Eine Ruine ist's geblieben

UERSCHHAUSEN. Die Sanierung der Ruine Helfenberg südlich des Hüttwilersees ist abgeschlossen. Brüchige Mauern gehören der Vergangenheit an. Auf die kleinen und grossen Ritter und Burgfräuleins wartet nun wieder ein sicherer Abenteuerspielplatz.

Beat W. Hollenstein
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Die Bauherrschaft: Hüttwilens Gemeindeammann Heinz Geisser und Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe.

Die Bauherrschaft: Hüttwilens Gemeindeammann Heinz Geisser und Hansjörg Brem, Kantonsarchäologe.

Die Ruine Helfenberg steht auf einer markanten Kuppe, die sich rund 15 Meter über den Seespiegel des Hüttwilersees erhebt. Damit bildet die ehemalige mittelalterliche Burg eine typische Landmarke, die Menschen magisch anzieht. Vor allem im Sommer kommen die Besucher in Scharen; jede Woche sind's mehrere hundert. Darunter Familien mit Kind und Kegel, viele Schulklassen, Jugendliche, die, mit einem Sixpack Bier ausgerüstet, abhängen wollen, und bisweilen sogar Hochzeitsgesellschaften.

«Die Beliebtheit der Anlage, aber auch mutwillige Beschädigungen bedingen einen ständigen Unterhalt», sagte der Kantonsarchäologe Hansjörg Brem anlässlich einer kleinen Feier zum Abschluss der Restaurierungsarbeiten und zur Saisoneröffnung. Die Ruine soll so sicher sein, dass sie für alle zugänglich bleibt – in erster Linie als romantische Spielumgebung für Kinder und Erwachsene.

Für einen Franken an Kanton

Die Burganlage stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Herrschaft Helfenberg war ein Lehen der Abtei St. Gallen und anfänglich im Besitz der Ritter von Schwand-egg. Dank des früher sumpfigen Riedlandes am Fusse des Hügels dürfte die Burg gut zu verteidigen gewesen sein. Was indes nur für eine relativ kurze Zeitspanne von Bedeutung war: Denn bereits ab 1413 ist in den Chroniken nur noch von einem Burgstall die Rede. Dies lässt darauf schliessen, dass die Anlage damals nicht mehr oder nur noch eingeschränkt bewohnbar war.

Am 7. April 1978 übernahm der Kanton Thurgau die Ruine von den letzten Besitzerinnen – für einen symbolischen Franken. Es war alt Kantonsarchäologe Jost Bürgi, der den beiden Verkäuferinnen, Marguerite Bridel-Fehr, damals bereits 94 Jahre alt, und Yvonne Mariette Lombard-Fehr, höchstpersönlich je ein Fünfzigräppler in die Hand drückte.

Zu jener Zeit war die Anlage vollständig mit Haselnussstauden überwachsen, wie sich Jost Bürgi erinnerte. Die Folgekosten waren jedenfalls um ein Vielfaches höher als der Kaufpreis. Das kam laut Bürgis Nachfolger alt Kantonsarchäologie, Hansjörg Brem, nicht überraschend: «Es ist wie beim Kauf eines Occasionsautos: Je weniger es kostet, desto höher fallen die Reparaturkosten aus.»

Ruine soll Ruine bleiben

Ein Haus ohne Dach fällt irgendwann in sich zusammen, da ist die Ruine Helfenberg keine Ausnahme. «Wenn's regnet und gefriert, brechen die Steine weg», sagte Brem. Doch wie weitgehend soll eine Ruine saniert werden? Es sei bei solchen Objekten immer eine Gratwanderung, wie viel man machen wolle. Für ihn ist klar: Eine Ruine soll eine Ruine bleiben. «Der Unterhalt soll nur die Substanz erhalten.»

Doch auch der Mensch setzte der Ruine zu. Recycling ist zwar ein moderner Begriff. Die Wiederverwertung war aber auch unseren Vorfahren keineswegs fremd: Die Ruine wurde als Steinbruch verwendet, und viele der Steine dürften sich in den umliegenden Bauernhäusern verbaut wiederfinden. Alte Hüttwiler erinnern sich überdies, dass die Artillerie die Anlage in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg übungshalber unter Beschuss nahm.

Ruinen-Open-Air im August

Nachdem seit den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts das kantonale Amt für Archäologie immer wieder Sanierungsarbeiten durchgeführt hatte, wurde im letzten Jahr abschliessend auch die zehn Meter hoch aufragende Westwand instand gesetzt. Die Kosten dieser Etappe belaufen sich auf 123 000 Franken, wobei sich die Gemeinde Hüttwilen mit 25 000 Franken beteiligte; das restliche Geld stammt aus dem kantonalen Natur- und Heimatschutzfonds. Insgesamt ist rund eine Viertelmillion verbaut worden.

Damit ist laut Brem ein 30jähriger Sanierungszyklus abgeschlossen. Die Ruine soll nun so sicher sein, dass der Zugang für die Öffentlichkeit gewährleistet bleibt. Aber nach der Sanierung ist vor der Sanierung. «Wenn man den kleinen Unterhalt macht, kommt's schliesslich günstiger, als wenn man zuwartet, bis grössere Brocken fällig werden.»

Als nächster grosser Anlass findet am 19. und 20. August das 10. Ruinen-Open-Air statt.

In einer letzten Etappe ist die zehn Meter hoch aufragende Westwand saniert worden. (Bilder: Nana do Carmo)

In einer letzten Etappe ist die zehn Meter hoch aufragende Westwand saniert worden. (Bilder: Nana do Carmo)