EKT-Führung weiter unter Beschuss

An der heutigen Generalversammlung des Elektrizitätswerkes des Kantons Thurgau (EKT) stellen sich trotz des Finanzdebakels alle Verwaltungsratsmitglieder wieder zur Wahl. Und auch der Direktor will im Amt bleiben. Ob er es auch kann, ist eine andere Frage.

Markus Schoch
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arbon. Das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) steht nach dem 35-Millionen-Abschreiber wegen der Pleite der Lehman Brothers weiter unter Druck. Zwar haben Präsident Hansjakob Zellweger auf Ende September und Regierungsrat Kaspar Schläpfer auf Frühling des nächsten Jahres ihren Rücktritt aus dem Verwaltungsrat eingereicht. Für die beiden Kantonsräte Urs Martin (SVP) und Peter Gubser (SP) genügt das aber nicht, um das Vertrauen ins EKT wiederherzustellen. Ihrer Meinung nach müsste Zellweger sofort gehen.

Dieser dürfte aber wie angekündigt bis im Herbst im Amt bleiben. Alle Verwaltungsratsmitglieder würden sich an der heutigen Generalversammlung nochmals zur Verfügung stellen, erklärt Regierungspräsident Bernhard Koch auf Anfrage – also auch Zellweger.

Der EKT-Verwaltungsrat wird vom Regierungsrat gewählt, der den Kanton als Eigentümerin des EKT vertritt.

Direktor will bleiben

Weitermachen möchte auch EKT-Direktor Urban Kronenberg, auch wenn er politisch in Ungnade gefallen ist. Der Regierungsrat wirft ihm vor, den Finanzchef an der «zu langen Leine geführt zu haben». Fast alle Fraktionen im Grossen Rat halten Kronenberg deswegen nicht weiter für tragbar, wie die EKT-Debatte im Grossen Rat Ende Januar zeigte. Gubser und Martin verlangen unmissverständlich seine Freistellung.

Doch Kronenberg geniesst nach wie vor das Vertrauen des Verwaltungsrates. Der Direktor mache «einen sehr guten Job», verteidigte ihn im Januar Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer als EKT-Verwaltungsrat in einem Interview mit dem Tagblatt – und widersprach damit seinen Regierungsratskollegen. Daran messe er sich, sagt Kronenberg. Einer Schuld im Zusammenhang mit dem Finanzdebakel ist er sich nicht bewusst. «Führen heisst auch Delegieren, und wer will, der kann immer Löcher im System finden», verteidigt sich der EKT-Direktor. Alle Risiken könnten nie eliminiert werden. «Ich bin der Meinung, dass ich funktionsbezogen geführt habe.» Dies werde auch im externen Bericht bestätigt. «Das Klumpenrisiko war erheblich. Mit dem Finanzreporting wurden der Verwaltungsrat und ich getäuscht», sagt Kronenberg.

Das Ausmass werde die laufende Strafuntersuchung an den Tag bringen. Deren Ergebnisse sind Mitte oder Ende April zu erwarten gemäss Marco Breu vom zuständigen Bezirksgericht Münchwilen.

Regierungsrat hält sich zurück

Der Regierungsrat – ohne Schläpfer im Ausstand – sieht Kronenberg zwar nicht nur in der Opferrolle, will sich aber nicht in die Personalpolitik des Verwaltungsrats des EKT einmischen, wie Regierungspräsident Bernhard Koch klar macht. «Das wäre völlig falsch.» Sie seien für die strategischen Belange zuständig und nicht für die operativen.

Ausgestanden ist die Krise für Kronenberg deswegen aber nicht. Denn die beiden Kantonsräte Martin und Gubser wollen nicht lockerlassen. «Wir werden nach der Generalversammlung weitere Schritte prüfen, wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden sollten», stellt Martin in Aussicht. In welche Richtung es gehen könnte, wollte er nicht sagen. «Wir werden zuerst eine Lageanalyse machen.»

Grundsatzfrage klären

Noch nicht entschieden hat der Regierungsrat, ob er weiter im Verwaltungsrat des EKT vertreten sein will, wenn Kaspar Schläpfer im nächsten Frühling ausscheidet. Diese Frage soll im Zusammenhang mit der Forderung von SVP-Kantonsrätin Marlies Näf-Hofmann geklärt werden, der Regierungsrat solle (wieder) im Verwaltungsrat der Spital Thurgau AG (mit dem Kanton als Hauptaktionär) Einsitz nehmen.

Kein Zeitdruck

«Wir wollen vertieft und grundsätzlich auf das Thema eingehen», stellt Regierungspräsident Bernhard Koch in Aussicht. Die Ergebnisse der Überlegungen sollen nach den Sommerferien publik gemacht werden. Es bestehe kein Zeitdruck, sagt Koch.

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