Eine Bar versteckt im Holzquader

An der Offa in St. Gallen hat Remo Fenske, Lehrling bei der Schreinerei Fust in Wil, mit seinem Möbelstück den ersten Preis beim Lehrlingswettbewerb der Schreiner belegt. Einige Besucher der Ausstellung wollten seine Arbeit sofort kaufen.

Chris Gilb
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Remo Fenskes Möbelstück bietet im Inneren für alles, was eine gute Hausbar benötigt, Platz. (Bild: Chris Gilb)

Remo Fenskes Möbelstück bietet im Inneren für alles, was eine gute Hausbar benötigt, Platz. (Bild: Chris Gilb)

WILEN. Seine Eltern kamen von einem Ferienaufenthalt im deutschen Lindau zurück und schwärmten ihm von einer Holzbar vor, versteckt in einem Lederkoffer, die in ihrem Hotel gestanden hatte. Remo Fenske, 19 Jahre alt aus Wilen, Schreinerlehrling im vierten Lehrjahr bei der Fust AG in Wil, hat in seiner Freizeit schon manches Möbelstück für sein Zuhause gebaut, darunter eine Garderobe und einen Tisch. Er entschied, dass die Bar seine nächste Herausforderung sein sollte. «Ich hatte sowieso beschlossen, mich beim kantonalen Lehrlingswettbewerb der Schreiner anzumelden. Eine verschiebbare Holzbar sollte meine Wettbewerbsarbeit werden. Es ist schön, meine Faszination fürs Holz in einem solchen Rahmen ausleben zu können», sagt Fenske.

Modernes Design mit Holz

Dafür musste er jedoch eine andere Lösung für die Verkleidung der Bar suchen, eine aus Holz statt aus Leder. Also entschied er sich, die Bar passenderweise mit dem Holz von alten Weinkisten zu verkleiden. «Rund 100 Stunden habe ich an der Bar gearbeitet. Die grösste Schwierigkeit war, dieses Holz so zu schleifen, dass es die gleiche Breite hatte und an den Kanten und der Oberfläche glatt war.» Das Arbeitsmaterial hat er von seinem Arbeitgeber erhalten. «Wir ermutigen unsere Lehrlinge darin, sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen, schon einmal haben wir dabei Silber geholt, es ist grossartig, dass es jetzt für Gold gereicht hat», sagt Markus Fust, Inhaber der Fust AG in Wil. «Ich denke, dass mehrere Faktoren den Sieg von Remos Arbeit begünstigt haben», sagt Urs Lenzlinger, der Ausbilder von Fenske in der Schreinerei. Einerseits sei das Möbelstück einfach originell und andererseits die fachliche Arbeit hochstehend. Lenzlinger zeigt auf die Schubladen. «Die Griffe hat Remo Fenske selbst ins Holz eingearbeitet, solche Besonderheiten im Detail sind am ganzen Stück zu sehen.»

Die Bar, die der 19-Jährige gebaut hat, bietet Platz für sieben Flaschen Wein und acht Spirituosen. Auch die passenden Gläser können in dem Möbelstück optisch ansprechend aufbewahrt werden. «Mich reizt es, modernes Design mit Holz zu verbinden», sagt der 19-Jährige.

Nationaler Wettbewerb in Basel

90 Lehrlinge aus dem Kanton St. Gallen meldeten sich für den Wettbewerb der Schreinerlehrlinge an, 70 reichten dann auch ein Möbelstück ein. Eine Jury bestimmte die besten 30 Arbeiten, die dann an der Offa ausgestellt wurden. Dort konnte das Publikum über die Plazierung entscheiden. 383 der 3000 abgegebenen Stimmen entfielen auf Fenskes Bar, was ihm den ersten Platz sicherte. «Schon während der Ausstellung wurde ich mehrmals von Besuchern gefragt, ob ich das Möbelstück nicht verkaufen wolle.» Doch der Prototyp sei für das Wohnzimmer seiner Eltern bestimmt, auf deren Anregung hin er ihn ja schliesslich erst gebaut habe. Es gäbe aber gemeinsam mit seinem Arbeitgeber Überlegungen, das ausgefallene Möbelstück in grösserer Anzahl herzustellen und es dann über die Schreinerei zu vertreiben. «Es war grossartig zu sehen, wie die Menschen die Qualität des Möbels und damit auch den Einsatz, der ein solches beansprucht, wertschätzen», sagt Markus Fust. Doch bevor die Bar den vorgesehenen Platz im Wohnzimmer der Familie Fenske einnehmen kann, wird es den Lehrling erst einmal im Herbst nach Basel begleiten. Dort findet vom 11. bis 15. Oktober dann die nationale Holzmesse statt. «Durch meinen Sieg in St. Gallen habe ich mich für die Teilnehme am nationalen Lehrlingswettbewerb der Schreiner qualifiziert.» Dann ist er selbst schon kein Lehrling mehr. Im Sommer schliesst er seine Lehre ab und wird von seinem bisherigen Lehrbetrieb als Schreiner übernommen.

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