Eine Planung für 15 Jahre

FRAUENFELD. Frauenfeld, Felben-Wellhausen und Gachnang verzichten im gemeinsamen Richtplan auf die strategische Arbeitsplatzzone Islikon, denn die Grundeigentümer wollen weiterhin Landwirtschaft betreiben.

Thomas Wunderlin
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Beim Kreisel Messenriet soll das eine Ende des Westtunnels hinkommen; die Plazierung des anderen Endes ist noch nicht so genau definiert. (Bild: Nana do Carmo)

Beim Kreisel Messenriet soll das eine Ende des Westtunnels hinkommen; die Plazierung des anderen Endes ist noch nicht so genau definiert. (Bild: Nana do Carmo)

Die Regierungen von Frauenfeld, Felben-Wellhausen und Gachnang sind sich darüber einig, wie sich die Siedlung und der Verkehr in der Agglomeration Frauenfeld in den nächsten 15 Jahren entwickeln sollen. Am 28. Juni haben der Stadtrat und beide Gemeinderäte den gemeinsam erarbeiteten Richtplan verabschiedet. Damit er behördenverbindlich wird, fehlt noch die Genehmigung durch den Regierungsrat. Aufgrund der Vorprüfung sei nicht mit substanziellen Änderungen zu rechnen, sagte gestern der Frauenfelder Stadtrat Urs Müller an einer Medienkonferenz im Rathaus Frauenfeld.

Problem für Planer

Offen ist, wie weit sich andere politische Instanzen wie der Souverän daran halten werden. Auch Privatpersonen pflegen sich ungeplant zu verhalten. Ein solcher Fall ist bereits bei der Vernehmlassung eingetreten. Auf die strategische Arbeitsplatzzone Islikon wird verzichtet, da die Isliker Bauern den Boden nicht hergeben wollen – auf jeden Fall nicht in den nächsten 15 Jahren. Mit einer aktiven Bodenpolitik an andern Orten will man sich dafür auf Anfragen arbeitsplatzintensiver Firmen vorbereiten. 4000 bis 5000 zusätzliche Arbeitsplätze sollen bis 2030 in der «Stadtregion Frauenfeld» entstehen. Ausserdem rechnet man mit zusätzlichen 3000 Einwohnern. Um Wohn- und Arbeitsplätze unterzubringen, setzen die Behörden auf innere Verdichtung. «Die Siedlung kann sich nicht weiter in die Landschaft fressen», sagte Stadtrat Müller. Man könne nicht mehr bei jeder Richtplanrevision einen «neuen Jahrring» ansetzen. Weiterhin möglich ist laut Stadtrat Müller ein «kontrolliertes Wachstum am Rand». Bauland soll nur auf der Basis privatrechtlicher Verträge eingezont werden. Die Grundeigentümer müssen sich verpflichten, das Land nicht zu horten.

In der öffentlichen Mitwirkung sind 35 Eingaben mit über 100 Stellungnahmen, Kommentaren und Anträgen eingegangen. Zu den Änderungen, die daraus folgten, zählen unter anderem:

• Das Siedlungsgebiet wird gegen aussen sichtbar markiert – mit Bäumen, Hecken, Fusswegen oder Bächen.

• Auf tangentiale Fuss- und Veloverbindungen wird verzichtet, dafür ein zusätzlicher Nord-Süd-Veloweg geplant.

• Eine Doppelspurinsel im Lüdem soll den Viertelstundentakt der Frauenfeld-Wil-Bahn ermöglichen.

• Das Ostportal des Westumfahrungstunnels wird nach Süden verschoben, wie von den Walzmühle-Besitzern gefordert. Dies empfehlen auch die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege und die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission. Der genaue Standort wird in der Detailplanung festgelegt.

Ganze Stadt entlasten

Bei der Verkehrsentlastung der Stadt hat laut Stadtrat Müller «ein Wechsel der Philosophie» stattgefunden. Das 2007 abgelehnte Projekt F 21 habe sich auf die Entlastung des Rathausplatzes konzentriert. «Jetzt wollen wir das ganze Stadtgebiet entlasten.» Über die 200 Millionen Franken teure Westumfahrung soll das Frauenfelder Volk bis 2015 abstimmen. Ein Nein würde laut Stadtrat Müller den Richtplan nicht als Ganzes in Frage stellen.

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