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Eine Lobby für die Kinder

WEINFELDEN. Die Thurgauer Gemeinden betreiben unterschiedliche Angebote zur Kinder- und Jugendförderung. Einige machen auch nichts. In Weinfelden trafen sich die Verantwortlichen zur gegenseitigen Inspiration.
Silvan Meile
Jugendarbeiter Jonathan Trüeb leitet den Jugendtreff in Berg. (Bild: Nana do Carmo)

Jugendarbeiter Jonathan Trüeb leitet den Jugendtreff in Berg. (Bild: Nana do Carmo)

WEINFELDEN. «Auf unserem Gemeindeplatz ist es wieder sauberer», sagt Graziosa Alge aus Müllheim. Auch die Lärmklagen seien verstummt. Und Graziosa Alge weiss, woran das liegt: Die Jugendarbeit sei in Müllheim eine Erfolgsgeschichte. Diese stellte sie als Wegbereiterin an einer Tagung am Mittwochabend vor Verantwortlichen für die Kinder- und Jugendförderung aus dem ganzen Kanton Thurgau vor. «Kommunale Zusammenarbeit» stand auf dem Programm.

Überwältigt vom Aufmarsch

«Wir sind völlig überwältigt vom Interesse», sagt Pascal Mächler, Leiter der kantonalen Fachstelle für Kinder-, Jugend- und Familienfragen. Zum zweiten Mal überhaupt lud die Fachstelle zu einem Netzwerktreffen ein. 120 Personen nahmen daran teil. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 48. Es sind hauptsächlich Vertreter aus den Schulgemeinden und den politischen Behörden, aber auch von kantonalen Stellen oder Organisationen der Jugendförderung. «Das Interesse für Kinder- und Jugendfragen ist im Thurgau vorhanden, das ist super», interpretiert Mächler der Aufmarsch an Teilnehmern. Der Abend diene zur Inspiration und Vernetzung der Verantwortlichen.

Integration im Jugendtreff

Zur Inspirationen wurden Beispiele der Jugendförderung aus den Gemeinden vorgetragen. Graziosa Alges Ausführungen waren ein Teil davon. Vor drei Jahren entstand in Müllheim aus einer Bürgerinitiative ein entsprechender Verein für Jugendarbeit mit Schule, Gemeinde und Kirchen als Trägerschaft. Was einst als Jugendtreff in einer Baubaracke begann, ist seit drei Jahren eine offene Jugendarbeit mit einem Raum im neuen Pfarreiheim und einem angestellten Jugendarbeiter, der teilweise auch die Aufgaben des Bereiches einer Schulsozialarbeit übernimmt.

Nebst dem sauberen Gemeindeplatz zeigt die Jugendarbeit in Müllheim auch anderweitig Wirkung. Ein elfjähriges Flüchtlingskind aus Syrien suche beispielsweise regelmässig den Jugendtreff auf, erklärt Jonathan Trüeb an der Tagung in Weinfelden. «Integration par excellence» nennt er das. Trüeb ist als angestellter Jugendarbeiter in Müllheim die Schnittstelle zwischen Jugendlichen und Erwachsenen. Auch hätte ein Schüler im Jugendtreff schon sein Herz ausgeschüttet, wodurch Missstände in einem Elternhaus behördlich angegangen werden mussten, erwähnt Trüeb als weiteres Erfolgsbeispiel.

Eine Vision in Berg

«Die Kinder- und Jugendarbeit muss in jeder Gemeinde individuell angeschaut werden», sagt Fachstellenleiter Mächler. Eine Standardlösung gäbe es nicht. Und es braucht auch Engagement. Das verdeutlicht vor allem Daniele Reutimanns Ausführungen. Die Gemeinderätin aus Berg schildert, wie sie einst aus dem Kanton Zürich ins beschauliche Berg kam. Doch ihr Bild der heilen Welt mit Kuhglocken habe sich getrübt, als sie Einsitz in die Vormundschaftsbehörde genommen hätte. «Es zeigte missachtete, vernachlässigte Kinder», erzählt sie vor den versammelten Tagungsteilnehmer. Auch Armut habe sie angetroffen. Im Fall einer einzigen Familie seien 64 Helfer involviert gewesen. Deshalb wollte sie für die Gemeinde Berg ein Projekt für Kinder- und Familienpolitik anpacken. Sie schaffte es offensichtlich, den ganzen Gemeinde- und Schulrat dafür zu gewinnen und befragte Einwohner und Fachpersonen. So verfolgt Berg nun eine gemeinsame Vision einer eigenen Kinder- und Jugendpolitik. Als nächster Prozess dürfte sich dort eine entsprechende Kommission bilden.

«Es ist wichtig, dass die Leute Verantwortung übernehmen», sagt Fachstellenleiter Mächler: «Auch die jungen Menschen brauchen eine Lobby.»

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