EKT will Strom aus Erdwärme

Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau will bis 2018 das erste Thurgauer Geothermiekraftwerk bauen. Das 100-Millionen-Franken-Projekt soll Strom und Fernwärme produzieren. Sein Standort wird im Oberthurgau sein.

Christof Widmer
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Markus Schüpbach, CEO des EKT, stellte gestern die Pläne für das Geothermie-Kraftwerk vor. (Bild: Stefan Beusch)

Markus Schüpbach, CEO des EKT, stellte gestern die Pläne für das Geothermie-Kraftwerk vor. (Bild: Stefan Beusch)

AMRISWIL. Wenn alles gutgeht, steht in fünf Jahren im Oberthurgau ein Geothermiekraftwerk. Diesen ehrgeizigen Plan präsentierten das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) und der Stromkonzern Axpo gestern in Amriswil. Beide Unternehmen haben sich für das Grossprojekt zu einem Konsortium zusammengeschlossen. Das EKT ist mit einem Anteil von 80 Prozent Hauptinvestor. Die Axpo sei in erster Linie ein Technologiepartner, sagte gestern Axpo-Vertreter Oliver Kopp.

Der Oberthurgau eignet sich für ein solches Geothermiekraftwerk besonders gut. Laut einer Potenzialstudie des Kantons ist dort in 3500 Metern Tiefe mit 130 Grad heissem Wasser zu rechnen. Dieses soll durch eine Bohrung angezapft werden. Es wäre heiss genug, um eine Stromturbine anzutreiben. Die Abwärme liesse sich für ein Fernwärmenetz gebrauchen. Das abgekühlte Wasser würde durch ein zweites Bohrloch in die Tiefe gepumpt (Grafik).

Keine Erdstösse wie in Basel

«Wir konzentrieren uns auf die hydrothermale Technologie», sagte EKT-CEO Markus Schüpbach. Ein Projekt wie in Basel kommt für das EKT also nicht in Frage. Dort musste zuerst unter hohem Druck Wasser in die Tiefe gepumpt werden, was Erdstösse auslöste, die zum Projektabbruch führten.

Ob die Annahmen zum Untergrund stimmen und wo der beste Bohrplatz ist, soll nächsten Winter eine Messkampagne zeigen (siehe Text unten). Sie allein kostet 8 Millionen Franken. Die Gesamtkosten mit Bohrungen und dem Kraftwerkbau sind auf 100 Millionen Franken veranschlagt.

Risikogarantie beantragt

«Die Herausforderungen sind gewaltig», sagte Schüpbach. Das grösste Risiko ist, dass die erste Bohrung ins Leere läuft. Zu diesem Zeitpunkt wäre aber schon die Hälfte der Investitionen ausgegeben. Um das finanzielle Risiko zu minimieren, stellt das Konsortium beim Bund den Antrag auf eine Risikogarantie.

Gemäss dem ehrgeizigen Zeitplan will das Konsortium schon in der zweiten Hälfte 2014 mit der ersten Bohrung beginnen. Bei einem Erfolg käme im Jahr darauf die zweite. 2016 würde der Bau des Kraftwerks an der Oberfläche beginnen. 2018 soll es ans Netz.

Trotz der grossen Investitionssumme handelt es sich laut Schüpbach um «kein riesiges Kraftwerk». Es würde 10 Gigawattstunden Strom produzieren. Das reicht für 2200 Haushalte. Zusätzlich würde Heizenergie für 4000 Haushalte anfallen. Zum Vergleich: Der gesamte Stromverbrauch im Thurgau beträgt heute das 150fache der Leistung des neuen Kraftwerks.

Laut dem Energiegesetz des Bundes müsste bis 2030 ein Zehntel des Verbrauchs aus neuen erneuerbaren Energiequellen wie Biogas, Sonnenenergie oder Erdwärme stammen. Das EKT hat schon früher angekündigt, dass im Thurgau 300 Millionen Franken in neue Stromkraftwerke investiert werden sollen. Schüpbach schliesst nicht aus, dass es noch ein zweites Geothermiekraftwerk geben könnte.

Amriswil und Arbon interessiert

In seine Naturstrom-Offensive will das EKT auch lokale Partner einbinden. Dies betrifft gerade die Abnahme der Fernwärme aus dem Geothermiekraftwerk. Dem EKT wäre es am liebsten, wenn es noch das eine oder andere Stadtwerk als Partner für das Projekt an Bord holen könnte. Immerhin bewiesen gestern die Stadtammänner von Amriswil und Arbon, Martin Salvisberg und Andreas Balg, mit ihrer Präsenz ihr Interesse. Salvisberg nannte die Geothermie eine saubere und unerschöpfliche Energiequelle. Für Balg ist die Erdwärme eine Chance, lokale Wertschöpfung zu produzieren.

Eine Pionierrolle in der Geothermie nimmt die Stadt St. Gallen ein, die für 160 Millionen Franken ein ähnliches Kraftwerk bauen will. Dort soll eine Tiefenbohrung bis Mitte Jahr zeigen, ob das erwartete heisse Wasser wirklich vorhanden ist. Bei den St. Gallern holte sich das EKT auch Unterstützung für die Durchführung der Seismikmessungen.