Eine Ansicht ohne Riesen

FRAUENFELD. Archivar Angelus Hux hat eine alte Stadtansicht von Frauenfeld entdeckt. Auf der vermisst er die beiden Mammutbäume vor dem Regierungsgebäude.

Gudrun Enders
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Die Stadtansicht von Frauenfeld, gezeichnet um das Jahr 1884. (Bild: Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv)

Die Stadtansicht von Frauenfeld, gezeichnet um das Jahr 1884. (Bild: Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv)

Die Originalansicht von Frauenfeld findet sich in der Graphischen Sammlung der Zentralbibliothek Zürich. L. Wagner zeichnete sie um das Jahr 1884 mit Feder und Pinsel. Er hielt damals alle Kantonshauptorte der Schweiz fest.

Zwei Reihen an Bäumen

Auf seiner Ansicht von Frauenfeld ist deutlich auszumachen, dass eine Reihe Kastanien oder Platanen die Front des Regierungsgebäudes begleitete und eine zweite Reihe den Schwung des ehemaligen Stadtweihers aufnahm und sich bis zur Huber-Druckerei fortsetzte. «Der Platz vor dem Regierungsgebäude wurde offensichtlich noch nicht als Durchgangsstrasse benutzt», schreibt Hux.

Zwei Mammutbäume gesucht

Der Archivar vermisst aber die Mammutbäume, die vor dem Regierungsgebäude standen und 1930 gefällt wurden: «Wo sind die beiden Bäume? Der sorgfältige und detailgenaue Zeichner hätte sie bestimmt festgehalten.» Dass die beiden Mammutbäume um 1865 gepflanzt wurden, ist mehrfach dokumentiert. Im Band über «Die Thurgauischen Parkbäume und Ziersträucher» der Thurgauischen Naturforschenden Gesellschaft von 1917 wird als Setzjahr 1865 angegeben. P. Altwegg berichtete 1933 über die Fällung der Riesen und siedelte dank Augenzeugen das Setzdatum um 1865 an, was sich mit der Zählung der Jahrringe deckte. Das Rätsel ist vielleicht einfach zu lösen: Als die Ansicht entstand, überragten die damals etwa 20jährigen Mammutbäume die anderen Bäume womöglich noch gar nicht.

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