Eine Odyssee der Lärmbelastung

FRAUENFELD. Seit 19 Jahren plagt die Ammanns und andere Anwohner in Frauenfeld-West der nächtliche Lärm durch die nahen Eisenbahn-Rangierarbeiten. Schutzmassnahmen lassen auf sich warten, obwohl die Stadt das Problem kennt.

Mathias Frei
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Ein Personenzug braust die Wannenfeldstrasse entlang. Fritz Ammann und seine Frau werden aber vor allem vom Güterzug-Lärm geplagt. (Bild: Reto Martin)

Ein Personenzug braust die Wannenfeldstrasse entlang. Fritz Ammann und seine Frau werden aber vor allem vom Güterzug-Lärm geplagt. (Bild: Reto Martin)

Die nächsten knapp drei Monate werden für das Ehepaar Ammann wieder zur Tortur. Sie wohnen im Wannenfeld an der Tannenstrasse. 200 Meter nördlich liegt die Freiverlade-Anlage der SBB, wo vor allem Güterzüge rangiert werden – und seit kurzem wieder die Rübentransporte auf der Schiene eintreffen. Denn Mitte September hat die Kampagne der Zuckerfabrik begonnen.

Es wird laut, wenn die alten Waggons abbremsen, wenn sie aneinander gekoppelt werden, wenn die Diesellokomotiven anfahren. Das Lärmproblem spitzt sich während der Zuckerfabrik-Kampagne zu, aber es besteht das ganze Jahr. Die Stadt weiss schon seit acht Jahren über diesen Umstand Bescheid. Aber passiert ist bisher noch nichts. «Wir fühlen uns nicht mehr ernst genommen», sagen die Ammanns.

«Sind nicht gegen Zuckerfabrik»

Fritz Ammann ist selber Maschineningenieur. Er weiss, dass es in der Industrie auch lärmintensiv zu und her gehen kann. «Wir haben gar nichts gegen die Zuckerfabrik oder die Rangierarbeiten der SBB», stellt Ammann fest. «Wir verlangen einfach einen Lärmschutz.» Dieser Lärm entstehe auf Höhe der Räder, also auf verhältnismässig kleiner Höhe. Das lichte Wäldchen zwischen dem Rangierbahnhof und den Gleisen, wo jeden Tag 54 Personenzüge durchfahren, ist kein besserer Schallschutz als der Lebhag entlang der Wannenfeldstrasse. Eine Lärmschutzwand entlang der Rangiergleise, vielleicht 1,5 Meter hoch, könnte die Lösung darstellen. Denn, wie es scheine, sei es ja erlaubt, dass nachts rangiert wird, sagt Ammann.

Tagebuch bei Schlaflosigkeit

Die nächtlichen Rangierarbeiten haben die Ammanns im übrigen in einem Lärm-Tagebuch festgehalten. Seit Juli 2013 notieren sie die lärmigen Güterzüge. Fast täglich gibt es Einträge – nachts 2 Uhr, 3 Uhr, 4.30 Uhr.

Fritz Ammann und seine Frau Christina wohnen seit 1983 im Eigenheim an der Tannenstrasse. Ihre zwei Kinder sind mittlerweile erwachsen. Die Zuckerfabrik gab es damals schon, der Lärm kam aber erst mit der neuen Freiverlade-Anlage 1995 in Frauenfeld-West. Fünf Jahre später kam bei Ammanns kurz etwas Hoffnung: Die SBB hatten Fritz Ammann eine Lärmsanierung bis 2009 angekündigt. 2002 entstanden vor der Wohnüberbauung nördlich des Rangierbahnhofs Lärmschutzmassnahmen. Wer die Steinmauern bezahlt hat, erfahren die Ammanns nicht. 2004 bringt ein Brief der Ammanns mit 86 Mitunterzeichnenden an das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) ebenso wenig Erfolg wie 2006 ein erster Brief an Stadtammann Carlo Parolari.

Grenzwerte werden eingehalten

Zwei Jahre später informiert Stadtrat Urs Müller darüber, dass gemäss kantonalem Arbeitsinspektorat die Belastungsgrenzwerte eingehalten werden. «Eigentlich müssten wir einmal Messungen machen», sagt Fritz Ammann. Aber das gehe schnell wieder ins Geld – und das Problem sei trotzdem nicht behoben.

Das vorerst letzte Kapitel dieser Geschichte war vergangenen Januar eine Sitzung von Fritz Ammann mit Vertretern der Stadt und der Zuckerfabrik. In der Zwischenzeit ist nichts passiert. Die Odyssee geht weiter.