Eine Viertelmillion für Kinder

Mit über 250 000 Franken hat das Kinder- und Jugendhilfswerk Rokj der Rotary-Clubs im Kanton in den letzten drei Jahren Thurgauer Kinder aus armen Verhältnissen unterstützt. Die Clubs wollen das Werk nun fortführen.

Christof Widmer
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«Rokj ist eine Erfolgsgeschichte»: Ernst Kugler, Toni Schönenberger und Caroline Hofmann. (Bild: Reto Martin)

«Rokj ist eine Erfolgsgeschichte»: Ernst Kugler, Toni Schönenberger und Caroline Hofmann. (Bild: Reto Martin)

ERMATINGEN. Ein eigenes Velo fahren, Klavierstunden nehmen, ins Sportlager mitgehen oder Nachhilfeunterricht besuchen – all das ist auch im Thurgau nicht für alle Kinder und Jugendliche eine Selbstverständlichkeit. Von 6000 unter 18jährigen Thurgauerinnen und Thurgauern, die in Armut leben, geht Toni Schönenberger aus. Er ist Initiant des Projekts Rokj (Rotary unterstützt Kinder und Jugendliche). Die elf Thurgauer Rotary- und Inner-Wheel-Clubs haben das Projekt vor drei Jahren lanciert und nun beschlossen, es für weitere drei Jahre fortzuführen.

Die Bilanz ist eindrücklich: 403 Unterstützungsgesuche aus der Region hat Rokj seit Bestehen bewilligt und dafür 258 000 Franken gesprochen. Trotz dieser Zahlen gibt es noch viel zu tun. «Wir haben 7 Prozent derjenigen erreicht, die eigentlich unterstützt werden könnten», sagte Schönenberger gestern vor den Medien.

Oft wenige hundert Franken

Bei den meisten Gesuchen handelt es sich um Beiträge an Schullager, Nachhilfeunterricht, Sportaktivitäten und Musikunterricht. Für Familien am Existenzminimum lägen Ausgaben für solche Dinge nicht drin, sagte Schönenberger. Dabei sind es meist nur einige hundert Franken, die Rokj pro Gesuch spricht. Sie machen es aber möglich, dass Eltern ihrem Kind zum Beispiel die Ausrüstung fürs Sportlager kaufen können – und das Kind nicht abseits stehen muss.

Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in die Gesellschaft zu integrieren, ist denn auch das Ziel von Rokj. Damit besetzt das Rotary-Projekt eine Nische, die von den Sozialämtern und Hilfswerken nicht abgedeckt wird. «Wir wollen bestehende Strukturen ergänzen», sagte Schönenberger. Beiträge gab es auch an Therapien oder Zahnbehandlungen. In einem Fall hat Rokj sogar ein Bett finanziert, weil Eltern aus Geldnot eines ihrer Kinder bei sich im Ehebett schlafen lassen mussten.

Auch Hilfe bei Lehrstellensuche

Bei Geldbeträgen allein muss es nicht bleiben. Teil des Rokj-Projekts sei auch Mentoring, sagte Ernst Kugler vom Rotary Club Oberer Bodensee. Die Rotarier helfen einem benachteiligten Jugendlichen bei der Lehrstellensuche, organisieren Nachhilfe oder in schwierigeren Fällen sogar ein Time-out von der Schule. Je früher jungen Leuten geholfen werde, desto eher kämen sie dann in der Gesellschaft zurecht, sagte Kugler.

Laut Rokj-Koordinatorin Caroline Hofmann sind es meist soziale Institutionen, die die Gesuche einreichen. Von Anfang an hat sich das Rotary-Projekt mit Sozialämtern und Hilfswerken vernetzt. Ihre Vertreter begutachten zusammen mit Rotariern auch die einzelnen Gesuche.

Auch Vettel unterstützt Rokj

Auch weiterhin rechnen die Rokj-Verantwortlichen mit einem Jahresbudget von 100 000 Franken. Die Hälfte stammt von den elf Clubs, die andere Hälfte aus Benefiz-Veranstaltungen und Spenden. So hat auch Formel-1-Star Sebastian Vettel zum wiederholten Mal namhafte Summen gespendet, war gestern zu erfahren.

www.rokj.ch