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Ein zweites Leben in Senegal

Das Hilfswerk «Hand für Afrika» hat mehr als 200 Bildschirme und Drucker der St. Galler Gerichte vor der Entsorgung bewahrt und in senegalesische Schulen gebracht. Das Projekt wurde trotz einer Einschränkung des Kantons zum Erfolg.
Ruth Frischknecht
Eine Schülerin in einer Schule im senegalesischen Thiès vor einem Computer mit St. Galler Bildschirm. (Bild: pd)

Eine Schülerin in einer Schule im senegalesischen Thiès vor einem Computer mit St. Galler Bildschirm. (Bild: pd)

ST. GALLEN. In regelmässigen Zeitabständen werden in Verwaltungen Drucker, Monitore und Rechner ersetzt. Auch wenn die Geräte veraltet sind, funktionieren sie eigentlich noch. Das St. Galler Hilfswerk «Hand für Afrika» hat nun mehr als 200 solche Geräte nach Senegal gebracht. Die 174 Bildschirme und 35 Laserdrucker waren zuvor in den kantonalen Gerichten installiert und wären ausgemustert und entsorgt worden.

Agnes Benz, Präsidentin des Hilfswerks, hat zusammen mit Projektkoordinator Patrick Guidon ein Gesuch an den Kanton gestellt. Statt auf den Müll sollten Drucker und Bildschirme in senegalesische Schulen gebracht werden. «Der Antrag wurde schnell und unbürokratisch bewilligt», sagt Guidon. Der 39-Jährige ist Vizepräsident des Kantonsgerichts und erfuhr deshalb früh genug vom Austausch der Informatikgeräte. Das Hilfswerk erhielt nur eine Auflage seitens des Kantons: Es dürfen keine Kosten entstehen. «Hand für Afrika» konnte deshalb die Rechner nicht mitnehmen. «Wir hätten neue Betriebssysteme installieren müssen. Das war organisatorisch und wegen der hohen Kosten für uns nicht zu bewältigen», sagt Agnes Benz.

Einmal durch den Kanton

Um die Drucker und Bildschirme einzusammeln, starteten vier Mitglieder von «Hand für Afrika», darunter auch Benz und Guidon, zu einer Tour durch den ganzen Kanton: Von St. Gallen via Rorschach, Altstätten und Mels ging es nach Uznach und von dort über Lichtensteig und Wil wieder zurück nach St. Gallen. «Das alles zu koordinieren war eine Herausforderung», sagt Agnes Benz. Mit dem Einsammeln war die Arbeit aber nicht getan. Die Geräte mussten in einer Garage zwischengelagert werden, bevor sie zusammen mit anderen Hilfsgütern nach Senegal verfrachtet wurden. Die beiden Schiffscontainer aus St. Gallen wogen mehrere Tonnen.

Agnes Benz nahm die Fracht in Senegal in Empfang. Ihr sei es wichtig, beim Abladen und Verteilen dabei zu sein. «So kann ich die Freundschaft zu den Leuten vor Ort pflegen und gleichzeitig sicher sein, dass die Güter in die richtigen Hände geraten.» Etwa zweimal im Jahr reist die 68-Jährige ins westafrikanische Land, nicht selten begleitet von Leuten, die Geld an «Hand für Afrika» gespendet haben. «Sie wollen sich vor Ort davon überzeugen, dass ihre Spende ankommt. «Hand für Afrika» ist als Verein organisiert. Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Der Mitgliederbeitrag von 20 Franken pro Jahr wird verwendet, um die administrativen Arbeiten zu bezahlen. «Das bedeutet, dass jeder gespendete Franken auch wirklich in Senegal ankommt», sagt Agnes Benz.

Ausrüstung fürs ganze Dorf

Angekommen sind auch die Bildschirme und Drucker. Sie stehen nun in acht Schulen in der Region Thiès, die das Hilfswerk unterstützt oder gebaut hat. «Unser oberstes Ziel ist es, den jungen Leuten Schulbildung zu ermöglichen. Die meisten unserer Projekte setzen unmittelbar dort an», sagt Agnes Benz. Die Geräte kommen aber auch Erwachsenen zugute. Sie können abends Computerkurse besuchen. «Technische Geräte sind teuer. Auch die öffentliche Hand kann sie sich kaum leisten.» Die Freude über die Bildschirme und Drucker sei deshalb gross gewesen. «Die Dankbarkeit der Leute zu spüren ist ein Geschenk», sagt Agnes Benz. Sie ist überzeugt, dass die Geräte bei der Ausbildung der Schüler gute Dienste tun werden.

Anfragen aus der Bevölkerung

«Hand für Afrika» wird oft von einheimischen Vertrauenspersonen um Hilfe gebeten. «So müssen wir nicht daran zweifeln, ob unsere Projekte am richtigen Ort ansetzen.» Ein Landwirtschaftsprojekt, das das Hilfswerk nebst den Schulen ebenfalls verfolgt, ist auf Anregung des Generaldirektors der Caritas in Senegal, Abbé Ambroise Tine, entstanden. Er stellte fest, dass viele Jugendliche aus dem Umland von Thiès in den Slums von Dakar lebten. Er teilte seine Sorgen Agnes Benz mit. «Hand für Afrika» stellt nun Boden, Werkzeug und Saatgut zur Verfügung. So können die Dorfbewohner Gemüse für den Eigengebrauch anbauen und einen Teil davon verkaufen. Das Projekt zeigt Wirkung: Die Jugendlichen aus den Slums der Hauptstadt sind ins heimische Dorf zurückgekehrt. Für Benz ist das ein Erfolg: «Zu sehen, dass die Projekte wortwörtlich Früchte tragen, ist ein wunderbares Gefühl.»

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