Eine gute Nase für Geschichten

FRAUENFELD. Ein entfernter Onkel aus Deutschland brachte den Frauenfelder Werner Gremlich auf die Spur der Familiengeschichte. Nun hat er viele Fakten und Episoden daraus zu Papier gebracht, auch die vom frivolen Abt Friedrich.

Stefan Hilzinger
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Mehr als tausend Jahre reicht die Geschichte der Gremlichs zurück. Werner Gremlich hat sie recherchiert und ein Buch geschrieben. (Bild: Nana do Carmo)

Mehr als tausend Jahre reicht die Geschichte der Gremlichs zurück. Werner Gremlich hat sie recherchiert und ein Buch geschrieben. (Bild: Nana do Carmo)

Friedrich Gremlich von Ochsenbach hatte es faustdick hinter den Ohren. Er war von 892 bis 910 Abt des Klosters Kempten im Allgäu. «Abt Friedrich Gremlich ist ein mit vielen Tugenden begabter Mann gewesen, liebte aber heimlich die Weiber sehr, und zeugte mit einer gewissen edlen Frau drei Kinder», sagen die Quellen über den Abt.

Diese und andere Anekdoten von Namensvettern aus mehr als tausend Jahren erzählt Werner Gremlich aus Frauenfeld in seinem Buch «Die Gremlich», das er an einem Familienfest am 7. Juli der weitläufigen Verwandtschaft vorstellen wird (siehe Kasten).

«Schuld an diesem Buch ist mein entfernter Onkel Hans aus Deutschland», sagt Werner Gremlich. Dieser hatte ihn vor bald 20 Jahren auf die historische Spur der Familie Gremlich in Pfullendorf auf der Nordseite des Bodensees gebracht. «Onkel Hans wollte 1995 dorthin reisen. Er war schon etwas gebrechlich und hat mich als Reisebegleiter gewählt.»

Ein Meister der Düfte

Die Geschichte seiner Familie hatte Werner Gremlich (Bürgerort Raperswilen TG) bis dahin nicht speziell interessiert. Doch er ist ein Mann mit einer feinen Spürnase. Bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren war der gebürtige Frauenfelder als sogenannter «Duft-Evaluator» tätig, zuletzt bei einer Firma in Dietlikon. «Ich kann Tausende von Düften unterscheiden», sagt Gremlich. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang roch er an Fläschchen und verlieh Produkten wie Parfums oder Duschmittel die gewünschte Note.

Doch sein Onkel Hans belieferte ihn immer wieder mit Unterlagen zur Familiengeschichte, kopierte Seiten aus Archiven, reiste mit ihm ein zweitesmal nach Pfullendorf, wo die Gremlichs wohl herstammen. «Bei mir hatte sich lose einiges Material zur Familiengeschichte angesammelt», Nachdem sein Onkel Hans 2006 starb, fühlte er sich verpflichtet, die Familiengeschichte zu Ende zu recherchieren. Und mit der Pensionierung hatte er dann auch Zeit dafür. «Ich habe allerdings erst im vergangenen Winter mit Schreiben begonnen, zuvor lag das Projekt zwei Jahre auf Eis.»

Junker aus dem Bodenseeraum

So enthält das Buch nun zahlreiche Geschichten aus der Geschichte der Familie. Die Gremlichs gehörten dem niederen Adel an, waren Äbte, Ratsherren und Vögte und sind entsprechend aktenkundig. Im Spätmittelalter sassen Vertreter der adligen Gremlichs auf Schloss Sandegg bei Salenstein und auf Liebenfels bei Lanzenneunforn. Möglich, dass sich da der Schweizer Zweig der Familie mit heutigem Heimatort Raperswilen abgespaltet hat. «Raperswilen ist ja nur wenige Kilometer von der Sandegg entfernt. Eine direkte Verbindung zu dem weitverzweigten süddeutschen Junker-Geschlecht lässt sich aber nicht finden.» Es sei sogar so, dass sich der Familienname an verschiedenen Orten unabhängig voneinander entwickelt habe.

Werner Gremlich ist sich aber nicht gram, dass er kein blaues Blut hat. «Ich bin einfach froh, dass ich das Buch geschrieben habe und einen schönen Teil der ersten Auflage verkaufen konnte.» Jetzt hat er wieder mehr Zeit für seine weiteren Hobbies, wie Tennis und Saxophon spielen.