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Elend auf der Münsterlinger Seeseite

Fernsehen Als 15-jähriges Mädchen wurde Elisabeth Ravasio 1959 in die Psychiatrische Klinik Münsterlingen eingeliefert. In den anderthalb Jahren, die sie dort verbrachte, wurden an ihr diverse Präparate getestet. Im SRF-Dokumentarfilm «Auf der Seeseite – Die Medikamentenversuche von Münsterlingen» sprach sie am Donnerstagabend erstmals öffentlich über ihre Erlebnisse. Sie war eines von Hunderten von «Versuchskaninchen», wie sie es nennt, an denen Klinikdirektor Roland Kuhn und seine Frau Verena von der Basler Pharma gelieferte Medikamente testete. Elisabeth Ravasio wurde unter anderem eine «Neigung zu hysterischen Mechanismen» diagnostiziert. Gemäss ihrem Bruder hatte sie vermutlich einfach Heimweh. Zu den fürchterlichsten Erlebnissen gehörte die Schlaftherapie, bei der sie ein bis drei Wochen in einem Bett angebunden lag, wobei sie mit Spritzen ruhiggestellt wurde. Die Patienten seien jeweils morgens noch einigermassen lebendig gewesen, erzählt Ravasio, die heute in London lebt. Nachdem sie ihre Pillen bekommen hätten, seien sie den Rest des Tages nur noch «wie Gemüse» herumgehockt. Die zeitweise 700 Insassen der damals geschlossenen Anstalt wurden nicht beschäftigt und auch kaum betreut. Kritik an den Zuständen in Münsterlingen kam erst ab den 1970er Jahren auf.

Der Film hat wenige neue Erkenntnisse zu bieten, etwa zur Frage, wie weit sich Kuhn an die damals geltenden Regeln hielt. Diese sind erst von der Forschungsgruppe zu erwarten, die derzeit im Auftrag des Thurgauer Regierungsrats den Nachlass des Ehepaar Kuhn sichtet. Veranschaulicht werden aber bisherige Erkenntnisse. Dies auch am Beispiel von Alexander Dreher, dem Bruder der Frauenfelder Stadträtin Christa Thorner-Dreher, der als verträumter Bub ambulant in Münsterlingen behandelt worden war. Verena Kuhn schickte den Eltern jeweils die Medikamente, die sie ihrem Sohn zu verabreichen hatten. Dass diese nicht zugelassen waren, wurde ihnen verschwiegen.

Was in jener Zeit alles an Patienten getestet wurde, das sei gar kein Thema gewesen, sagt Thorner im Film, «weil die Meinung war: das ist zu ihrem Besten». Ein bleibendes Rätsel ist ihr jedoch Klinikdirektor Kuhn, der sehr «den Menschen zugewandt» gewesen sei und seine Patienten dennoch in ihrem Elend vegetieren liess. (wu)

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