Eine Französin hält Hof

ERMATINGEN. Die neuen Besitzer führen das Freizeit- und Seminarhotel Ermatinger Hof weiter. Am Montag eröffnet es nach einer Innenrenovation wieder.

Gudrun Enders
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Marie-Anne Hostettler wird das Hotel führen. (Bild: Nana do Carmo)

Marie-Anne Hostettler wird das Hotel führen. (Bild: Nana do Carmo)

ERMATINGEN. Ehepaar Hostettler besitzt den «Ermatinger Hof» seit Anfang Jahr. Mit den neuen Besitzern hält auch das neue Motto «la belle époque» Einzug in das Traditionshotel. Geführt wird es von der Französin Marie-Anne Hostettler. Sie hat deshalb ihren Job im Verlagsmarketing an den Nagel gehängt. Dass das Hotel erhalten bleibt, ist ein Glück für Ermatingen, denn dort befindet sich die für Touristen nötige Infrastruktur gerade auf dem absteigenden Ast. In den vergangenen zwei Jahren gingen die Restaurants Trischli und Hirschen zu. Diese Situation sieht Ueli Spreiter, Präsident von Ermatingen Tourismus, als unerfreulich an: «Das waren Traditionsbeizen.» Mit dem «Hirschen» verschwand auch noch die Gartenwirtschaft am See. «Das ist die unterste Grenze, jetzt sollten wir das Angebot halten», sagt Spreiter.

Der Traum vom eigenen Hotel

Das Problem wird durch die teuren Land- und Immobilienpreise verursacht. Da lohnt es sich, in Wohnraum zu investieren, aber zum Beispiel kaum mehr in die Gastronomie. Statt Hotelzimmer anzubieten, hätten die neuen Besitzer vom «Ermatinger Hof» auch Wohnungen dauerhaft vermieten können. Das hätte sich vermutlich bezahlt gemacht.

«Diese Rechnung haben wir nicht gemacht, die wollten wir auch gar nicht machen», sagt Marie-Anne Hostettler. Sie kaufte zusammen mit ihrem Mann neben dem «Ermatinger Hof» auch das Nachbarhaus, in dem nun die ganze Familie samt der beiden Kinder wohnt.

Für die 43jährige Französin ist mit dem Hotel ein Traum in Erfüllung gegangen. Das Paar suchte schon länger in akzeptabler Reichweite von Zürich.

Denn Andy Hostettler wird dort weiterhin als CEO die Werbeagentur TBWA leiten. Als sie suchten, lag auch der Untersee im Radius. «Den Untersee haben wir erst vor eineinhalb Jahren entdeckt», sagt die Französin und schliesst an: «Wir haben uns in die Gegend verliebt, das kann ich wirklich sagen.»

Den eigenen Stil verwirklichen

Marie-Anne Hostettler schloss im Dezember das Wirtepatent ab und machte den «Ermatinger Hof» erst einmal zu. Seit Januar wird das Innere renoviert. Die Grundstruktur des über 100 Jahre alten Hauses sei sehr gut, sagt Hostettler. «Vorgängerin Prisca Maas Rüesch hat ein Bijou daraus gemacht.» Das Mobiliar der Hotelzimmer etwa wurde belassen. «Wir haben das Glück, dass unserer Vorgängerin viel Wert auf Hygiene und Pflege legte.»

Vor allem haben die neuen Besitzer mit der sanften Innenrenovation ihren eigenen Stil eingebracht. Dabei setzt die Französin auf die «Belle Epoque». Sogar eigene Tapeten wurden speziell kreiert, die im Parterre Akzente setzen. Die Schwiegertochter entwarf die Grafik und ein Geschäft in Winterthur liess die Tapeten drucken.

Die neue Hotelführerin wird grossen Wert auf das Frühstück legen. Zum Hotel gehört zwar kein Restaurant, aber Hostettlers wollen eng mit dem benachbarten «Adler» zusammenarbeiten. Zudem liegt das Haus Phönix nur einen Steinwurf weit entfernt. Sollte also der hoteleigene Seminarraum nicht reichen, lassen sich weitere Räume sowie eine Profiküche im Haus Phönix mieten. Zudem plant die neue Hotelfrau, selbst Seminare zu organisieren.