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EINRICHTUNG: Mit Moos viel los

Ein Gewächs aus den nordischen Wäldern freut sich wachsender Beliebtheit: Moos ist als Dekoration längst salonfähig, das Geschäft damit läuft rund. Mittendrin ist Patrick Hangartner mit seiner Frauenfelder Schreinerei. Dort gibt’s Moosdeko nach Bestellung.
Martin Rechsteiner
Patrick Hangartner ist Geschäftsführer der Frauenfelder Raumwerke AG. Er lehnt an einer grossen Wanddekoration aus Island-Moos. In der Hand hält er einen Ball aus amerikanischem Curly-Moos. (Bild: Reto Martin)

Patrick Hangartner ist Geschäftsführer der Frauenfelder Raumwerke AG. Er lehnt an einer grossen Wanddekoration aus Island-Moos. In der Hand hält er einen Ball aus amerikanischem Curly-Moos. (Bild: Reto Martin)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner

@ thurgauerzeitung.ch

«Manchmal sagen meine Angestellten, ich sei verrückt», sagt Patrick Hangartner mit einem breiten Lächeln. Hangartner ist Unternehmer. «Als solcher versuche ich, mit meinem Team neue Ideen umzusetzen. Manche davon sind vielleicht ein bisschen ausgefallen.» Für gewöhnlich funktionieren sie aber.

Eine dieser Ideen sind die Moosprodukte, die Hangartners Firma Raumwerke AG in Frauenfeld fertigt. «Wir gehörten zu den ersten in der Schweiz», sagt er. Vor einigen Jahren ist der Unternehmer bei einem seiner Lieferanten auf Moos als Material für die Raumgestaltung gestossen und war sofort angetan davon.

Trend aus Skandinavien

Inzwischen wächst das Geschäft: Denn Moosbilder aufhängen, oder gar ganze Wände damit einkleiden, gilt immer mehr als chic. «Die Leute mögen es wieder etwas rustikaler in ihren vier Wänden. Und wir bringen ihnen die Natur zurück.» Das Moos wachse natürlich und werde nachhaltig geerntet.

Die Idee zum Moos im Eigenheim stammt aus dem skandinavischen Raum. Dort gilt es inzwischen längst als Trend. Aus dem Norden bezieht Hangartners Firma denn auch einen Teil der Moose, die sie verarbeitet. «In einer aufwendigen Prozedur kleben wir einzelne Moosbüschel von Hand auf unterschiedliche Träger, wie zum Beispiel Holzplatten, welche aufgehängt werden können.» Die Raumwerke AG verwendet verschiedene Arten der Pflanze. Da gibt es etwa das flauschige Island-Moos, das in seiner Kontur an Broccoli erinnert, das Curly-Moos aus Amerika, das aussieht wie Holzwolle, und das Boll-Moos, welches am ehesten jenem in unseren Wäldern und Bergen gleicht. «Das Island-Moos gibt es, durch natürliches Färben, in verschiedenen Tönen», sagt Hangartner und holt Kisten hervor, in denen blaue, gelbe und rote Muster des Gewächses liegen. «Frisch aus Skandinavien.» Bei normalem Raumklima halte das Moos auf den Paneelen über viele Jahre hinweg und wirke als Schall-Schlucker im Raum. «Wasser oder Licht braucht es nicht.»

Sonderwünsche erwünscht

«Immer wieder wagen wir uns an aufwendige und neue Konstruktionen», sagt Hangartner und zeigt auf eine Installation an der Wand. Wolkenförmige Paneele mit Island-Moos, darin eingebettet kleine Bildschirme, die eine Diashow zeigen. «Die Kosten dafür bewegen sich im Rahmen eines günstigen Kleinwagens.» Ein einfaches Moosbild in der Grösse eines A2-Blattes sei für einige hundert Franken zu haben. «Wir produzieren Qualitätsware, meist Unikate, die auf die Räume der Kunden abgestimmt sind.»

Auf betuchte Kundschaft mit Hang zu Spezialanfertigungen, hat sich die Raumwerke AG spezialisiert. In ihrem Sortiment führt sie unter anderem auch Platten mit einer hauchdünnen Schicht aus natürlichem Schieferstein.

Damit lassen sich Wände und Möbel verkleiden, so dass sie aussehen, als bestünden sie aus Schiefer-Blöcken. «Wir nennen das Steinfurnier. Es kommt unter anderem beim Ausbau von Schiffen, Wohnmobilen oder Flugzeugen zum Einsatz, wo schwere Steine nichts verloren haben», sagt Hangartner. Von der Schreinerwerkstatt zum Raumgestalter für hohe Ansprüche. Diesen Weg versuche die Raumwerke AG einzuschlagen, sagt Patrick Hangartner. Dennoch sei man auch dem traditionellen Geschäft mit Küchen, Schränken und Türen treu geblieben.

Vom Handwerker zum Geschäftsmann

«Ich habe zwar einmal die Schreinerlehre gemacht, habe aber schon früh vom Handwerk zum Unternehmertum gewechselt», sagt Hangartner. Seit 2012 führt er das 24-köpfige Team, darunter sieben Lernende. Sitzungstisch statt Hobelbank, Powerpoint statt CAD. Für Hangartner stimmt es so. Wenn der 40-Jährige von seinen Projekten spricht, blüht er auf.

Seine Augen hinter der Brille leuchten, die Ideen sprudeln unaufhaltsam aus ihm heraus. Vielleicht lassen sich Möbel ja auch mit anderen Steinen als Schiefer einkleiden? Was könnte man mit Glaskeramik oder rostigem Metall alles anstellen? «Wenn eines von zehn Projekten einschlägt, bin ich zufrieden», sagt Hangartner. «Eine Schreinerei muss sich laufend entwickeln, ihren eigenen Platz im Markt suchen, sonst überlebt sie nicht.»

Seinen eigenen Platz hat Hangartner indes gefunden. Mit seiner Partnerin wohnt er in Steckborn. «Mir gefällt es am See», sagt er. Sein zweites Zuhause ist aber klar der Betrieb. «In meinem Kopf geistern zahlreiche Ideen herum, dich ich bald anpacken will.» Da sind die Mooswerke wohl erst der Anfang.

Hinweis

www.mooswerke.ch

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