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Eine Schüür mit Flügel

Lange stand die Scheune im Hüttwiler Hagschnurer leer – bis ihre neuen Besitzer Barbara und Daniel Bauer dort Hochzeit feierten. Nun wollen sie den alten Bau für spezielle Events nutzen, etwa für ein Klassikkonzert – wie heute abend.
Mathias Frei
Bei der Probe gestern in der Hagschnurer Schüür: Omer Kobiljak (Tenor), Emanuel Vogel am Klavier und die Sopranistin Sarah Kollé. (Bild: Andrea Stalder)

Bei der Probe gestern in der Hagschnurer Schüür: Omer Kobiljak (Tenor), Emanuel Vogel am Klavier und die Sopranistin Sarah Kollé. (Bild: Andrea Stalder)

HÜTTWILEN. Neben Heubläser und Pflug steht ein Konzertflügel. Emanuel Vogel spielt, Tenor Omer Kobiljak und die Sopranistin Sarah Kollé stehen davor. Gestern haben die drei begabten klassischen Musiker dort geprobt, wo sie heute konzertieren: in der wunderbar rustikalen Hagschnurer Schüür von Barbara und Daniel Bauer (siehe Kasten). Genau solche spezielle Events wie «Musik ver-rückt» sollen, wenn es nach Bauers geht, zukünftig in der 78 Jahre alten Scheune stattfinden. Für Barbara und Daniel Bauer ist es ein Versuch. Sie kommen nicht aus der Gastronomie oder dem Eventmanagement. Aber seit das Paar den Bauernhof vor anderthalb Jahren von Daniel Bauers Grosseltern übernehmen konnte, stand für sie fest: Aus dieser 200 Quadratmeter grossen Schüür «muss etwas werden».

Putzen dauerte eine Woche

Milchkühe gibt es schon seit 1992 nicht mehr auf dem Betrieb. Die Schüür war zur Hälfte Abstellkammer, zur Hälfte Heustock. Dann beschlossen Barbara und Daniel Bauer, dass sie in dieser Scheune ihre Hochzeit feiern wollten. Das war vor zwei Jahren. Eine Woche hätten sie damals geputzt, erzählt Daniel Bauer. Und er fand dabei auch die verschollene Katze seiner Grosseltern. «Bärli» hatte sich offenbar irgendwann in den 1990er-Jahren zum Sterben in den Heu-Lüftungskanal gelegt.

«Schon an unserem Hochzeitsfest bekamen wir viele Komplimente für die schön geschmückte Schüür», erzählt Barbara Bauer. Die offiziell erste Veranstaltung wagten die Bauers dann vergangenen Dezember. Sie luden an drei Wochenenden zum Adventscafé in den Rossstall unter der Schüür. Viele Leute aus dem Dorf kamen, blieben sitzen und hatten es lustig.

Blütenzauber im Frühling

Diesen Frühling folgte in der Schüür die viertägige Blütenzauber-Ausstellung. Dafür arbeiteten Bauers mit dem Blumenladen Blumengraben aus Frauenfeld zusammen. «Erstmals kamen auch viele Besucher von ausserhalb der Gemeinde», sagt Barbara Bauer. Und dann kam die Anfrage der Musikhochschule Kalaidos – auf Vermittlung von Hüttwilens Gemeindepräsident Hanspeter Zehnder.

«Wir würden aber nicht alles in unserer Schüür veranstalten», sagt Daniel Bauer. Der Event müsse aussergewöhnlich sein und zugleich in einen Dialog treten mit dem Ort. Natürlich gehöre da auch die Bewirtung mit regionalen Produkten dazu – vom Hüttwiler Wein über das Fleisch aus dem Dorf bis zum eigenen Most. «Alles andere passt nicht in diese Schüür», sagt Daniel Bauer, der in Frauenfeld Bereichsleiter Standortförderung ist und in Hüttwilen im Gemeinderat. Seine Frau ist Seklehrerin und macht derzeit eine landwirtschaftliche Ausbildung.

Dieses Jahr wollen sie nun schauen, ob ein solcher Eventort am bislang eher ruhigen Hagschnurer funktioniert. So müssten die Nachbarn mit dem Eventbetrieb einverstanden sein, das Publikum müsse kommen. «Wenn wir sehen, dass es klappt, machen wir es richtig», sagt Daniel Bauer. Denn derzeit ist alles noch recht provisorisch, sei es das WC in ihrer Wohnung oder auch die Gastroeinrichtung. Die Schüür soll isoliert werden, und eine Fensterfront mit Blick auf die Churfirsten soll her.

Zum Heiraten gemacht

Gemeindepräsident Zehnder ist schon jetzt Fan der Hagschnurer Schüür. «Als Landgemeinde müssen wir schauen, dass wir nicht zur Schlafgemeinde werden. Solche Impulse für das Leben im Dorf sind wichtig und gut.» Und vielleicht heiraten dann alle Hüttwiler im Hagschnurer – wie früher im Bürgersäli der «Sonne».

www.hagschnurer.ch

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