Ein Zuhause für Vogelnachwuchs

Derzeit schliessen die Vogelschutzvereine ihre Nistkasten-Kontrollstatistiken ab. Der Natur- und Vogelschutzverein Frauenfeld betreibt seit 70 Jahren Nistkästen. Manchmal finden die Kontrolleure aber auch Mäuse.

Mathias Frei
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Das Nest eines Haussperlings aus einem Nistkasten. (Bild: Sandra Schweizer)

Das Nest eines Haussperlings aus einem Nistkasten. (Bild: Sandra Schweizer)

FRAUENFELD. «In unserer Region leben rund 120 Brutvogelarten.» Das sagt Patrik Peyer. Er ist Vorstandsmitglied des Natur- und Vogelschutzvereins (NVV) Frauenfeld. Die meisten dieser Brutvogelarten seien zwar nicht auf Nistkästen angewiesen. Gleichwohl sei der Betrieb von Nistkästen im Sinne der Bestandsüberwachung und der Artenförderung von Bedeutung, «aktiver Vogelschutz eben».

Statistik an andere Verbände

Eine Aufgabe des NVV Frauenfeld ist der Unterhalt und die Kontrolle der Nistkästen auf dem Stadtgebiet – von der Murkart bis ins Burgerholz – und in Häuslenen. Elf Personen teilen sich diese aufwendige Arbeit und betreuen derzeit rund 360 Kästen. Jeweils Ende Jahr schickt der NVV Frauenfeld die Nistkastenstatistiken an den Kantonalverband, dieser weiter an Bird Life Schweiz.

Das Kontrollieren und Reinigen der Kästen beginnt jeweils im Herbst. Wie Peyer erklärt, wird der Nistkasten geöffnet und ausgehend vom Nest auf deren Erbauer geschlossen. In Frauenfeld brüten vielfach Meisen in den kleinen Holzkisten, die an Bäumen hängen – laut Statistik in über 200 Nistkästen. «Meisen bauen sehr feine Nester, zum Beispiel mit Haaren. Kleiberkästen erkennt man daran, dass das Einflugloch <zugemauert> ist.» Spatzen wiederum würden ihr Nest komplett vollstopfen, sagt Peyer.

Nur an Brennholzbäumen

Und dann findet man auch Siebenschläfer oder Mäuse, die es sich in den Kästen gemütlich machen – und selten Wespen oder Hornissen. Siebenschläfer erkennt man an den grünen Buchenblättern im Nest, bei der Haselmaus sind die Buchenblätter schon dürr und braun. Ist das Nest bestimmt, geht es für den Kontrolleur an die Reinigung mit Spatel und Bürste. Defekte Kästen werden repariert oder ersetzt. «Neue Kästen nur an sogenannten Brennholzbäumen befestigen!», heisst es in einem Merkblatt.

«Die Nistkastenkontrolle ist eine zeitaufwendige Freiwilligenarbeit», sagt Peyer. Pro gereinigtem Kasten wird der Kontrolleur mit einem Franken entschädigt. Die Kästen zimmert ein Mitglied des NVV Frauenfeld.

Systematisch seit 1944

In der Schweiz gibt es über eine Million Nistkästen, im Thurgau sind es rund 8300. Älteste Thurgauer Aufzeichnungen handeln 1918 von einen Storchennest auf Frauenfelds evangelischer Stadtkirche. Ein Frauenfelder war damals engagiert und listete 90 beobachtete Vogelarten in der Region Frauenfeld auf. Nisthöhlen wurden schon 1920 aufgehängt und gereinigt – nicht nur in Frauenfeld, sondern auch in Arbon, Romanshorn, dem Hinterthurgau, Amriswil, Kreuzlingen und Weinfelden.

In Frauenfeld gibt es seit 1944 durchgehend bis heute systematische Nistkastenstatistiken. Im ersten Datenjahr hingen 411 Kästen, der Verein hiess noch Kleintier- und Vogelschutzverein. In den damaligen Statistiken ist zum Beispiel noch der Wendehals aufgeführt. «Er hat zuletzt vor rund 20 Jahren im Thurgau gebrütet», weiss Peyer.

nvvfrauenfeld.birdlife.ch