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EINSATZKRÄFTE: "Schutt und Geröll fast bis zur Decke" - Thurgauer schaufeln Bondo frei

270 Zivilschützer helfen bis Mitte Dezember in neun Gruppen der vom Bergsturz verschütteten Gemeinde Bondo. Mit Pickeln und Schaufeln befreien die Thurgauer Männer verschüttete Häuser und Wohnungen, erzählt Einsatzleiter Marcel Müller.
Silvan Meile
Marcel Müller, Einsatzleiter. (Bild: PD)

Marcel Müller, Einsatzleiter. (Bild: PD)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier: www.tagblatt.ch/epaper

28 Thurgauer helfen derzeit in Bondo. Marcel Müller ist der Einsatzleiter dieser zweiten von neun Gruppen Thurgauer Zivilschützern im Bergell. Am 23. August ist das Dorf von einem verheerenden Bergsturz heimgesucht worden.

Herr Müller, was zeigt sich Ihnen für ein Bild in Bondo?

Die Situation ist mittlerweile sehr geordnet. Dennoch habe ich mir beim ersten Blick auf den Schadensplatz gedacht: «Mein Gott, was ist da alles runtergekommen.» Alles ist hier gut organisiert und geführt von den Verantwortlichen der Gemeinde Bondo. Trotzdem musste ich zuerst einmal leer schlucken.

Wie ist die Situation im Dorf?

Ich habe Wohnungen gesehen, die fluchtartig verlassen werden mussten. In einer lag noch die Zeitung des Unglücktags auf dem Küchentisch. Einige hatten Glück im Unglück. Ihnen füllte es «nur» den Keller mit Dreck. Doch ich habe auch Stuben, Küchen und Badezimmer gesehen, die bis fast zur Decke mit Schutt und Geröll gefüllt sind.

Ihre Aufgabe ist es, diese Liegenschaften freizuschaufeln?

Ja, dies ist unsere Hauptaufgabe. Mit Pickel und Schaufel sind wir daran, die Häuser zu befreien. Meistens müssen wir eine gebückte Haltung einnehmen, weil es zwischen Dreck und Decke nur etwa einen Meter Platz hat. Wir sind sehr produktiv, kommen aber dennoch nur langsam und in kleinen Schritten vorwärts. Weiter sind wir daran, einen Fuss- und Sicherheitsweg auszubessern. Eine andere Gruppe führt das Lagezentrum, wo Funk und Telefon verwaltet werden. Wir betreiben auch den Beobachtungsposten, der bei einem möglichen weiteren Murgang sofort alle Personen im Gefahrenbereich warnen muss. Vor allem die Bauarbeiter, Baggerfahrer und Lastwagenchauffeure in der Gefahrenzone müssen über Funk zusätzlich gewarnt werden, weil sie die Blinksignale allenfalls nicht sehen. Bei einem Alarm haben alle Betroffenen vier Minuten Zeit, sich aus dem Gefahrenbereich hin zum Sammelplatz zu begeben.

Marcel Müller, Einsatzleiter. (Bild: PD)

Marcel Müller, Einsatzleiter. (Bild: PD)

Ist das schon vorgekommen?

Bisher erlebten wir nur einen Testalarm.

Kommen auch Schaulustige nach Bondo, die Ihnen die Arbeit erschweren?

Wir sehen viele Leute, die mit dem Auto hierhin fahren und sich meist von der Strasse aus die vielen Steine anschauen. Das ist tatsächlich ein ungewohnter Anblick. Am Mittwoch mussten wir jedoch wegen Schaulustigen eine Absperrung vor dem Damm aufstellen. Das wird sonst zu gefährlich.

Wie geht es den Thurgauer Helfern in Bondo?

Sehr gut. Sie sind motiviert bei der Arbeit. Wir sehen, was die Menschen hier erlebten und wissen, dass wir was Sinnvolles tun.

Wie ist der Kontakt mit den Dorfbewohnern?

Gestern kam eine Frau auf mich zu und bedankte sich für unseren Einsatz. Ähnliches ist auch anderen Thurgauer Zivilschützern widerfahren. Die Wertschätzung unserer Hilfe ist vor Ort sehr gross, auch etwa von der Gemeindepräsidentin. Ab und zu begleiten wir auch Bewohner zu ihren zugeschütteten Häusern.

Wo ist Ihre Mannschaft untergebracht?

Wir schlafen in einer Zivilschutzanlage in Vicosoprano. Das liegt rund drei Kilometer oberhalb von Bondo. Duschen müssen wir beim Eisfeld, das ist in etwa vier Minuten zu Fuss erreichbar.

Wie verbringen die Thurgauer Männer ihre Freizeit?

Die Freizeit ist begrenzt. Einige der Männer haben die Jasskarten mitgenommen. Am Mittwoch konnten wir den Betreiber der einzigen Bar in Vicosoprano überreden, etwas später zu schliessen. Er macht sein Lokal normalerweise um 19 Uhr zu.

Zivilschützer und die Armeeangehörigen räumen die vom Murgang verschütteten Häuser. Im Hintergrund zu sehen: die Kirche von Bondo. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

Zivilschützer und die Armeeangehörigen räumen die vom Murgang verschütteten Häuser. Im Hintergrund zu sehen: die Kirche von Bondo. (Bild: GIAN EHRENZELLER (KEYSTONE))

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