Ein Zoo mit allem Drum und Dran

Mit bunten Kunststoffbauteilen haben Primarschüler kleine Welten errichtet. Ziel war es, bei Mädchen und Buben das Interesse für Technik zu wecken und damit auch Rollenbildern vorzubeugen.

Evi Biedermann
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Lehrer Hanspeter Inauen begleitet die Primarschüler bei den Bauarbeiten. (Bild: Evi Biedermann)

Lehrer Hanspeter Inauen begleitet die Primarschüler bei den Bauarbeiten. (Bild: Evi Biedermann)

Evi Biedermann

frauenfeld@thurgauerzeitung.ch

Bunte Eltoys helfen den Primarschülern, aus Kleinem etwas Grosses und Einmaliges zu kreieren. Die kleinen Kunststoffteile, die vor über 40 Jahren in der Schweiz für Schulen entwickelt wurden, lassen sich schier un­begrenzt zusammensetzen und miteinander kombinieren. Vom einfachen Bänkli bis zum kom­plizierten Fahrzeug oder einer beweglichen Fantasiekonstruktion ist alles möglich.

Seit einem Jahr beschäfti­gen sich die Primarschüler von Warth-Weiningen in lockeren Abständen mit dem Thema Kon­struieren, Technik und Mechanik. «In diesem Alter entstehen Rollenbilder», sagt Schulleiterin Brigitta Fegble. Dem wolle man vorbeugen. Nicht nur Buben sollen Technik erfahren, sondern auch Mädchen. Die Eltoys-Bausteine wurden der Schule von der gleichnamigen Firma zur Ver­fügung gestellt – zur Freude der Kinder, die immer mal wieder im Unterricht etwas nach ihren eigenen Vorstellungen konstruieren durften. Vergangene Woche nun gaben sie richtig Gas und erstellten in knapp drei Tagen einen Zoo mit allem Drum und Dran.

Tiger, Giraffen und Imbissbuden

Tiger, Giraffen, Elefanten, Pfaue, Ziegen und Krokodile tummeln sich darin, und für die Besucher gibt es einen Kiosk, einen Aussichtsturm und eine Frittenbude. Bäume spenden Schatten, überall stehen Gebäude und Fahr­zeuge, auch ein Teich und ein Bächlein fehlen nicht. Für die ­Sicherheit der Besucher sorgen Drahtgitter und Zäune. Wahrlich, es wurde an alles gedacht.

Am Tag vor dem Elternbesuchstag wird noch emsig gewerkelt in den Klassenzimmern. «Wo ist der Leim?», «Gibst du mir bitte den Pinsel» oder «Nein, das gehört sicher nicht dorthin», tönt es in der Gruppe von Lehrer Hanspeter Inauen, und er selber muss für letzte Löcher noch mit der Bohrmaschine hantieren.

Wie üblich an Projekttagen, arbeiten die Kinder gruppen­weise sowie alters- und klassendurchmischt unter Anleitung des Lehrerteams. Diesmal sind auch zwei Lehrlinge von Stadler Rail dabei, die helfen, anregen, vorzeigen und dafür bewundert werden. Da werden selbst die wildesten Buben zahm. Und manchmal müssen die beiden angehenden Automatikmonteure einfach nur staunen. «Die Kinder haben zum Teil originelle Ideen. Und manche gehen sehr selbstständig ans Werk», sagt Tim Gerber.

Verrückte Steinchen, bis alles perfekt ist

Insgesamt elf Platten sind in Arbeit. Für den bevorstehenden Besuchstag werden sie nach einem vorgezeichneten Plan zusammengesetzt, damit das Bächlein an den Übergängen weiterfliesst, anstatt in den Ziegenstall hinein. Dann werden die Kinder ihr gemeinsames Werk erstmals in ganzer Grösse sehen. Bis dahin wird wohl manch ein Tier nochmals den Platz wechseln oder da und dort ein Gebäude verschoben werden. Es bleibt ja noch genug Zeit dafür.

Es mache Spass, selber oder gemeinsam etwas zu bauen, sagt Jan. «Aber jetzt bin ich froh, dass es geschafft ist.» Es sei nicht alles so einfach gewesen, wie es jetzt aussehe. «Manchmal mussten wir mehrmals von vorne anfangen, bis alles zusammenpasste und auch zusammenblieb», erklärt der Drittklässler. Für Laura hingegen könnte es noch länger dauern. «Ich gestalte sehr gern», sagt die Viertklässlerin, während sie vorsichtig ein paar Steinchen verrückt – wohl nicht zum letzten Mal. Alles muss perfekt sein.