Eine Bank und ein Reich der Mitte

Grossaufmarsch aus Politik und Wirtschaft am Neujahrsapéro der Thurgauer Kantonalbank in Arbon. Ob Firmenchefs oder Gemeindeammann: Alle haben zu China eine Meinung.

Barbara Hettich (text & Fotos)
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Max Arnold von der Firma BHAteam Ingenieure AG, Frauenfeld, und Cornelia Komposch, Gemeindeammann von Herdern.

Max Arnold von der Firma BHAteam Ingenieure AG, Frauenfeld, und Cornelia Komposch, Gemeindeammann von Herdern.

ARBON. Die 5. Auflage des Neujahrsapéros der Thurgauer Kantonalbank TKB stand ganz im Zeichen von China. Das Artistik-Duo Yingling stimmte auf das Thema ein. «Ich hoffe, Sie sind auch gut ausbalanciert ins neue Jahr gestartet», begrüsste Bankratspräsident René Bock die geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft. Nur durch Verständigung entstehe mehr Verständnis, erklärte er und überliess es Barbara Lüthi, Südost-Asien Korrespondentin des Schweizer Fernsehens, China den Thurgauern etwas näher zu bringen.

Supermacht China

«Wird China die nächste Supermacht?» stellte Lüthi als Frage. Und beantwortete diese mit Nein: Zu mächtig seien in China die Beamten, das Parlament sei eine Versammlung korrupter Millionäre. Die soziale Ungleichheit schüre die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, solange die Wirtschaft aber boome, müsse nicht mit einem Umsturz gerechnet werden, so die klare Einschätzung der Korrespondentin, die selbst acht Jahre in China gewohnt hat.

Die grösste Herausforderung der Zukunft sei für China der Umweltschutz, deswegen sei China auf diesem Gebiet an Kooperationen interessiert und wolle Know-how in Sachen Recycling erwerben. Wer mit China geschäftet, sollte allerdings die chinesische Mentalität verstehen. List und Täuschung sind in China anerkannte Tugenden, ein Vertrag nie in Stein gemeisselt: «Die Chinesen ticken anders.»

Exportschlager Frühlingsrolle

Bei Suppe und Frühlingsrollen liess es sich dann bestens über China austauschen. Nicht wenige der Gäste des Neujahrsapéros konnten über ihre eigenen Erfahrungen mit China berichten. «Wir exportieren unsere Produkte auch nach China», sagte Marco Baumann von der Kreuzlinger Firma Rausch AG.

Cornelia Komposch, Regierungsratskandidatin und Gemeindeammann von Herdern beherbergte während eines Jahres einen chinesischen Austauschstudenten.

Der Salensteiner Gemeindeammann Roland Streit arbeitete in seiner früheren Funktion bei Müller Martini während vier Jahren in China. Roland Gutjahr von der Ernst Fischer AG in Romanshorn will sich auch künftig nicht auf ein China-Abenteuer einlassen: «Will man in einem Land wirtschaftlich bestehen, muss man folgende drei Dinge kennen: Produkt, Geographie und die Menschen», sagt er. Daniela Lutz Müller, TKB-Bankrätin aus Frauenfeld, meint: «Wirtschaftlich werden wir an China nicht vorbei kommen.»

Bankrätin Daniela Lutz Müller, Frauenfeld, im Gespräch mit SP-Kantonsrätin Inge Abegglen, Arbon.

Bankrätin Daniela Lutz Müller, Frauenfeld, im Gespräch mit SP-Kantonsrätin Inge Abegglen, Arbon.

Richard Nägeli von der Firma Tuchschmid AG, Frauenfeld, im Gespräch mit SP-Regierungsrat Claudius Graf-Schelling, Arbon.

Richard Nägeli von der Firma Tuchschmid AG, Frauenfeld, im Gespräch mit SP-Regierungsrat Claudius Graf-Schelling, Arbon.

Christian Juchli (Privatklinik Seeschau, Kreuzlingen), Jan Ellenbroek (Ellenbroek Hugentobler AG) und Marco Baumann (Rausch AG).

Christian Juchli (Privatklinik Seeschau, Kreuzlingen), Jan Ellenbroek (Ellenbroek Hugentobler AG) und Marco Baumann (Rausch AG).

Bruno Räss (PWC, St. Gallen), Roland Gutjahr (Ernst Fischer AG, Romanshorn), Stephan Häuselmann (Promega Treuhand, Amriswil).

Bruno Räss (PWC, St. Gallen), Roland Gutjahr (Ernst Fischer AG, Romanshorn), Stephan Häuselmann (Promega Treuhand, Amriswil).

Gemeindeammann Roland Streit, Salenstein, Thomas Obertüfer (Schiess Wohntextil AG, Erlen) und Iris Coray (L+S AG, Sommeri).

Gemeindeammann Roland Streit, Salenstein, Thomas Obertüfer (Schiess Wohntextil AG, Erlen) und Iris Coray (L+S AG, Sommeri).