Eine harte Knacknuss

«Ich sehe was, was du nicht siehst.» Meine Frau Turmspatz hockt am Nestrand über der Altstadt von Steckborn. «Wie viele Fragen habe ich?» «Zehn. Schaffst du das?» «Sicher. Ist es im Städtchen?» Sie schüttelt den Schnabel. «Noch neun.» Nicht im Städtchen heisst wohl in der Natur.

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«Ich sehe was, was du nicht siehst.» Meine Frau Turmspatz hockt am Nestrand über der Altstadt von Steckborn. «Wie viele Fragen habe ich?» «Zehn. Schaffst du das?» «Sicher. Ist es im Städtchen?» Sie schüttelt den Schnabel. «Noch neun.» Nicht im Städtchen heisst wohl in der Natur. «Ist es grün?» Sie denkt nach. «Nein. Acht.» «Blau?» Ich deute auf den See. «Eher nicht. Bleiben sieben.» «Entweder hat etwas eine Farbe oder nicht», brumme ich. «Ist das eine Frage?» Entnervt über meinen Fehlstart nicke ich. «Keine Farbe, kaum sichtbar und unverkäuflich. Noch sechs.» «Dann ist es die Luft. War gar nicht so schwer.» «Fehlanzeige. Fünf Fragen, Halbzeit.» «Nicht im Städtchen, nicht in der Natur, nicht auf dem See, nicht in der Luft. Ist es überhaupt irgendwo?», frage ich gereizt. «Ja. Es existiert. Hier überall. Vier Fragen.» «Normalerweise bin ich gut im Knobeln.» «War das eine Frage?» Sie lächelt. «Nein. Ich tippe auf einen Begriff.» «Richtig. Drei.» «Die Liebe? Die ist überall.» Sie gibt mir einen Kuss. «Gut gemeint, aber leider falsch. Bleiben zwei.» «Etwas Bekanntes und Wertvolles?» «Es ist weltbekannt und unbezahlbar. Ich sehe es von hier und doch wieder nicht. Leider interessiert sich bei uns kaum jemand dafür. Eine Frage hast du noch.» «Unsichtbar und wertvoll? Und trotzdem kann man es nicht zu Geld machen? Sind es die Pfahlbauten, unser Unesco-Weltkulturerbe?» «Zehn Fragen, du Archäologie-Banause.» Sie schüttelt den Kopf. «Leider bist du nicht der Einzige.»