ELEKTROMOBILITÄT: «Elektroautos kommen auch ohne Verbot»

Richard Heini, Präsident der Thurgauer Sektion des Auto-Gewerbe-Verbandes Schweiz, erachtet ein Verbot von Benzinmotoren, wie es Grossbritannien plant, als nicht zielführend. Elektroautos seien auch so auf dem Vormarsch.

Sebastian Keller
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Stromtankstellen gehören mittlerweile auch in der Schweiz zum Strassenbild. (Bild: KEY/Christian Beutler)

Stromtankstellen gehören mittlerweile auch in der Schweiz zum Strassenbild. (Bild: KEY/Christian Beutler)

Grossbritannien will Benzin- und Dieselmotoren mit einem Ablaufdatum versehen: Ab 2040 sollen auf der Insel nur noch Elektroautos verkauft werden dürfen. Dies kündigte der britische Umweltminister Michael Gove an. Den radikalen Schritt begründete er mit der Umweltschädlichkeit der weitverbreiteten Antriebsarten. Frankreich wälzt ähnliche Pläne. In der Schweiz sind – zumindest von offizieller Seite – noch keine derartigen Ideen zu vernehmen. Und doch: Das Thema Elektromobilität beschäftigt hierzulande. Der Wängemer Garagist Richard Heini ist Präsident des Thurgauer Sektion des Auto-Gewerbe-Verbandes Schweiz (AGVS). «Ich glaube, die Ankündigungen von Verboten sind dazu da, Druck auf die Automobilindustrie aufzubauen.»

Er zweifelt – auch ohne staatliches Verbot von Benzinern –nicht daran, dass Elektroautos auf hiesigen Strassen vermehrt unterwegs sein werden. Derzeit sind noch weniger als ein halbes Prozent der im Thurgau eingelösten Fahrzeuge rein elektrisch angetrieben. Doch die Zahlen zeigen nach oben: Zählte das Strassenverkehrsamt 2013 erst 36 Elektroautos, 2016 war es bereits das Zehnfache. Weiter verbreitet sind Hybridautos: Fahrzeuge also, die Elektromotoren mit Diesel- oder Benzinmotoren kombinieren. Diese machen derzeit rund ein Prozent oder 1800 Autos auf Thurgaus Strassen aus.

Ein Nebeneinander verschiedener Antriebsarten

Richard Heini erachtet es als realistisch, dass in den nächsten Jahren verschiedene Antriebsarten nebeneinander unterwegs sind. Dazu zählt er auch Autos mit Brennstoffzellen. «Das wäre das grünste Fahrzeug», sagt er. Weniger realistisch sei aus heutiger Sicht die vollständige Umstellung auf Elektroautos. Etwa wegen der «Betankung». Schnelltankanlagen benötigen bis zu 30 Minuten, um die Batterien aufzuladen. Wenn alle mit einem Elektroauto fahren würden, gäbe es Stau vor den Steckdosen. Zudem wären das Stromnetz und die Stromproduzenten stark gefordert. «Es hat viel mehr Hürden, als man sich heute vorstellen kann», sagt Heini. Dabei denkt er auch an den Bereich Nutzfahrzeuge. Ein Verbot von benzinbetriebenen Lastwagen wäre dramatisch, da sie mehrere Tage und über Landesgrenzen unterwegs sind.

Die Augen vor der Entwicklung dürfe die Branche nicht verschliessen, sagt der Thurgauer AGVS-Präsident. Denn: Elektroautos brauchen im Gegensatz zu Benzinern weniger Unterhalt. Als weitere Herausforderung nennt er den «Tesla-Effekt». Die Fahrzeuge dieser Luxusmarke der Elektromobilität werden meist über Internet oder direkt in Tesla-Stores bestellt. «In Zukunft gibt es weniger Garagenkontakte», sagt Heini.

Die Thurgauer Kantonsverwaltung setzt auf Elektrofahrzeuge. Das berichtete die «Ostschweiz am Sonntag» im Mai. Bei jeder Anschaffung wird geprüft, ob auch Elektrofahrzeuge die Anforderungen erfüllen. Zweite Wahl sind Hybridautos.

Sebastian Keller

sebastian.keller@thurgauerzeitung.ch