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EINKAUFSTOURISMUS: Die Schnäppchenjäger und das schlechte Gewissen

Senioren, die viel Zeit fürs Shopping hätten, verschärften das Problem mit dem Einkaufstourismus. Dies sagt ein Professor der Uni St.Gallen. Und rät, den Schnäppchenjägern ein schlechtes Gewissen zu machen.
Konstanz mit dem Lago zieht die meisten Schweizer Einkaufstouristen an. (Bild: Benjamin Manser)

Konstanz mit dem Lago zieht die meisten Schweizer Einkaufstouristen an. (Bild: Benjamin Manser)

Viele Thurgauer Detailhändler schätzen ihre aktuelle Geschäftslage zwischen Einkaufstourismus und Online-Shopping zwar als «schwierig» ein, bewerteten den eigenen Geschäftsausblick aber als «leicht optimistisch». Dies geht aus einer kürzlich durchgeführten Umfrage hervor. Dem Branchenverband TGshop genügte die Einschätzung seiner Mitglieder nicht, weshalb er an seinem diesjährigen Herbstanlass Thomas Rudolph einlud, der an der Uni St.Gallen Marketing und Internationales Handelsmanagement lehrt sowie jüngst eine Umfrage zu Einkaufstourismus und Online-Shopping bei über 3000 Leuten durchgeführt hat. Das, was Rudolph diese Woche den über 80 Gewerbetreibenden im Weinfelder Rathaus erzählte, liess manchen aufhorchen – doch das meiste dürfte ihnen nicht wirklich gefallen haben.

Billiger, vielfältig und attraktiv

Schlechte Nachrichten bekamen die Detaillisten gleich zu Beginn mitgeteilt – nämlich drei Gründe, warum Konstanz so beliebt bei den Schweizern Kunden ist. Nebst den oft billigeren Waren und der Tatsache, dass es im Ausland Produkte gibt, die in der Schweiz nicht erhältlich sind, zieht die Konzilsstadt alleine schon durch ihre attraktive Lage am Bodensee viele Menschen an, «die einfach mal einen schönen Ausflugstag verbringen wollen». Tatsächlich kaufen 27 Prozent aller Schweizer Einkaufstouristen in Konstanz ein. Auf den weiteren Plätzen liegen Waldshut-Tiengen und Weil am Rhein mit je 10 Prozent. Daran werde sich auch so schnell nichts ändern, so der Experte, zumal der Konstanzer Handel durchaus dazu bereit sei, vermehrt auf die Einkaufsbedürfnisse der Kunden einzugehen. «Wissen Sie, wann in Konstanz der grösste Umsatz gemacht wird? Wenn zwischen 20 und 22 Uhr eingekauft werden kann.» Zugenommen habe der Einkaufstourismus übrigens primär nicht wegen Geringverdienern und grossen Familien, sondern wegen den Senioren: «Diese haben Zeit und Geld, um gemütlich einkaufen gehen zu können», so Rudolph.

Events durchführen und Geschenke verteilen

Klar sei, dass Geschäfte auf der Schweizer Seite Schwierigkeiten hätten, die Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Doch chancenlos sei man keineswegs. Zwecks Kundenbindung empfahl Rudolph die Durchführung von Events und die Fokussierung auf eine fundierte, persönliche Beratung. «Seien Sie für ihre Kundinnen und Kunden Problemlöser. So können Sie sich gezielt vom Einkaufsmarkt absetzen.»

Auch das Verteilen kleiner Aufmerksamkeiten an die Kunden sei geeignet, die Leute an sich zu binden. Rudolph erklärt: «In unserer Kultur ist es ein tief verankertes Gefühl, dass man sich gedrängt fühlt, sich zu revanchieren, wenn man etwas von jemanden kriegt. Wenn man dem Kunden eine Rose schenkt, sagt er sich also: Hier kaufe ich das nächste Mal wieder ein.» Und schliesslich nütze oft ein Appell ans schlechte Gewissen. Dieser könne verklausuliert erfolgen – indem man die Kunden darauf hinweise, dass man jährlich eine gewisse Zahl an Lernenden ausbilde.

Der Onlinehandel könnte eine noch grössere Bedrohung für den hiesigen Detailhandel werden als der Einkauf hinter der Grenze – denn mittlerweile kaufen 37 Prozent aller Schweizer regelmässig per Mausklick ein. 23 Prozent davon tun dies am Wochenende, weil «am Samstag die Läden im Ausland übervoll sind». Wer jetzt jedoch daran denke, einen Internetshop einzurichten, um am Boom teilzuhaben, der müsse durchaus die Möglichkeit des Scheiterns in Betracht ziehen, denn die Konkurrenz eines Anbieters wie Amazon sei gewaltig. «Amazon bietet mehrere Hundert Millionen Produkte an. Man kann fast sagen: Was Amazon nicht hat, gibt es nicht», so Rudolph. Komme hinzu, dass Amazon die Waren oft günstig abgebe, denn der US-Multi rechne nicht wie ein klassischer Händler, der seine Waren zusammen mit einem Aufschlag weiterverkauft, sondern er mache seine Gewinne vor allem mit dem Verkauf der Kundendaten, die er durch die Einkäufe gewinne. (red)

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