EKT erhöht Gewinn und warnt

Das Elektrizitätswerk des Kantons legte im letzten Geschäftsjahr bei Umsatz und Gewinn zu. Die Eigenkapitaldecke wurde gestärkt. Ein Teil des Gewinnwachstums ist Sondereffekten geschuldet. Sorgen bereiten die Preise des Lieferanten Axpo.

Martin Knoepfel
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Rainer Sigrist, Verwaltungsratspräsident der EKT-Gruppe, hat Freude am höheren Unternehmenswert. (Bild: Reto Martin)

Rainer Sigrist, Verwaltungsratspräsident der EKT-Gruppe, hat Freude am höheren Unternehmenswert. (Bild: Reto Martin)

ESCHLIKON. «Das EKT schreibt keinen Verlust. Wir heben uns von der Energiewirtschaft ab», sagte Verwaltungsratspräsident Rainer Sigrist wohl in Anspielung auf den Abschluss von Alpiq. Gestern lud das EKT zur Bilanzpressekonferenz fürs Geschäftsjahr 2011/2012 nach Eschlikon.

Das EKT leiste seinen Beitrag zum Ausstieg aus der Kernenergie, versicherte Sigrist. Er fordert aber klare Rahmenbedingungen der Politik, denn nur so könne man kalkulieren. Das EKT werde nicht irgendwo «Windrädchen und Wasserkraftwerke» kaufen, sondern sorgsam mit öffentlichen Geldern umgehen, versprach er.

Die Umsetzung der Energiestrategie 2050 sei schwierig, sagte Sigrist und sprach von «Terror», da sogar kleinste Projekte mit Einsprachen bekämpft würden. CEO Markus Schüpbach erinnerte an das Ziel, bis 2030 zehn Prozent des Stroms aus neuen erneuerbaren Energien zu generieren. Eine Lösung für die fehlende Energiemenge gebe es noch nicht, räumte er ein und verwies auf den kleinen Umsatzanteil von Naturstrom (0,5 Mio. Franken bei einem Energieumsatz von 117 Millionen).

Schärferer Wettbewerb

Das EKT spürt den schärferen Wettbewerb im Strommarkt Die EKT Energie AG helfe mit, damit Thurgauer Firmen keine zusätzlichen Wettbewerbsnachteile hätten, sagte Sigrist und kündigte an, dass das EKT am Markt aggressiver auftreten werde. Mit zwei Ausnahmen – davon ein Grossunternehmen im öffentlichen Besitz – seien alle Firmen im Kanton Kunden. Es dürfe nicht passieren, dass das EKT Endversorger als Kunden verliere, weil die Marktpreise unter denen der Axpo lägen, sagte Schüpbach.

Die Geschäftszahlen erläuterten Sigrist, Schüpbach und Finanzchefin Jolanda Eichenberger. Das Eigenkapital stieg um 14 auf 345 Mio. Franken. «Es gibt Anzeichen, dass es so nicht weitergeht», warnt der CEO. Die Schulden sanken um 8 auf 41 Millionen. Der Umsatz der Gruppe stieg um 13 auf 172 Mio. Franken. Das EKT lieferte im letzten Geschäftsjahr seinen Kunden 1523 Gigawattstunden (GWh) Strom, ein Prozent weniger als im Jahr zuvor. 1470 GWh gingen an Kunden im Thurgau. Der Gewinn erreichte auf Gruppenebene 22,8 Mio. Franken, davon 10 Millionen aus der Dividende der Axpo, 7 Mio. Franken aus dem Netzbetrieb und 3,4 Millionen aus dem Energiehandel. Die Investitionen sanken um 3,7 auf noch 8,2 Mio. Franken. Die Abschreibungen blieben mit 11 Millionen fast unverändert.

EKT hat neue Tochter

Im letzten Geschäftsjahr baute das EKT drei von 99 Stellen ab. Der Abbau wird im Bereich Strommessung weitergehen, wobei es keine Kündigungen geben soll. Dafür wird der Handel ausgebaut.

Die EKT-Gruppe besteht aus der Holding, die ganz dem Kanton gehört und die die Beteiligungen verwaltet, sowie drei Töchtern. Die EKT AG betreibt das Stromnetz. Die EKT Energie AG ist im Handel mit und der Lieferung von Energie tätig. Das jüngste Kind heisst Swiss East Power. Hier sind die Beteiligungen an der Hebbag, die dank Sondereffekten erstmals schwarze Zahlen schrieb, und am Konsortium Geothermie enthalten. Das EKT ist auch im Telekombereich tätig, wo es ein Glasfasernetz besitzt und seine Kompetenz vermarkten will. Offenbar ist es nicht einfach, den Gemeinden Glasfasern bis in die Gebäude schmackhaft zu machen.

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