ein Fotograf, eine Redaktorin und eine Stylistin um die 25-Jährige herum. Und machten grosse Augen, als die Thurgauerin ihre Lieblingsschuhe auspackte: schwarze, glänzende High Heels mit halsbrecherischen Absätzen der Marke Bordello. «Ein Souvenir aus Las Vegas», sagt Elenor, die zu ihrem Schuhtick steht und in ihrem WG-Zimmer in Frauenfeld 170 Paare hortet.

Dass Bordellos einst als «Hurenschuhe» galten, stört sie nicht: «Ich finde sie extrem speziell und extravagant.» Sie trägt sie nur ganz selten, aus Angst, dass ein Kaugummi daran kleben bleiben könnte.

Auch mit ihren Tattoos zog sie beim «Blick» die Blicke auf sich: Auf ihrem rechten Unterarm ist das Geburtsdatum ihrer beiden Hunde Tiger und Nero tätowiert, wovon der eine schon im Hundehimmel weilt.

Auf ihrem linken Arm rankt sich ein Muster aus Blümchen und Schnörkeln, das sie selber gezeichnet hat – es erinnert an Telefonkritzeleien.

Mach ein böses Gesicht!

Sogar ihr Hals ist bis zum rechten Ohrläppchen hinauf tätowiert, mit Musiknoten. «Ich sei ein typisches Pin-up-Girl», habe der «Blick»-Fotograf bemerkt.

Und setzte sein Modell entsprechend in Szene: Kauernd, das schwarze Haar fliesst wie ein Wasserfall über ihre Brüste, herausfordernder Blick, die Hände in die Hüften gestemmt. Um Spannung zu erzeugen, habe ihr der Fotograf klare Anweisungen gegeben: Mach ein liebes Gesicht, jaaa, sehr schön. Und jetzt ein böses Gesicht!

Die Reaktionen auf das «Blick»-Foto blieben nicht aus: Elenor Fink erhielt Komplimente und eine Flut von Mails mit Anzüglichkeiten wie: «Deine Kurven machen mich heiss.» Ein unbekannter Verehrer bot ihr gar 10 000 Franken für ein Date.

Das alles liess die Umschwärmte kalt. «Für Geld chasch mi nöd haa», sagt sie lachend: «Wer so ein Angebot macht, muss ein schwacher Mensch sein.»

Auch in der Disco geriet sie in eine unangenehme Situation. Ein wildfremder Partygänger erkannte den «Star des Tages», tanzte sich heran und versuchte, sie zu begrabschen. Fehlanzeige: Elenor und ihre Freundinnen wimmelten den Typen ab. Zudem verständigte Elenor einen befreundeten Türsteher. Den Typen war sie los.

Männer auf Distanz halten

«Mit solchen Sachen muss man rechnen, wenn man so etwas macht», sagt sie; es tönt abgeklärt. Sie habe gewusst, worauf sie sich einlasse – und halte aufdringliche Leute auf Distanz.

Woher kommt ihre Sicherheit, dieses selbstbestimmte Auftreten? «Ich bin auf einem Bauernhof in Rothenhausen nahe Bussnang aufgewachsen.» Zudem habe sie durch ihre Arbeit an der Bar viel gelernt über Menschen, auch über deren Schattenseiten. «Ich kann Leute schnell einschätzen.»

Seit Oktober führt die Frauenfelderin ihre eigene Bar an der Oststrasse 8. «Ich hatte das Glück, den Laden kaufen zu können», sagt sie und ist sichtlich stolz darauf. Das Lokal wirkt urban und sehr clean, hat riesige Fenster, Kakteen und Lounge-Sofas.

«Da ist mein Herz drin.»

Hund Er heisst Tiger.

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Schuh Marke Bordello.

Schuh Marke Bordello.

Tattoo Geburtsdatum des Hundes.

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