Eine Badi für zwei Kantone

Zwischen dem Bichelsee und den Ufern der Töss liegt Turbenthal, die fünftgrösste Gemeinde des Kantons Zürich. Ein Schnittpunkt zum Thurgau ist die Badi am Bichelsee. Sie wird von Thurgauern geführt, liegt aber auf Zürcher Boden.

Silvan Meile
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Hansruedi und Albert Büchi wohnen direkt bei der Badi Bichelsee, auf dem Zürcher Kantonsgebiet. (Bild: Silvan Meile)

Hansruedi und Albert Büchi wohnen direkt bei der Badi Bichelsee, auf dem Zürcher Kantonsgebiet. (Bild: Silvan Meile)

TURBENTHAL. Die Wiese des Strandbades Bichelsee ist ein Ort, an dem sich Zürcher und Thurgauer in Badehosen treffen. Durch den kleinen See verläuft die Kantonsgrenze. Die Badegäste kommen von hüben wie drüben. Der deutlich grössere Teil des Gewässers liegt zwar auf Thurgauer Boden, die genossenschaftlich geführte Badi ist aber vollumfänglich auf Zürcher Kantonsgebiet und gehört somit zur Gemeinde Turbenthal. Hier am nordöstlichsten Punkt der Zürcher Gemeinde kreuzen sich auch die Strassen aus dem Hinterthurgau und dem Tösstal sowie jene, die von Aadorf und Elgg über den kleinen Pass Rüetschberg führt.

Eine Engländerin bei den Büchis

Nur einen Steinwurf von der Badi Bichelsee entfernt liegt Seelmatten, ein kleines Turbenthaler Dorf am Ufer des Bichelsees und am Fusse des Rütschbergs. Zu seinen rund hundert Einwohnern zählen die Brüder Albert und Hansruedi Büchi. Ihr Nachnahme ist hier Programm. Jeder dritte Einwohner heisst in Seelmatten Büchi. Früher seien es noch mehr gewesen, sagte Hansruedi.

Als engagierte Personen aus Bichelsee in den 30er-Jahren die Infrastruktur für das Strandbad finanzierten, stellten die Turbenthaler, insbesondere die Seelmattener, das Land für die Badi zur Verfügung. «Aus diesem Grund bezahlen die Einwohner Seelmattens bis zum heutigen Tag keinen Eintritt in die Badi», sagt Hansruedi Büchi.

Kürzlich stellte eine neu ins kleine Dorf zugezogene Engländerin diese Regel auf die Probe. Der langjährige Bademeister Guido Müller klärte das mit einem kurzen Gespräch mit den Büchis ab, wodurch nun auch die in Seelmatten wohnhafte Engländerin kostenlos im Bichelsee schwimmen darf.

Die fünftgrösste Gemeinde

Die Strasse ins Dorfzentrum von Turbenthal ist vom Bichelsee aus sechs Kilometer lang. Der Weg führt über weite Felder. Das Tal ist auf beiden Seiten von dichtem Wald flankiert. 92 Prozent des Gemeindegebietes zwischen der Töss und dem Bichelsee sind Landwirtschaftsflächen oder Wald. Turbenthal ist die fünftgrösste Gemeinde im Kanton Zürich. Einst regierten hier die Landvögte auf der nahegelegenen Kyburg.

Heute gehört die Gemeinde zum Bezirk Winterthur. 23 Minuten dauerte die Zugfahrt von Turbenthal dem Fluss Töss entlang bis nach Winterthur, wo schon Generationen von Turbenthalern eine Arbeit fanden.

Kontakt hinter der Panzersperre

Die Büchis in Seelmatten fühlen sich zwar unbestritten als Zürcher, pflegen aber sehr gute Beziehungen in den Thurgau, sagen sie. Die reformierte Kirchgemeinde Seelmatten gehöre beispielsweise seit jeher zum thurgauischen Bichelsee. Das führte dazu, dass die Brüder Büchi während ihrer Schulzeit jeweils mit dem Fahrrad ins sechs Kilometer entfernte Turbenthal zur Schule mussten. Für den Religionsunterricht radelten sie dann wieder zurück, am Elternhaus vorbei, und hatten dann nochmals sieben Kilometer bis Dussnang vor sich, wo der Unterricht ihrer Kirchgemeinde stattfand. So entstanden schon früh Kontakte jenseits der Panzersperren aus den 30er Jahren, die beim Bichelsee augenfällig die Kantonsgrenze markieren.

Genau an dieser Stelle liegt das Strandbad Bichelsee. Der See gehört aber keiner der beiden Gemeinden und Kantonen. Eine Winterthurer Aktiengesellschaft ist im Besitz des Bichelsees. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass das Strandbad der Ort ist, an dem sich die Turbenthaler am häufigsten mit den Leuten aus Bichelsee treffen – beinahe vor der Haustüre der Büchis und standesgemäss in Badehosen.

Hinter dem Dorfzentrum zeigt sich das weitläufige Waldgebiet. (Bild: Silvan Meile)

Hinter dem Dorfzentrum zeigt sich das weitläufige Waldgebiet. (Bild: Silvan Meile)

Bild: SILVAN MEILE

Bild: SILVAN MEILE