Einkaufswahnsinn statt Erholung

Der Weihnachtsstress ist vorbei, und der Sonntag gehört wieder der Familie. Nicht so im Hinterthurgau. Dort hatten gestern Läden geöffnet. Der Ansturm war gross. Was die Detailhändler freut, ist der Gewerkschaft Unia ein Dorn im Auge.

Simon Dudle
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Hochbetrieb wie vor dem Fest: Viele Leute nutzten den gestrigen Sonntag, um in Rickenbach einkaufen.

Hochbetrieb wie vor dem Fest: Viele Leute nutzten den gestrigen Sonntag, um in Rickenbach einkaufen.

RICKENBACH. Nach Weihnachten ist vor Weihnachten. Diesen Eindruck gewann, wer sich gestern im oder rund um das Einkaufszentrum Breite in Rickenbach bewegte. Der grosse Parkplatz war gut gefüllt, und in den Geschäften herrschte Hochbetrieb.

Maximal viermal pro Jahr

In der Region Wil war es gestern – abgesehen von Tankstellen – einzig in Rickenbach und Münchwilen möglich, den leeren Kühlschrank wieder aufzufüllen. Während der Kanton St. Gallen eine Ladenöffnung am 27. Dezember verbietet, ist die Ausgangslage im Thurgau anders. Dort macht der Kanton keine Vorschriften, an welchen Tagen im Jahr der Sonntagsverkauf durchgeführt werden darf. Deren vier dürfen es maximal sein. Bereits im Vorfeld war eine heftige Diskussion entbrannt, ob die Geschäfte offen sein sollen oder nicht. Während die Detailhändler argumentieren, man komme damit einem Bedürfnis der Kunden nach, wehrte sich die Gewerkschaft Unia vehement gegen den gestrigen Einkaufssonntag. Die Angestellten im Verkauf seien in der Vorweihnachtszeit bereits doppelt gefordert. Es gehe nicht an, dass ihnen auch noch der 27. Dezember genommen werde.

Nicht nur Coop geöffnet

Die Forderung der Unia, die Geschäfte seien am letzten Sonntag des Jahres nicht zu öffnen, stiess aber auf taube Ohren. Mehr noch: Der helle Einkaufs-wahnsinn spielte sich ab. Heidi Anderes, Leiterin PR und Sponsoring bei Coop Ostschweiz, zog gestern abend denn auch ein positives Fazit: «Im Vergleich mit den beiden vorangehenden Sonntagsverkäufen war dieser Sonntag mit Abstand der stärkste Tag.» Nicht nur Coop und die im gleichen Gebäude eingemieteten Geschäfte wie Manor und Fust hatten offen, auch die unmittelbar angrenzenden Möbel Märki und Diga Möbel boten ihre Güter feil. Der auf dem gleichen Areal liegende Coop Bau und Hobby hatte hingegen zu. Der einige 100 Meter weiter westlich gelegene Lidl auf Wilener Ortsgebiet, Aldi in Gloten, Migros in Sirnach und Denner in Münchwilen und Sirnach waren ebenfalls geschlossen. Trotzdem: Stefan Brülisauer, Leiter ad interim von Unia Thurgau, war nicht zufrieden und sagte: «Mit diesem Einkaufssonntag wird ein Bedürfnis geschaffen, dass gar nicht vorhanden wäre. Die Leute haben das nicht gefordert. Das Verhalten der Führungspersonen ist arrogant gegenüber dem Personal.» Nicht nur die Verkäufer seien betroffen, sondern auch Lastwagen-Chauffeure, argumentierte Brülisauer. Für ihn gibt es aber Licht am Ende des Tunnels. Denn vom Kanton Thurgau hat Unia eine mündliche Zusage bekommen, dass solche Sonntagsverkäufe künftig nicht mehr bewilligt würden.

Die nahe Zukunft sieht aber anders aus. Bereits am kommenden Samstag, 2. Januar, wird in Rickenbach der nächste Sonntagsverkauf durchgeführt.

Einige Meter weiter westlich war vor dem Lidl in Wilen gar nichts los. (Bilder: Simon Dudle)

Einige Meter weiter westlich war vor dem Lidl in Wilen gar nichts los. (Bilder: Simon Dudle)

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