Einmaliger Blick auf den Altar

FRAUENFELD. Zum Tag der offenen Baustelle lud die Baukommission der Katholischen Kirchgemeinde Frauenfeld letzten Samstag in die Stadtkirche St. Nikolaus ein. Die Besucher kamen zahlreich und entdeckten Unbekanntes in luftiger Höhe.

Andreas Taverner
Merken
Drucken
Teilen
Besucherin Andrea Breu hatte keine Bedenken, den hohen Übergang zu überqueren. (Bild: Andreas Taverner)

Besucherin Andrea Breu hatte keine Bedenken, den hohen Übergang zu überqueren. (Bild: Andreas Taverner)

«Helm auf» hiess es letzten Samstag in der Stadtkirche, in der normalerweise das Gegenteil gilt. Doch wer den Baustellenrundgang, zu der die Baukommission der Katholischen Kirchgemeinde Frauenfeld eingeladen hatte, über die Gerüste beging, tat gut daran, der Aufforderung Folge zu leisten.

Eine besondere Gelegenheit

«Heute sehen sie Dinge, die sie sonst nie zu sehen bekommen», sagte Führer Martin Gallati. Gruppen von rund zehn Personen wurden von an der Renovation Beteiligten wie zum Beispiel Gabriel Müller, Mitglied der Baukommission, über mehrere rund zwei Meter hohe und schwankende Gerüste geführt. Der Weg über die Gerüste war auf Sicherheit überprüft worden, dennoch mussten die Besucher auf Kabel, Eisenrohre und schmale Durchgänge achten. Dann war es geschafft. Die Gruppe war nun rund 14 Meter höher und hatte einen einmaligen Blick von oben auf den Altar. «Die grösste Verschmutzung kommt von der Lüftung und den Gottesdienstbesuchern», sagte Martin Gallati. So wurde die Heizung und Lüftung komplett erneuert. Weshalb eine Kirche so gross sein müsse, kam eine Frage aus einer Gruppe. Das sei eine Machtdemonstration, antwortete Gallati.

Einmalig für die Besucher war oben zu sehen wie akkurat die Erbauer der neubarocken Kirche zwischen 1904 bis 1906 vorgegangen waren und mit welcher Liebe zum Detail 1967 bis 1969 bei der letzten grossen Renovation gearbeitet worden war. So ist die Decke, die von unten betrachtet gräulich wirkt, tatsächlich weissgrau gemustert. Oder die Stuckarbeiten wurden in diversen Weisstönen bis hin zu einem feinen Gelb ausgemalt. Dies veranlasste einen Besucher zum Fazit: «Wie die damaligen Handwerker vorgingen, um Details zu perfektionieren, die von unten nicht sichtbar sind, ist grandios.»

Original Fenster auf dem Estrich

Im für das Publikum nicht zugänglichen Estrich der Kirche lagern die original Fenster. Diese können bei der nächsten Renovation wieder angebracht werden. Auch aus Kostengründen mussten sie laut Martin Gallati am jetzigen Ort bleiben.

Unten angekommen, galt es weiter Vorsicht walten zu lassen und gut auf den Boden zu schauen, um nicht über eine der zahlreichen Schwellen zu stolpern. Wer noch Fragen über das angewandte Handwerk hatte, konnte sich an den Ständen der Firmen kundig machen.