Eine tierische Investition

Ein Investment mit einer garantierten Rendite, sicher, ökologisch und transparent. Guido Leutenegger, ehemaliger Stadtrat von Kreuzlingen, bietet das im Tessin an. Und zwar mit seiner Idee des Kuhinvestments. Bereits 22 Thurgauerinnen und Thurgauer haben Urkunden gezeichnet.

Stefan Borkert
Merken
Drucken
Teilen
Beweidungsprojekt: Vom Centovalli bis zum Val Colla beweiden gut 400 Schottische Hochlandrinder rund 2500 Hektaren Alpfläche. (Bild: Natur Konkret)

Beweidungsprojekt: Vom Centovalli bis zum Val Colla beweiden gut 400 Schottische Hochlandrinder rund 2500 Hektaren Alpfläche. (Bild: Natur Konkret)

Kreuzlingen. Zurück bleibt ein Hauch von Pommes-Bude. Soeben ist Guido Leutenegger wieder aufgebrochen zur Fahrt in den Süden, ins Tessin. Der Motor des Geländewagens wurde so umgerüstet, dass er mit gebrauchtem Speiseöl fahren kann. Ein Restaurant, das er mit Hochlandrindfleisch beliefert, wirbt damit, dass der Fleischlieferant mit ihrem Speiseöl fährt. Für Ökologie und Naturschutz hat sich Guido Leutenegger schon immer eingesetzt. Wer ihn kennt, der weiss, dass er stets neue Einfälle hat. Und so ein Geistesblitz ist auch das Kuhinvestment.

Erste Versuche 1997

Der ehemalige Stadtrat von Kreuzlingen hat vor 13 Jahren angefangen, in Avegno im Tessin einen Bauernhof mit Schottischen Hochlandrindern aufzubauen. Der inzwischen 16 Jahre alte Stier Augustus war der «Begründer» der Herde. Eingesetzt werden die Tiere in erster Linie zur Landschaftspflege. Die Fleischproduktion ist eher ein Nebenzweig. Auf 2500 Hektaren Bergweiden stehen mittlerweile gut 400 Hochlandrinder. 25 Gemeinden sind beteiligt. Das Gebiet reicht vom Centovalli bis zum Val Colla.

Die Alpweiden waren teils ein Vierteljahrhundert nicht bewirtschaftet. Flächendeckende Verbuschung und Verwaldung bedrohten die offenen Alpweiden. Mit den Hochlandrindern wird dem gegengesteuert.

Guido Leutenegger ist ein Kommunikationstyp. Und das muss man beim Kuhinvestment auch sein. Carl Brandenburger, verantwortlich für den Gutsbetrieb des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Plantahof, Landquart äussert sich gegenüber dem «Bündner Anzeiger» positiv zum Kuhinvestment.

Allerdings sagt er auch, dass solche Ideen nur für Menschen geeignet seien, die Freude am intensiven Kundenkontakt hätten und den administrativen Aufwand nicht scheuten.

Der Kuhhandel

Schon vor drei Jahren habe er die Idee lanciert, sagt Leutenegger. Damals sei das Interesse verschwindend gering gewesen. Mit einem Inserat in der überregionalen Presse im März änderte sich das. Der Titel «Eine Aktie namens Lotti» zog, und der Kuhhandel floriert seither. Ende Mai werde er eine Pause einlegen.

Vielleicht im Herbst noch einmal eine Aktion starten, sagt Leutenegger. Immerhin mehr als 100 Kuhinvestments wurden schon getätigt. Ein Viertel der Urkunden geht in den Thurgau. Und das funktioniert so: Der Anleger investiert in eine Kuh 2500 Franken. Dafür bekommt er garantiert zehn Jahre lang Fleisch im Wert von 350 Franken geliefert. Das ergibt also eine ansehnliche Rendite.

Der Vorteil für ihn sei eine hohe Planungssicherheit, gute Kundenbindung und ein nicht zu unterschätzender Werbeeffekt. Leutenegger betont weiter, dass die Investoren damit auch einen Beitrag zum Naturschutz leisten. Sein Hof wird ökologisch bewirtschaftet. Neben Privatpersonen beliefert er auch Restaurants in der Umgebung. Von der Haltung über die Schlachtung bis zur Verteilung, alles geschieht bei Natur Konkret, seiner Firma in Avegno, die auch noch in Kreuzlingen beheimatet ist.

Die extrem robusten Hochlandrinder verbringen gut sieben Monate auf der Alpweide und sind auch im Winter draussen. Die Investoren leisten weiter einen Beitrag zur Nachhaltigkeit einer intakten Natur, so Leutenegger. Man könne seine Investment-Kuh auch besuchen kommen. Auf der Investmenturkunde würden Name und Zuchtnummer notiert.

Den Thurgau besucht er übrigens regelmässig. Noch immer hilft Leutenegger bei der Umsetzung der Massnahmen in den Thurgauer Amphibien-Schutzgebieten von nationaler Bedeutung.

Die Urkunde für den Investor. (Bild: Stefan Borkert)

Die Urkunde für den Investor. (Bild: Stefan Borkert)