Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Eine Welt zwischen Murg und Kino

Man könne sich hier schon daheim fühlen, sagt Filmemacher Friedrich Kappeler über Frauenfeld. Er nimmt einen mit auf einen Rundgang in seine Kindheit und Jugend, verrät dabei, was es mit seinen Besuchen in der Frauenbadi und den langen Filmnächten im Cinema Pax auf sich hat.
Mathias Frei
Als Bub in der Frauenbadi, heute Badiabo-Besitzer: Fritz Kappeler. (Bilder: Mathias Frei)

Als Bub in der Frauenbadi, heute Badiabo-Besitzer: Fritz Kappeler. (Bilder: Mathias Frei)

FRAUENFELD. «Es wäre keine Schreckensvorstellung, hier alt zu werden und zu sterben.» Das könnte in einem Film von Aki Kaurismäki gefallen sein, lakonisch, wie der finnische Filmemacher seine Figuren zeichnet. Gesagt hat das aber Fritz, eigentlich Friedrich, Kappeler über Frauenfeld. Im Cinema Luna, anfangs an der Bahnhofstrasse, heute am Bahnhof, hat Kappeler fast alle Kaurismäki-Filme gesehen. «Die Vorstellung, in einem Ort ohne Kino zu wohnen, geht nicht», sagt Filmemacher Kappeler. 66 Jahre alt ist er, «eigentlich wäre ich pensioniert».

Neben «Central» aufgewachsen

Im Jahr 1823 kaufte die Familie Kappeler das Areal in der Bleiche an der Murg. 171 Jahre später wurde der Gerbereibetrieb eingestellt. Fritz Kappeler wuchs im Wohnhaus an der Zürcherstrasse 139 auf, gegenüber des heutigen Schlossparks. Eine Hausnummer weiter, im 141, ging man im «Central» von Roli Marti ein und aus. Nach der Handelsmittelschule ging Kappeler auf Lehr- und Wanderjahre. Mittlerweile lebt er wieder seit 30 Jahren in Frauenfeld, und seit längerem in der Altstadt.

Ein Kino, einen Bahnhof, einen Bioladen, eine Bibliothek und eine Beiz: Das brauche er für den Anschein von Urbanität – und die Badi.

Mit Mutter in die Badi

Während Kappelers Vater die Gerberei führte, war seine Mutter Sportlehrerin an der Kanti. Kappeler hat einen Bruder und drei Schwestern. «Kaum konnten wir laufen, hat uns unsere Mutter in die Badi geschleppt.» Bis in die Primarschule durfte Fritz Kappeler sie in die Frauenbadi begleiten. Die Männerbadeanstalt lag dort, wo sich heute das Beachvolleyballfeld befindet. Das Wasser ist Kappeler lieb geblieben, einem Badiabo sei Dank. Mit dem Velo fährt er an die Murg, den Töff holt er für Fahrten an den Untersee hervor. «Töfffahren, das vergleiche ich immer mit Filmen, <motion> und <emotion> eben», sagt Kappeler.

Zurück zur Badi: Schon in seiner Kindheit gab es von hier aus einen Steg Richtung «Goldenes Kreuz». Aber das war noch ein schmales Stahlbrüggli: der schnellste Weg nach Hause.

Gerbi als Kinderspielplatz

Für den kleinen Buben Fritz war die Gerberei ein riesiger Spielplatz. An Wochenenden lud er jeweils Freunde zum Spielen ein – bis eines Tages ein Sicherheitsinspektor dem kindlichen Treiben ein Ende setzte. Danach war nur noch «Flössle» auf der Murg angesagt. «In der Gerberei waren Arbeiter aus dem Süddeutschen und aus Italien angestellt.» Vor allem die Italiener hatten den Plausch, wenn der kleine Fritz auftauchte, lachten mit ihm zusammen, dem «figlio del padrone». Eigentlich hätte der «figlio» die Gerbi übernehmen sollen. «Aber ich konnte und wollte nicht. Mein Vater war sehr enttäuscht.» Aber Fritz Kappeler reizte, seit er 14 war, die Welt des bewegten Bildes und des Geschichtenerzählens. Damals trat er dem Frauenfelder Amateurfilmclub bei. Präsident war kein Geringerer als Kurt Felix.

Für das 16mm-Filmmaterial seines ersten Films an der Kunsti in Zürich brauchte Kappeler Geld. Er verdiente es sich in den Semesterferien in der Gerberei. «Da kam ich auf die Welt. Denn es war eine harte, stinkende Arbeit.»

Winnetou und Nackedeis

Ohne Kino geht es für Fritz Kappeler nicht. Sicher einmal pro Woche geht er in eine Vorführung, oft ins Cinema Luna, ab und zu auch nach Winterthur oder ins Filmpodium nach Zürich, wo noch keine digitalisierten Filme laufen. Auch seinen allerersten Kinofilm hat er in Zürich gesehen, «einen Winnetou, mit meinem Vater». Das Verfahren der «Amerikanischen Nacht», bei dem Nachtszenen bei Tag gedreht werden, fand er damals faszinierend. Nicht Nacht-, sondern Nacktszenen reizten später, im Schlosskino Ingmar-Bergman-Filme anzusehen. «Bergmans Filme waren vielerorts verboten worden. In Frauenfeld liefen sie nur bei Brüni im Schlosskino.»

Vor dem letzten Film gegangen

Als Kantischüler durfte Kappeler mit seinen Freunden vom Kantifilmclub einmal eine Saison lang das Programm des Cinema Scala an der Grabenstrasse bestimmen. «Unsere Filme liefen im Vorprogramm, zwischen 18 und 20 Uhr.» Prägender war für Kappeler aber das Cinema Pax. Im Sommer 2004 flimmerte dort der letzte Film über die Leinwand. Im Pax veranstalten die Frauenfelder Filmfreundinnen (FFF) 1988 die erste Filmnacht, von 18 bis 6 Uhr morgens. Viele weitere folgten. Er sei zwar selten bis zum letzten Film geblieben. Kappeler aber gehörte zu den FFF-Gründern, wirkte einige Jahre im Vorstand mit.

Teppiche im Cinema Luna

Und dann kam das Luna. 1994 bauten die Filmfreundinnen einen Coiffeursalon an der Bahnhofstrasse in ein Kino um. «Wahrscheinlich habe ich damals geholfen, die Teppiche reinzumachen.» Ohne das Luna, seit 2011 im Neubau hinter dem Bahnhof daheim, ginge es für Kappeler heute nicht.

Der bekannte Schweizer Schriftsteller Gerhard Meier, der von Kappeler zweimal filmisch porträtiert wurde, bezeichnete sich selber als «Provinzler, der aber immer nur die Welt in die Provinz holen wollte». Kappeler ist Meier nicht unähnlich. «Irgendwie passe ich wohl hierher. Denn hier kann man sich schon daheim fühlen», sagt er.

So sieht die Gerberei Kappeler heute Richtung Murg aus.

So sieht die Gerberei Kappeler heute Richtung Murg aus.

Ohne Kino geht es für Kappeler nicht: Das Cinema Luna.

Ohne Kino geht es für Kappeler nicht: Das Cinema Luna.

Die Murg als Spielplatz: Hier wasserte Kappeler früher Flosse ein.

Die Murg als Spielplatz: Hier wasserte Kappeler früher Flosse ein.

Früher lange Filmnächte, geblieben ist nur der Schriftzug: Cinema Pax.

Früher lange Filmnächte, geblieben ist nur der Schriftzug: Cinema Pax.

Bild: MATHIAS FREI

Bild: MATHIAS FREI

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.