«Einen Job zu haben macht glücklich»

1464 Teilnehmer verzeichnete die Stiftung Zukunft Thurgau letztes Jahr in ihren Arbeits- und Weiterbildungsprogrammen für Arbeitslose. 40 Prozent fanden anschliessend wieder eine Stelle. Etwas weniger als im Vorjahr.

Christian Kamm
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Guido Grütter präsidiert die Stiftung Zukunft Thurgau, die Stellensuchende coacht. (Archivbild: Nana do Carmo)

Guido Grütter präsidiert die Stiftung Zukunft Thurgau, die Stellensuchende coacht. (Archivbild: Nana do Carmo)

WEINFELDEN. «Wenn jemand einen Job hat, macht das glücklich», zitierte Geschäftsführer Marco Dörig Erkenntnisse aus der Sozialforschung. So gesehen habe die Stiftung Zukunft Thurgau (SZT) 2015 mit ihrer Tätigkeit hoffentlich 1464 Teilnehmer auf dem Weg zum Glück begleitet. Ein eigentliches Happy End gab es indessen lediglich für 40 Prozent: Sie kamen tatsächlich wieder im Arbeitsmarkt unter.

Ziel heisst 50 Prozent

Dies sei zwar eine gute Quote, heisst es im Jahresbericht der Stiftung. Sie liegt aber nicht nur leicht unter dem Vorjahr, sondern vor allem auch unterhalb der strategischen Zielsetzung von 50 Prozent, welche sich die SZT selber gesetzt hat. Den Rückgang führt Dörig auf die «anspruchsvolle Arbeitsmarktsituation» zurück. «Es hat immer mehr Leute, die auf Stellensuche sind», sagte Dörig gestern vor den Medien. Im vergangenen Dezember habe sich diese Zahl auf dem Niveau wie zu Zeiten der Finanzkrise bewegt. Heute sei es für alle Arbeitslosen schwierig, einen Job zu finden. Das spüre selbst, wer nur eine KV-Grundausbildung vorzuweisen habe. «Vor allem aber trifft es die niedrig Qualifizierten.» 39 Prozent der Teilnehmer an den Programmen der SZT sind denn auch An- und Ungelernte.

In Nischen erfolgreich

Trotz eines nicht einfachen Jahres gab es 2015 für die Verantwortlichen auch Highlights. Das neue Angebot facility-job gehört dazu. Dieses funktioniert als Kompetenzzentrum und Arbeitsintegration rund um den Hauswartberuf. «Es hat Zug drin in dieser Nische», so Dörig. Auch vom Programm «Ergänzungsleistung» verspricht man sich viel. Hier wird versucht, zum Beispiel IV-Bezüger wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Im Rahmen der Medienkonferenz gaben auch zwei Arbeitslose als Testimonials der Arbeit der Stiftung Zukunft quasi ein Gesicht. Nach siebenjähriger Tätigkeit in der Textilbranche, zuletzt im Designteam einer deutschen Firma, stand der 31jährige Fabio Melone auf der Strasse. Und nach der erfolglosen Stellensuche gab ihm dann die SZT eine Chance und setzte den entscheidenden Impuls für eine Neuorientierung. Als Praktikant konnte Melone eine modeaffine Teilnehmerin bei der Bewerbung für ein Preisausschreiben der Schweizerischen Textilfachschule coachen. Sie schaffte es unter die letzten zehn. Gleichzeitig baute Melone in dieser Win-win-Situation das Workshop-Angebot aus und eine Textilwerkstatt auf. Heute weiss er, dass er auch in der Vermittlungstätigkeit einiges zu bieten hat und es in seiner künftigen beruflichen Tätigkeit mit dem kreativen Element kombinieren will.

Kompetenzen behalten

Die 51jährige Marianne Heller gab Einblick in die Situation älterer Arbeitsloser. Seit eineinhalb Jahren sucht die erfahrene Kommunikations- und Marketingfrau mit einem Master in Communications Management nun schon eine Stelle. Und scheitert bei Bewerbungen regelmässig an ihrem Alter. Um nicht in ein Tief zu fallen und ihre Kompetenzen zu behalten, konnte Heller im Rahmen des Programms epro-Job ihr Know-how neun Monate einer Nonprofitorganisation zur Verfügung stellen. Eine neue Stelle hat sie aber immer noch nicht gefunden.

Die SZT wird seit eineinhalb Jahren von Guido Grütter präsidiert. Er habe schnell erkannt, dass die Stiftung eine sinnvolle Arbeit leiste und die Menschen ernst nehme. «Alle sind voll motiviert an der Arbeit», lobte Grütter.

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