Einstein scheiterte in Frauenfeld

Vor 100 Jahren referierte Albert Einstein an der Kantonsschule Frauenfeld. Elf Jahre zuvor hatte er sich hier vergeblich als Mathematiklehrer beworben.

Barbara Hettich
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Kantilehrer Martin Gubler erzählt aus Albert Einsteins Leben. (Bild: Barbara Hettich)

Kantilehrer Martin Gubler erzählt aus Albert Einsteins Leben. (Bild: Barbara Hettich)

FRAUENFELD. «Sie kommen genau 100 Jahre zu spät», eröffnete Martin Gubler seinen Vortrag über den weltberühmten Physiker und Nobelpreisträger. Am 9. September 1913 hatte Albert Einstein im Singsaal der Kantonsschule Frauenfeld auf Einladung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft ein Kurzreferat gehalten. Im selben Raum drängten sich am Montag die Zuhörer, die zulässige Teilnehmerzahl von 100 Personen wurde relativ stark überschritten. Eingeladen hatten die Kantonsschule, das Naturmuseum Thurgau und die Thurgauische Naturforschende Gesellschaft.

Lehrer schreibt Einstein-Buch

Martin Gubler unterrichtet an der Kantonsschule Frauenfeld Mathematik, Physik und Astronomie und hat unter dem Pseudonym David Eckstein das Buch «Epstein erklärt Einstein» geschrieben. In einer Kurzfassung erklärte er dem Publikum, warum Einstein zum Popstar der Physik avancierte. Der grosse Durchbruch sei gekommen, als ein englisches Forscherteam belegen konnte, dass die Berechnungen von Einstein zur Gravitationstheorie sehr viel genauer waren als diejenigen Newtons.

Frauenfeld war für Albert Einstein mehr als nur ein Vortragsort. Nach seinem Studium an der ETH Zürich habe er sich 1902 als Mathematikprofessor an der Kanti Frauenfeld beworben. Der damalige Rektor wollte aber den «Besten» und stellte Einsteins Kommilitonen Marcel Grossmann ein. Einstein musste sich erst als Privatdozent durchschlagen. «Grossmann blieb für Albert Einstein unglaublich wichtig», sagte Gubler. Die beiden Physiker seien im engen Kontakt geblieben, Grossmanns Vater habe dann Einstein die Anstellung beim Patentamt vermittelt. 1913 waren Einstein wie auch Grossmann an der ETH Zürich beschäftigt und gemäss Tagungsprogramm hat auch Grossmann bei der Naturforschenden Gesellschaft ein Referat gehalten. Einstein war auch ein geselliger, humorvoller Mensch, der sich für den Frieden einsetzte. Vom liberalen Geist der Schweiz sei er angetan gewesen, habe sich das Geld für die Einbürgerung vom Munde abgespart, erzählte Martin Gubler und schmückte seine Erzählungen über das Leben Einsteins mit Zitaten aus.

Navigieren dank Einstein

Die Frauengeschichten liess er beiseite, weil diese schon ein abendfüllendes Programm wären. Er räumte bei der Fragerunde mit Gerüchten auf: «Albert Einstein war kein schlechter, sondern ein sehr guter Schüler, er war auch kein Autist.» Gubler gab seinen Zuhörern ein wenig Nachhilfe in Physik: «Ohne Einsteins Berechnungen würde kein Navigationsgerät funktionieren.»