Eine Minute im totalen Talentglück

Der Lebenstraum des Romanshorner Entertainers Kurt Oberländer dauerte vielleicht eine Minute. Dann drückten Roman Kilchsperger und DJ Bobo auf den roten Alarmknopf. Trotzdem ist der 75jährige Thurgauer überzeugt, dass seine Karriere jetzt erst in Fahrt kommt.

Ida Sandl
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Kreuzlingen. Rote Brillen überall am Sonntagabend in der Bodensee-Arena in Kreuzlingen: Die Fans von Kurt Oberländer haben sich das Markenzeichen ihres Idols auf die Nasen gesetzt. «Rot ist sexy» steht auf einem selbstgemalten Plakat.

Der Romanshorner Entertainer ist Lokalmatador und einziger Thurgauer im Halbfinal der Fernsehsendung «Die Grössten Schweizer Talente». «Ihr macht mir Angst», sagt Produktionsleiter Nic Sutter mit Blick auf die Rote-Brillen-Masse in den Zuschauerreihen. Mindestens 200 bekennende Fans sollen da sein, es ist sogar von 400 die Rede.

Die Kolleginnen geben Gas

Aber auch Brigitte Fröhli aus Berg, Oberländers Bühnen- und Lebenspartnerin, hat ihre Anhänger. Zehn Arbeitskolleginnen sind gekommen, sie wollen in der Sendung «so richtig Gas geben». Die Kinder von Oberländer und Fröhli sitzen in der ersten Reihe. Auf Facebook haben sie Werbung für ihre Eltern gemacht, sie haben Plakate gemalt und Brillen verteilt. Was getan werden konnte, ist getan.

Die anderen sieben Talente haben ebenfalls ihre Freunde mitgebracht. Dieses Publikum muss nicht mehr aufgeheizt werden. Schon eine halbe Stunde vor Sendebeginn rufen die Männer nach Christa Rigozzi. «Ihr ward ein super Publikum», sagt Sven Epiney, als die Kameras ausgeschaltet sind.

Aber bis dahin muss Kurt Oberländer noch durch die Hölle oder zumindest die Vorhölle. Mit seinen 75 Jahren ist er der Älteste im Halbfinal der Schweizer Talente-Sendung. Der Jüngste, ein Karate-Kind, ist elf.

Für Oberländer geht der Traum seines Lebens in Erfüllung: Einen Auftritt vor grossem Publikum hat er sich immer gewünscht. Als er jung war, hat er in Las Vegas gesungen und mit einer Show wie einst will er bei den Schweizer Fernsehzuschauern punkten. In einem schwarzen Anzug mit Zylinder kommt der Entertainer auf die Bühne, singt «Just a Gigolo». Die Stimme klingt heiser. Klingt so sein «Vollgas»?

Glitzer und Latex

Jetzt zieht er das Jacket aus, die Hose. Dann steht er da in ärmellosem Glitzerhemd und roter Latexhose. «An dieser Hose hatte die Brigitte gar keine Freude», sagt er später.

Die Verwandlung passiert sehr schnell und doch nicht schnell genug. Die Fans klatschen, bis der schrille Ton des Buzzers den Beifall zerreisst. Der Buzzer ist der rote Alarmknopf, den die Jury pressen kann, wenn ihr eine Nummer nicht gefällt. Zuerst drückt Roman Kilchsperger, kurz darauf auch noch DJ Bobo.

Er war noch nicht in Fahrt

Oberländer ist Profi, er macht weiter, bringt die Show zu Ende. Obwohl ihn der Buzzer irritiert hat. «Das kam so früh, ich war noch gar nicht richtig in Fahrt.» Es wird noch schlimmer. Die Kritik nach dem Auftritt ist vernichtend: «Du löst sogar bei Deinen Fans Migräne aus.» Die roten Brillen wirken mit einem Mal fast ein bisschen wie das Symbol der Verlierer. Brigitte Fröhli blieb beim Auftritt im Hintergrund, sie war kaum zu sehen. «Mit Rock 'n' Roll hätten wir sicher mehr Stimmen gemacht», sagt sie.

Aber im nachhinein ist man immer klüger.

Mehr genützt als geschadet

Während sich die Boygroup Phenomen, der Tänzer Fatlum Musliji und die Sängerin Julia Sakar nach der Sendung feiern lassen, beweist Oberländer seinen Optimismus. «Ich habe den Buzzer-Preis gewonnen», scherzt er. Der Auftritt habe ihm mehr genützt als geschadet. «Jetzt wollen die Leute doch wissen, was das für einer ist, bei dem DJ Bobo gebuzzt hat.

» Für dieses Jahr ist das Duo Fröhli/Oberländer ohnehin schon fast ausgebucht. Auch die Familie nimmt die Niederlage sportlich. «Die Konkurrenz war sehr hart», sagt Oberländers Tochter Adina. Ihr Vater werde das sicher wegstecken.