Eine Steckbornerin reist in die weite Welt

FRAUENFELD. Eine Sondermarke der Pro Patria zeigt die Steckborner Goldscheibenfibel. Seit langem ziert damit wieder ein Thurgauer Sujet eine Briefmarke. Der Kleiderschmuck aus dem Frühmittelalter bekommt deshalb im Museum für Archäologie eine Sonderausstellung.

Silvan Meile
Drucken
Teilen
Die Steckborner Goldscheibenfibel ist zusammen mit den Briefmarken im Thurgauer Museum für Archäologie ausgestellt. (Bild: Reto Martin)

Die Steckborner Goldscheibenfibel ist zusammen mit den Briefmarken im Thurgauer Museum für Archäologie ausgestellt. (Bild: Reto Martin)

FRAUENFELD. Seit gestern ziert ein Sujet aus Steckborn eine Schweizer Briefmarke. Das gab es schon lange nicht mehr. «Die Schlösser Hagenwil und Frauenfeld waren meines Wissen in den 1980er-Jahren die letzten Motive aus dem Thurgau, die eine Briefmarke schmückten», sagt Kantonsarchäologe Urs Leuzinger. Er kennt sich aus, weil er selber «ein alter Briefmarkensammler» sei.

Deshalb freut sich Leuzinger doppelt, dass nun eine Thurgauer Briefmarke, die erst noch einen archäologischen Gegenstand abbildet, den Weg in jeden Briefkasten der Welt finden kann. Gestern stellte er im Thurgauer Museum für Archäologie die neue Briefmarke mit dem aufgedrucktem Wert von einem Franken und der Bezeichnung Steckborn vor. Dafür fanden sich Briefmarkensammler, Museumsfreunde, Pöstler, Steckborner, Archäologen und Mitglieder der Stiftung Pro Patria im Museum in Frauenfeld ein.

In Grab aus Frühmittelalter

Die Sondermarke gehört zu einer Serie der Stiftung Pro Patria. Die daraus erzielten Erträge werden in lokale Museen fliessen. Auf der Marke ist ein Schmuckstück aus dem frühen Mittelalter abgebildet: die Goldscheibenfibel aus dem siebten Jahrhundert. Mit ihr verschlossen Frauen ihre Mäntel. Wahrscheinlich schloss diese goldene Scheibenfibel einer einflussreichen Dame den letzten Mantel, für mehr als tausend Jahre. Bis Anfang des 20. Jahrhundert der Steckborner Johannes Baptist Traber beim Bau eines Hauses auf ein frühmittelalterliches Grab stiess und so diesen aussergewöhnlichen Fund entdeckte. «Vergleichbare Stücke gibt es nur eine Handvoll in der ganzen Schweiz», sagt Kantonsarchäologe Leuzinger. Jedes sei ein Unikat und zeuge vom grossen handwerklichen und künstlerischen Können der damaligen Goldschmiede.

Ein unbezahlbarer Zeuge

Im dritten Stock des Museums hat die Briefmarke neben der Goldscheibenfibel einen eigenen Raum erhalten. Leuzinger nennt diesen «Le Trésor». Mitten im kleinen Zimmer steht die Vitrine mit den neuen Briefmarken und dem 6,5 Zentimeter grossen Archäologiefund, welcher auf der Briefmarke abgebildet ist.

Noch bis zum 14. Juni läuft diese kleine Sonderausstellung im Museum für Archäologie des Kantons in Frauenfeld Danach hat die Goldscheibenfibel dann wieder einen Platz in Steckborn, im Museum im Turmhof. Für das neue Ausstellungsobjekt müssen dort bis dahin die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden. «Für die Wissenschaft ist dieser Zeuge aus dem Frühmittelalter unbezahlbar», sagt Leuzinger. Für alle Fälle stellte das Amt für Archäologie einen 3D-Scan und eine Kopie an. Der entsprechende Entstehungsprozess ist dokumentiert und an der Sonderausstellung ebenfalls zu sehen.

«Das ist eine kleine, aber spektakuläre Inszenierung», sagte der Westschweizer David Vuillaume, Generalsekretär des Verbandes der Museen der Schweiz, an der gestrigen Vernissage in Frauenfeld. Einen weiten Anreiseweg hatte auch der Produktdesigner Vito Noto aus Lugano. Er gestaltete die Briefmarke und liess sich den Besuch der Vernissage dieser Sonderausstellung nicht nehmen. «Auf zu neuen Marken», verkündete er.

Die Steckborner Goldscheibenfibel ist bis zum 14. Juni im Museum für Archäologie Thurgau in Frauenfeld und ab dem 20. Juni im Museum Turmhof in Steckborn zu sehen.

Aktuelle Nachrichten