Eine Konifere fliegt durch die Lüfte

Bäumig, Teil II

Drucken
Teilen
Die mit Seilen und Gurten gesicherte Föhre schwebt über Steckborn. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Die mit Seilen und Gurten gesicherte Föhre schwebt über Steckborn. (Bild: Margrith Pfister-Kübler)

Laut und spektakulär ging es gestern Vormittag im Steckborner Osten zu und her. Ein Transporthelikopter flog Bäume den Berg hoch. Rasch zog die ungewöhnliche Flugshow auch Schaulustige an. «D’Lüüt händ ufeglueget wie verruckt», sagt die langjährige TZ-Journalistin Margrith Pfister-Kübler, die zufällig vor Ort war und die Sache fotografisch festhielt. Viele hätten das Handy gezückt und versucht, das Spektakel am Himmel einzufangen.

Die Bäume und ein paar Betonelemente flogen am Seil des Hubschraubers hoch auf eine Baustelle am Hang, wo derzeit ein Anwesen für seinen neuen Besitzer umgebaut wird. «Es waren vier Föhren zu je etwa drei bis vier Tonnen», ist vom Sprecher der Bauherrschaft zu erfahren. Die Föhren und die Betonelemente seien für den Aussenraum des renovierten Hauses bestimmt. Die Aktion habe rund anderthalb Stunden gedauert. Hätte man nicht den Helikopter als Transportmittel gewählt, hätte ein schwerer Pneukran die Zufahrtsstrasse fast einen Tag lang versperrt. «Es war also auch im Sinne der Anwohner.» Solche Lufttransporte seien in dichter besiedelten Gebieten und in Hanglagen gang und gäbe.

Holzerei mit dem Helikopter ist tatsächlich weit verbreitet im Alpenraum, wozu bei grosszügiger Betrachtungsweise auch die Hanglagen am Untersee gezählt werden dürfen. In der Regel werden da gehauene Stämme vom Berg hinunter ins Tal geflogen. In Steckborn geschah jedoch genau das Umgekehrte. Die schmucken Föhren samt Wurzelwerk sollen am Hang oben eingepflanzt werden. Ein kleiner Hain entsteht dort in einer Privatliegenschaft an Toplage. Dies ist ganz im Sinne des neuen Trends «Urban ­Forestry», wovon schon gestern in dieser Zeitung die Rede war. Föhren oder Kiefern sind wichtige forstliche Nutzbäume und werden gerade im asiatischen Raum gerne in Tempel- und Gartenanlagen eingesetzt. Der Baum stehe für Stärke, Langlebigkeit und beständige Geduld.

Mit dem aufsehenerregenden Helikoptereinsatz gestern hat die einstige Bezirkshauptstadt Steckborn die jetzige Bezirkshauptstadt Frauenfeld zumindest in forsttechnischer Hinsicht in den Schatten gestellt. In Frauenfeld werden die Bäume lediglich mit dem Lastwagen angeliefert und nicht per Luftfracht. Es fehlt hier einfach an begehrten Hanglagen mit Seesicht. (hil)