EKT sichert Kanton Millionen zu

ARBON. In den nächsten vier Jahren wird das EKT pro Jahr 7,5 Millionen Franken in die Staatskasse abliefern. Das sieht eine Vereinbarung zwischen der Regierung und dem kantonseigenen Unternehmen vor.

Christof Widmer
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Amtsübergabe: Peter Schütz (links) übernimmt das Verwaltungsratspräsidium der EKT Holding von Rainer Sigrist. (Bild: Urs Bucher)

Amtsübergabe: Peter Schütz (links) übernimmt das Verwaltungsratspräsidium der EKT Holding von Rainer Sigrist. (Bild: Urs Bucher)

Der Kanton Thurgau profitiert erneut von einer namhaften Ausschüttung der EKT-Gruppe. Sie überweist eine Dividende von 9,66 Millionen Franken in die Staatskasse. Das kantonseigene Stromunternehmen hat im letzten Geschäftsjahr einen Gewinn von 28,7 Millionen erwirtschaftet, wie der abtretende Verwaltungsratspräsident Rainer Siegrist an der gestrigen Bilanzmedienkonferenz bekanntgab.

Die EKT-Ausschüttungen an den Kanton sollen auch in den nächsten vier Jahr aufrechterhalten bleiben – dies obwohl die EKT-Gruppe wohl nicht mehr mit einer Dividende für ihre Axpo-Beteiligung rechnen kann. Im letzten Jahr erhielt sie noch 9 Millionen Franken vom Nordostschweizer Stromkonzern. Weil die Axpo rote Zahlen schreibt, rechnet Sigrist damit, dass die Dividenden ausbleiben.

«Thurgauische Solidarität»

Dennoch wird das EKT dem Kanton in den nächsten vier Jahren 7,5 Millionen Franken ausschütten. Diesen Eckwert habe das Unternehmen mit dem Regierungsrat in einem Vertrag festgehalten, sagte Sigrist. Die Verpflichtung geht das EKT ein, obwohl der künftige Geschäftsgang wegen der Marktöffnung mit fallenden Strompreisen unsicher ist. Das EKT will die Dividende nicht aus dem operativen Geschäft finanzieren, sondern aus ausserordentlichen Erträgen – also Gewinnen und Erträgen von Wertschriften oder aus Verkäufen. «Falls das nicht reicht, werden wir etwa auf die Substanz zurückgreifen müssen», sagte Sigrist.

Sigrist bezeichnete die vereinbarte Dividende als Akt der «thurgauischen Solidarität». Wenn es dem einen – also dem Kanton – schlecht gehe, helfe ihm der andere – also das EKT. Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer dankte für die nun ausgeschüttete Dividende, über die der Regierungsrat als Eigentümervertreter wohl nicht unwesentlich mitbestimmt hat. Die Dividende sei vertretbar. «Das EKT wird nicht ausgehungert», sagte Schläpfer.

Sowohl Sigrist als auch Schläpfer mahnten im Zusammenhang mit der Ausschüttung an den Kanton die Städte Arbon und Romanshorn, wieder voll mit dem EKT zusammenzuarbeiten. Deren Stromendverteiler sind Aktionäre der St. Galler SN Energie AG, haben aber laut Sigrist auch mit dem EKT wieder eine Zusammenarbeit in kleinem Umfang begonnen. Wenn das EKT dem Kanton Dividenden ausschüttet, profitierten davon auch Arbon und Romanshorn, die nichts dazu beigetragen haben, monierte Schläpfer.

Die EKT-Führung bekannte sich gestern einmal mehr zu den erneuerbaren Energien. Die Swiss East Power, die dafür verantwortliche Einheit der EKT-Gruppe, soll selber Projekte umsetzen oder bei der Finanzierung helfen. Das EKT erhalte laufend Anfragen für Projekte, sagte Sigrist. Darunter seien aber viele «rostige Projekte», wie er es nennt. Die meisten Gesuche lehne es ab. «Wir wollen nur Projekte unterstützen, die langfristig Rendite abwerfen», sagte Sigrist.

Sigrist verabschiedet

Sigrist wurde gestern als Verwaltungsratspräsident verabschiedet. Er hat das EKT seit fast sechs Jahren geführt. Sigrist habe das Unternehmen in einer schwierigen Phase übernommen, sagte Regierungsrat Schläpfer in Anspielung auf das Anlagedebakel, bei dem das Unternehmen über 30 Millionen Franken an den Finanzmärkten verloren hat. Sigrist sei es gelungen, das Vertrauen in das EKT wiederherzustellen und es auch auf den liberalisierten Strommarkt einzustellen.

Als Nachfolger Sigrists hat die Generalversammlung – also der Regierungsrat – den langjährigen Verwaltungsrat Peter Schütz gewählt. Neu im Verwaltungsrat sind zudem CVP-Kantonsrat Josef Gemperle, SP-Kantonsrat Peter Dransfeld und SVP-Kantonsrat Walter Marty. Ausser Sigrist sind David Blatter und Sven Frauenfelder zurückgetreten.