EKT wirbt auswärtige Kunden an

Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau hält dank Landverkäufen den Gewinn auf der Höhe des Vorjahrs. Die Unternehmen, die andere Stromlieferanten wählen, werden durch Kunden ausserhalb des Kantons überkompensiert.

Thomas Wunderlin
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EKT-Verwaltungsratspräsident Rainer Siegrist zeigt die steigenden Gebühren und Abgaben auf, die den deutschen Strompreis in die Höhe treiben. (Bild: Reto Martin)

EKT-Verwaltungsratspräsident Rainer Siegrist zeigt die steigenden Gebühren und Abgaben auf, die den deutschen Strompreis in die Höhe treiben. (Bild: Reto Martin)

DIESSENHOFEN. 24 Thurgauer Unternehmen haben den freien Markt genutzt und beziehen ihren Strom von anderswo als von ihrem lokalen Energieversorger. Damit ist der Absatz des Elektrizitätswerks des Kantons Thurgau (EKT) um 30 Gigawattstunden (GWh) geschrumpft, denn es beliefert die meisten lokalen Energieversorger im Kanton. Das EKT hat den Markt ebenfalls genutzt. Im Geschäftsjahr, das am 30. September 2013 endete, hat es schweizweit 180 Kunden ausserhalb des Kantons gewonnen. Aus diesem Bereich kommt mittlerweile 11 Prozent des Umsatzes.

Garstiges Energiegeschäft

Das Energiegeschäft ist aber ein garstiges, wie CEO Markus Schüpbach am Donnerstag an der Bilanzmedienkonferenz in Diessenhofen sagte. Der Gewinn aus dem Stromhandel ist deshalb von 3,4 auf 1,8 Millionen Franken gesunken. «Wir hätten den Umsatz verdoppeln müssen, um dasselbe Ergebnis zu erzielen», sagte Finanzchefin Jolanda Eichenberger. Da mit den neuen Kunden teilweise dreijährige Lieferverträge abgeschlossen worden sind, hat sie 500 000 Franken für Beschaffungskosten zurückgestellt. Der Strompreis könnte ja wieder steigen.

Fest damit rechnet Verwaltungsratspräsident Rainer Siegrist für den Fall, dass das Stromabkommen der EU mit der Schweiz nicht zustandekommt. Er warnte, dass beispielsweise Deutschland der Schweiz einen doppelt so hohen Preis für seine Stromlieferungen berechnen könnte als heute. Denn in Deutschland kostet eine Kilowattstunde schon jetzt fast doppelt so viel als in der Schweiz, da eine Reihe von Abgaben daraufgeschlagen werden. Deutschland würde laut Siegrist versuchen, diese Abgaben auch auf Lieferungen ins Drittland Schweiz zu erheben.

Die EKT Holding AG machte wie im Vorjahr rund 23 Millionen Franken Gewinn. Daran beigetragen haben Landverkäufe in Sulgen, Müllheim und Frauenfeld, bei denen von den hohen Bodenpreisen profitiert wurde.

Täglicher Kampf mit der Axpo

Von der Beteiligung an der Axpo kam ein Dividendenertrag von 9 Millionen Franken. Das EKT will der Axpo Sorge tragen, sagte Verwaltungsratspräsident Siegrist. Dennoch bezieht das EKT auch von anderswo Strom, um der Kundschaft günstige Preise offerieren zu können. Wie Siegrist sagte, ist die Auseinandersetzung mit der Axpo «ein täglicher Kampf».

Mit 11,6 Millionen kam der grösste Teil des Gewinns aus den Nutzungsgebühren für das Mittelspannungsnetz. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, investierte das EKT 7,7 Millionen Franken in den Ausbau und die Modernisierung des Stromnetzes. Sie verlegte 18 Kilometer Freileitungen in den Boden und begann mit dem Bau von Unterwerken in Bischofszell und Sulgen. Mit ihrer 2013 gegründeten Frauenfelder Tochter Swiss East Power AG investiert das EKT in neue erneuerbare Energien. Das wichtigste Projekt ist die Fernwärmeanlage Hebbag in Bichelsee-Balterswil, die noch 29 000 Franken Verlust machte. Mit dem Ausbau nach Dussnang soll ein wirtschaftlicher Betrieb möglich werden.