Eine Friedenskundgebung mit ruhigem Charakter

THURGAU. Die Friedenskundgebung, die gestern in Frauenfeld stattfand, hatte viel ruhigeren Charakter, als manche sich vorgestellt haben mögen. Von der demonstrativen Aufmachung der Maifeiern war nichts zu sehen.

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THURGAU. Die Friedenskundgebung, die gestern in Frauenfeld stattfand, hatte viel ruhigeren Charakter, als manche sich vorgestellt haben mögen. Von der demonstrativen Aufmachung der Maifeiern war nichts zu sehen. In aller Stille fanden sich im «Kreuz»-Saal am Nachmittag gegen 200 Personen zusammen, darunter einige deutsche, österreichische und russische Staatsangehörige und ein paar Frauen und Kinder, um ein Referat von Arbeitersekretär Meyer aus Schaffhausen anzuhören. Herr Meyer hat so gesprochen, wie man es von einem Arbeitersekretär erwarten konnte. Neben manchen trefflichen Ausführungen fanden sich leicht zu widerlegende Gedanken, billige Behauptungen.

Mit Elan in den Krieg

Betont hat der Redner, dass auch die Sozialdemokratie in diesem Krieg versagt habe und dass gerade die extremsten Parteiführer und Genossen mit einer Begeisterung und einem Elan in den Krieg gezogen seien, die überraschen, enttäuschen mussten. Es seien Leute aus schweizerischen Organisationen gewesen, denen die schärfsten Beschlüsse nicht scharf genug gewesen seien und die an allem zu nörgeln und zu kritteln hatten, was schweizerische Genossen für gut befunden haben. Er wollte damit wohl sagen, dass man sich in der schweizerischen sozialdemokratischen Partei zu viel von fremden Elementen habe in unsere Politik reden lassen, nicht beachtend, dass zwischen dem demokratischen Staatswesen der Schweiz und den Verfassungen der monarchischen Staaten denn doch ein grosser Unterschied besteht, der auch für die Erreichung der sozialistischen Ziele andere Richtlinien bedingt.

Resolution gegen den Krieg

Die von der sozialdemokratischen Partei gedruckt vorgelegte Resolution wurde einstimmig angenommen. Darin wird gegen die Kriegsfortsetzung protestiert und an die Bruderparteien aller Länder die Mahnung gerichtet, sich gegen den Krieg aufzulehnen. Die Parteien in den kriegsführenden Staaten werden aufgefordert, von den Regierungen abzurücken, sich der internationalen sozialistischen Pflicht zu erinnern und den Kampf gegen die Fortsetzung des Krieges mit aller Schärfe aufzunehmen: «Krieg dem Kriege! Nieder mit Völkerhass und Militarismus! Hoch die Internationale des Proletariats!» Ein Umzug hat nicht stattgefunden.

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