Eine Orgel von der Stange

MAMMERN. Die Orgel in der katholischen Kirche St. Blasius in Mammern wird saniert. Die romantische Disposition der 92 Jahre alten Orgel bleibt erhalten.

Margrith Pfister-Kübler
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Feines Gespür für den Charakter der 92 Jahre alten Orgel und jedes Detail zeigt Orgelbauer Hermann Weber. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Feines Gespür für den Charakter der 92 Jahre alten Orgel und jedes Detail zeigt Orgelbauer Hermann Weber. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Mammern. «Das ist eine Orgel von der Stange.» Diese Ansicht vertritt Orgelbauer Hermann Weber. Er revidiert zurzeit die romantische, 1919 erbaute Orgel in Mammern. Kirchenpräsident Engelbert Dähler hat die Geschichte der Orgel präsent: «Die letzte Revision fand im Jahr 1992 statt. In den Jahren 1964 bis 1967 wurde ein entscheidender Umbau der Orgel vorgenommen.» Seitdem spielt die Orgel elektrisch und nicht mehr pneumatisch.

Die Rückführung zum Originalzustand der Orgel fand keine Mehrheit in der Kirchenbehörde. «Die Orgel hat kulturgeschichtlich vor allem einen Wert für die Kirchbürger von Mammern. Im grösseren Kontext betrachtet ist diese Orgel keine Rarität», sagt Dähler. Für die Sanierung wurden rund 40 000 Franken veranschlagt.

Elektrik ist der Schwachpunkt

Die Sanierung des 16 Register umfassenden Instruments umfasst die Reinigung der gesamten Orgel, die Instandsetzung der Windanlage, des Pfeifenwerks, der Spielanlage, der elektrischen Spielanlage und deren Bauteile. Die Elektrik bildet heute den Schwachpunkt des Instruments, und aus Gründen der stilistischen Einheit wurde eine Rückführung auf den pneumatischen Originalzustand diskutiert. «Die Orgel hätte eine denkmalpflegerische Sanierung verdient», heisst es im Buch «Klangräume, Kirche und Orgeln im Thurgau» von Angelus Hux und Alexander Troehler. Doch daraus wurde nichts, denn das hätte rund 200 000 Franken gekostet. Es bleibt daher bei den elektrischen Trakturen, bei denen Magnete die Spielventile öffnen und schliessen. Ausserdem reagiert Elektrik weniger auf Luftfeuchtigkeit, ein Problem in der Kirche St. Blasius.

Die Orgel ist ein Schnäppchen

Die Geschichte der Orgel führt in die Zeit vom Ende des Ersten Weltkrieges. Ursprünglich war diese Orgel gar nicht für Mammern gedacht. «Erste Kontakte zur Erstellerfirma gehen auf das Jahr 1913 zurück», ist im Buch «Klangräume» nachzulesen. Gemäss Korrespondenz war die Orgel zwar gebaut, aber des Krieges wegen nie ausgeliefert worden. Die Orgel gab es deshalb 1919 günstig zu erwerben.

Im Juli 1964 wurde mit Georges Schamberger ein Vertrag für einen Umbau abgeschlossen. Die Arbeiten zogen sich hin. Nach einem Urteil des Friedensrichteramtes Uster war Schamberger gehalten, die Arbeiten bis Ostern 1967 abzuschliessen. Doch erst nach Ostern stellte er Register um, schnitt einzelne ab und pflanzte auch Fremdpfeifen ein. «Die Orgel hatte früher fünf Meter lange Pfeifen, Bässe, jetzt sind sie nur noch 2,20 Meter lang», sagt Orgelbauer Hermann Weber, der den Umbau 1967 als gravierend einstuft. Als Orgelbauer träume er von einer Totalrestauration, aber der Gottesdienstbesucher merke kaum einen Unterschied zwischen pneumatisch und elektrisch.

Im Gottesdienst vom 4. September wird die sanierte Orgel wieder eingeweiht.

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