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Ein Zimmer für zwei Monate

MÜLLHEIM. Helen Lochbihler bietet in Müllheim Bed and Breakfast an. Das Geschäft laufe gut, obwohl die Leute meist nicht mehr bei ihr Ferien machen – sondern arbeiten. Wenn sie ein volles Haus hat, schläft sie gelegentlich in der Waschküche.
Selina Giger
Eines der Zimmer von Helen Lochbihler – im altmodischen Stil. (Bild: Donato Caspari)

Eines der Zimmer von Helen Lochbihler – im altmodischen Stil. (Bild: Donato Caspari)

MÜLLHEIM. Ein Riegelhaus steht mitten im Müllheimer Dorf. Die Fassade wirkt schon älter, aber dennoch gepflegt. Ein Wintergarten ist angebaut. Das Haus ist über 100 Jahre alt und gehört Helen Lochbihler. Einst sei es eine Remise ihres Urgrossvaters Caspar Gubler gewesen, sagt sie. Vor rund 30 Jahren sei es jedoch durch Lochbihlers Schwester in ein Riegelhaus umgebaut worden. «Nun biete ich Bed and Breakfast (BnB) an», sagt die 66-Jährige. Zusätzlich habe sie auch noch ein Büchercafé. Dieses laufe nicht so gut. Das BnB aber umso besser.

Vor allem Arbeitstouristen

Die Zahl an Gästen variiere, sagt sie. «Manchmal ist mein Haus überfüllt, und dann gibt es wieder Zeiten, in denen ich alleine bin.» Alles in allem laufe es aber gut. Vor allem bei Anlässen wie zum Beispiel einem Westernreitkurs in der Nähe oder dem Tambourenfest sei sie schon lange im voraus ausgebucht. «Wenn so viele Leute kommen, schlafe ich auch einmal in der Waschküche.» Sie überlasse dann den Gästen auch ihr eigenes Zimmer.

Leute, die Ferien machen, seien bei ihr im Haus aber eher selten. «Die meisten sind Ausländer, die für zwei, drei Monate in die Schweiz arbeiten kommen.» Für diese sei das Bed and Breakfast aber eigentlich nicht die perfekte Lösung. Denn die Arbeiter wollten meist auch die Küche mitbenutzen. Die Küche sei aber ihr Revier, sagt Lochbihler lachend. «Einige Arbeitstouristen möchten auch gar keinen Kontakt zu Land und Leuten.» Sie würden nach dem Arbeiten ihre Ruhe wollen – da sei auch ein Schritt aus dem Zimmer zum zwei Meter entfernten Bad zu viel. Sie bevorzugten dann Zimmer mit Bad im eigenen Raum. Eines ihrer vier Zimmer ist ein solches. Bei den anderen ist das Bad im Flur.

Ruhige Lage, aber zentrumsnah

Die Ursprungsidee des BnB sei aber eine andere gewesen. Nebst einer Übernachtung und einem Zmorge seien ein Einblick in die Kultur und der Kontakt mit den Menschen wichtig gewesen. «Man hat auch Informationen ausgetauscht – heute hat man dafür das iPhone.» Die Ursprungsidee wandle sich. Aber nicht für alle. «Ich treffe immer wieder interessante Menschen, die offen sind.»

Schliesslich sei BnB durchaus eine gute Lösung – auch für Arbeiter und Geschäftsleute. Hotels seien meist zu teuer, und eine Wohnung für nur drei Monate zu finden, sei so gut wie unmöglich. Auch Maja Michel von Tourismus Regio Frauenfeld ist der Meinung, dass BnB ein wichtiges Angebot im Tourismus sei. Je nach Budget oder Vorliebe gingen die Leute lieber ins Hotel oder zum BnB. «In der Regio Frauenfeld gibt's im Vergleich zu anderen Orten nicht so viele Angebote.», sagt Michel. Warum es genau in Müllheim viele Anbieter gebe (siehe Kasten) erklärt sich die ehemalige Reiseleiterin Helen Lochbihler durch die Lage – nahe bei Frauenfeld und Zürich, aber dennoch ruhig. Die Zimmer rentieren, reich werde sie aber nicht. «Aber ich beherberge die Leute schliesslich gerne.»

Helen Lochbihler Anbieterin von Bed and Breakfast und einem Büchercafé. (Bild: Donato Caspari)

Helen Lochbihler Anbieterin von Bed and Breakfast und einem Büchercafé. (Bild: Donato Caspari)

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